-Anzeige-Neues aus der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach

Hund Enjo ist der Star inder Geriatrischen Tagesstätte

Hund Enjo ist der Star in
der Geriatrischen Tagesstätte

Enjo löst bei all seinen Besuchen Freude bei den Patienten aus.privat

Andernach. In der Geriatrischen Tagesstätte der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach (RMF) sorgt seit geraumer Zeit ein Einjähriger für mächtigen Wirbel. Er leckt Hände, beschnuppert Stühle und Tische und ist trotzdem ein Star in der Einrichtung.

Die Rede ist von Enjo, einem Labradoodle, der einmal in der Woche mit seinem Frauchen Tanja van Boemmel die Tagesstätte der gerontopsychiatrischen Abteilung der RMF besucht. Enjo beweist jedes Mal aufs Neue, dass er viel mehr kann, als nur den Kopf auf die Seite legen und die Ohren spitzen: Er ist ein Therapiehund - zumindest wird er derzeit zu einem ausgebildet, und in dieser Funktion äußerst beliebt bei den pflegebedürftigen älteren Menschen, die in der Tagesstätte von einem multiprofessionellen Team gepflegt und versorgt werden.

Wenn Enjo den Raum betritt, sind alle Augen gespannt auf ihn gerichtet. Einige der Senioren wollen sofort mit ihm spielen, andere beobachten genau, was passiert. Van Boemmel, die seit fast 20 Jahren Ergotherapeutin in der RMF ist, hat Leckerlis und Spielgeräte für Enjo dabei, mit denen die Tagesgäste in Interaktion mit dem Hund treten sollen.

Es herrscht allgemeine Fröhlichkeit und auch nach einer Viertelstunde ist dem jungen Vierbeiner eines gewiss: die volle Aufmerksamkeit seines Publikums.

Für viele der an Demenzen leidenden Tagesgäste ist bereits das ein Erfolg, denn die Konzentrationsfähigkeit nimmt bei einer Demenz schnell rapide ab. „Wenn Enjo da ist, kommen wir leichter an die Patienten ran. Sonst ist es schwerer, Reaktionen hervorzurufen“, erklärt Agnes Francois, die Leiterin der Tagesstätte. Ziel der tiergestützten Therapie ist es, Fein- (beispielsweise durch Fellpflege) und Grobmotorik (Spaziergang) sowie das Wohlbefinden der Gäste zu verbessern und für noch mehr Abwechslung im Tagesprogramm zu sorgen.

Enjo wird von den Patienten sehr gut aufgenommen

Zwar sind wissenschaftliche Studien und Untersuchungen zur Nachhaltigkeit tiergestützter Therapien noch rar gesät, doch was die Verantwortlichen in der Tagesstätte allwöchentlich erleben, bestärkt sie, dass der ungewöhnliche Weg, Enjo ins Konzept zu integrieren, der richtige ist. Francois: „Teilweise können sich unsere Gäste die Namen der Teammitglieder nur schwer merken, doch den Namen des Hundes behalten sie. Sie fragen uns sogar aktiv, wann Enjo uns wieder besucht.“ Weil bei Demenzen auch das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigt wird, ist für Francois und ihr Team die konkrete Frage nach Enjo ein weiteres Indiz für die Wirksamkeit der Maßnahme.

Dabei sind Tanja van Boemmel und Enjo noch nicht einmal fertig mit ihrer Ausbildung. Die ist knallhart und sehr aufwendig. In der Region gibt es nur wenige, die sich auf den steinigen Weg begeben, ein Therapie begleitendes Team zu werden. Viel Eigeninitiative und Durchhaltevermögen sind erforderlich. Auch die finanziellen Mittel bringt die Ergotherapeutin selbst auf. „Die Ausbildung dauert bis zu eineinhalb Jahren bei anerkannten Hundetrainern und umfasst mindestens 220 Stunden. Dazu kommen Hundeschule und weitere Trainings. Mensch und Tier werden ausgebildet“, gibt van Boemmel einen Einblick.

Natürlich macht solch eine anstrengende Ausbildung nicht jeder Hund mit. Das Tier muss besondere Wesenszüge in sich tragen, um die anspruchsvollen Aufgaben zu meistern. Labradoodle, eine Mischung zwischen Labrador und Pudel, erfüllen diese Voraussetzungen. Diese Hunde, besonders Enjo, lernen schnell und sind äußerst stresstolerant, was besonders bei der Arbeit mit den Senioren von hoher Bedeutung ist. Enjo wird teilweise ohne Vorwarnung sehr geherzt, da einige der Gäste selbst früher Hunde hatten, und sich daran noch erinnern.

Tiergestützte Therapie

soll fester Bestandteil werden

Van Boemmel erfüllt sich einen lang gehegten Traum, für den sie bereit ist, viele Entbehrungen in Kauf zu nehmen. Die Ausbildung und vor allem die gemeinsame Arbeit mit ihrem Hund in der Geriatrischen Tagesstätte macht ihr große Freude. Bevor sie loslegen konnte, hatte sie jedoch eine Menge Bürokratie zu überwinden. Veterinär- und Gesundheitsamt wollten logischerweise wissen, wie das mit Enjo in der Klinik funktioniert - Hygienepläne mussten erstellt werden.

Seit Herbst vergangenen Jahres sind sie und Enjo fester Bestandteil des wöchentlichen Programms in der Tagesstätte. Die Besuche absolviert sie (noch) auf ehrenamtlicher Basis. Doch natürlich ist den Verantwortlichen der Klinik der Erfolg der Arbeit nicht verborgen geblieben. Anfang 2016 will van Boemmel die Ausbildung erfolgreich abschließen.

Es ist geplant, die tiergestützte Therapie als zusätzliche Therapiemöglichkeit in den gerontopsychiatrischen Behandlungsbereich der Rhein-Mosel Fachklinik aufzunehmen.