Bündnis NS Verherrlichung stoppen! Nazis in Remagen entgegentreten

Gegen Geschichtsrevisionismus und gegen den Naziaufmarsch in Remagen

04.11.2013 - 13:56

Kreisgebiet. Im Spätsommer diesen Jahres initiierten mehre antifaschistische Gruppen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die Kampagne „NS Verherrlichung stoppen“. Ziel der Kampagne ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex der deutschen Erinnerungspolitik/-kultur und lokalen Erinnerungsdiskursen. Anlass hierfür ist der im fünften Jahr in Folge stattfindende sogenannte „Trauermarsch“ der Neonaziszene. Auch dieses Jahr federführend sind (Ex-)Mitglieder des verbotenen Aktionsbüro Mittelrhein und der neonazistischen Kleinstpartei Die Rechte. Die Jahre zuvor gab es nur zurückhaltenden Protest gegen diesen Aufmarsch, die Neonazis konnten relativ ungestört ein für ihre Szene wichtiges „Event“ etablieren. Diese Szeneevents besitzen eine nicht zu unterschätzende identitätsstiftende und szenestärkende Funktion für die Neonazis.


Kritik an Geschichtsverdrehung


Der Geschichtsrevisionismus der neuen und alten Nazis in Remagen verdreht die alliierten Gefangenensammelstellen zu geplanten „Todeslagern“ und relativiert und verhöhnt somit ganz bewusst die deutschen Untaten im Nationalsozialismus, insbesondere die deutschen Arbeits- und Vernichtungslager. Neben dieser NS-Verherrlichung der Naziszene, gibt es in Remagen aber auch bis weit ins bürgerliche Spektrum hinein verankerte Opfermythen über die deutschen Kriegsgefangenen auf den Rheinwiesen. Hier sei der teilweise unkritische Bezug auf den NS-Künstler Adolf Wamper genannt, welcher die Figur „Schwarze Madonna“ schuf. Diese Figur ist heute ein zentrales Moment im lokalen Erinnerungsdiskurs. Aber auch die Inschrift in der Friedenskapelle verdeutlicht ein unreflektiertes und dadurch relativierendes Geschichtsverständnis. Dort ist in Bezug auf die Rheinwiesenlager auf einer Gedenktafel zu lesen: „[...] Diese Gedenkstätte soll an das Schreckenslager erinnern[...]“. Die Intention ist deutlich: Deutsches Leid wird aus dem Kontext gerissen und über den Begriff „Schreckenslager“ auf die gleiche Ebene gehoben, wie die Vernichtung durch Arbeit in deutschen Konzentrationslagern und die industrielle Ermordung von sechs Millionen Menschen. Einen Verweis auf dieses Jahrtausendverbrechen sucht der Leser allerdings auf dieser Gedenktafel vergebens. Zu diesem Thema sind mehre Veranstaltungen z.B. in Koblenz, Trier, Wuppertal und Bonn geplant. In Remagen wird am 17. November in der Kultur-Werkstatt eine Zeitzeugenveranstaltung mit dem Antifaschisten und Widerstandskämpfer Lorenz Knorr stattfinden.


Eigene Bündnis-Demonstration am 23. November


Am 23. November, dem Tag des Naziaufmarsches, will das Bündnis eine eigene Demonstration durchführen um genannte Kritik in die Öffentlichkeit zutragen. Darüber hinaus geht es uns an diesem Tag aber auch darum, den Nazis den öffentlichen Raum streitig zu machen und diesen mit antifaschistischen Positionen zu besetzen. Dies kann unserer Meinung nicht weit abseits der Nazis gelingen, wir wollen unsere Kritik dahin bringen, wo die Nazis ihren Geschichtsrevisionismus und ihre unerträgliche Verhöhnung der Opfer des deutschen Nationalsozialismus zelebrieren. Die Demonstration erfährt mittlerweile eine unerwartet breite Solidarität und Unterstützung. Über 50 Vereine, Organisationen und Parteien, sowie um die 30 Einzelpersonen aus regionaler und bundesweiter Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft unterstützen schon jetzt die Bündnisdemonstration.

Dabei bietet sich ein buntes Bild: Parteien wie Die Linke und die Grünen, sowie Parteijugendorganisationen oder Gewerkschaftsjugend, bis hin zu Antifagruppen, wollen an diesem Tag gemeinsam und solidarisch auf die Straße gehen und ein Zeichen gegen Nazis und gegen Geschichtsverdrehung setzen.

Weitere Informationen und Hintergründe findet man auf der Homepage www.remagen2013.blogsport.de

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Kommentare
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Uwe Klasen:
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank dass Sie mit jeder Zeile ihrer Kommentare meinen Eindruck, den ich von ihnen gewonnen habe, bestätigen! Zum Leidwesen der meisten anderen Menschen scheinen Sie sehr Intolerant zu sein und Andersdenkende lieber zu diffamieren anstatt sich mit diesen Menschen auseinanderzusetzen bzw. auch deren Meinung gelten zu lassen!
juergen mueller:
Ich müsste mich eigentlich glücklich schätzen erfahren zu dürfen, dass es Menschen wie Sie gibt, die nie interpretieren, dafür aber aus dem Belehren nicht mehr herauskommen, was wie eine Zwangsjacke sein muss, deren Leben wohl nur aus Sachlichkeit und Objektivität besteht, Menschen, die andere, die nicht Ihre Meinung vertreten, in eine Schublade stecken und ihnen geistige Grundlagen unterstellen, die unsere Demokratie gefährden. Mein lieber Herr Klasen, nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich habe mein Leben lang mit Klugscheissern wie Ihnen zu tun gehabt und dies auch noch heil und geistig frisch überstanden u. mir meine persönliche, demokratisch verordnete Gedankenwelt erhalten. Und was mein Recht ist oder nicht, das können Sie selbst in Erfahrung bringen, wenn Sie sich einmal mit dem Wort Demokratie auseinandersetzen. Hierzu interpretiere ich z.B. WIKIPEDIA.
Uwe Klasen:
Her Mueller, Sie interpretieren anstatt sachlich und objektiv zu beurteilen! Es ist ihr gutes Recht ihre Ansichten bzgl. anderen Parteien kund zu tun, aber damit einhergehend ist es NICHT ihr Recht, Andersdenkenden etwas Vorzuwerfen was nicht ihrer persönlichen Gedankenwelt entspricht und dafür noch geistige Konstrukte zu bemühen die in dieser Art und Weise nicht existieren! Von welcher Partei werden die Autos der Mitglieder verbrannt oder die Hauswände ihrer Wohnhäuser (bestenfalls) mit Farbe beschmiert, welcher Partei werden regelmäßig die Büros zerstört? Das solche, undemokratischen (!), Handlungen, die auch auf solch geistigen Grundlagen wie z.B. ihren Kommentaren beruhen, wird die Demokratie MEHR gefährdet als durch die "AfD" oder "Die Linke"! Übrigens, eine direkte Demokratie, wie z.B. die, seit Jahrhunderten, funktionierende und sich daraus immer weiter entwickelnde Schweiz ist, entgegen ihren Ansichten, eine durchaus gute funktionierende Demokratie!
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