Festabend der Freiheiter im Kurhaus Bad Neuenahr

Die Freiheit von Not, die Freiheit von Furcht und die Freiheit, in Würde zu leben

Karl Kardinal Lehmann nahm den Ahrweiler Freiheiterpreis 2017 entgegen

21.03.2017 - 09:00

Grafschaft. Mit einem „Festabend der Freiheiter“ in heiterer Grundstimmung erlebte die zweite Ahrweiler Freiheitswoche unter der Schirmherrschaft des früheren Bundesministers Professor Dr. Klaus Töpfer ihren gesellschaftlichen Höhepunkt. Sie standen unter dem Motto „Der Dialog zu Freiheit und Toleranz“. Im Steigenberger Kurhaus Bad Neuenahr nahm dabei der diesjährige Preisträger Karl Kardinal Lehmann den Ahrweiler Freiheiterpreis entgegen. Durch das Programm des Abends führte die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Ahrweiler Freiheitswochen, Ghazel Wahisi.


„Wir stehen für Frieden, Freiheit und Toleranz“


Der Vorsitzende des Fördervereins Ahrweiler Freiheitswochen, der Landtagsabgeordnete Horst Gies, blickte dabei noch einmal auf zwei Wochen mit insgesamt 30 Veranstaltungen der unterschiedlichsten Art zurück, in denen man die verschiedenen Facetten der Freiheit und der Toleranz beleuchtet habe. „Wir stehen für Frieden, Freiheit und Toleranz“, rief er aus und fand es durchaus erstaunlich, was der noch junge Verein in gerade mal zwei Jahren auf die Beine gestellt habe. Gies bedankte sich bei allen, die das Projekt unterstützten und besonders bei Projektmanager Wolfgang Grams.

Der Kampf um Frieden, Freiheit und Toleranz sei heutzutage aktueller denn je, denn die politische Situation in der Welt habe sich grundlegend verändert. Gies legte noch einmal Wert auf die Feststellung, dass der Förderverein politisch neutral und offen auch für alle Religionen sei sowie den Dialog über die Generationen hinweg fördern wolle. „Sich für die Werte Frieden, Freiheit, Toleranz und den Dialog einzusetzen, ist viel wert“, war er überzeugt. Sein besonderer Gruß galt Barbara Genscher, der Witwe des im vergangenen Jahr verstorbenen ehemaligen Bundesaußenminister und Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher, des ersten Trägers des Ahrweiler Freiheiterpreises. Sie war ein gern gesehener Gast an diesem festlichen Abend.


Goldene Amtskette als Verbeugung vor dem Preisträger


Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen hatte als Verbeugung vor dem Preisträger sogar die goldene Amtskette angelegt, wie er in seinem Grußwort anmerkte. „In einer liberalen Demokratie ist die Meinungsfreiheit fundamental“, machte er deutlich, allerdings mit der Ergänzung, dass damit nicht das Recht auf alternative Fakten geschützt sei. „Denn jeder kann zwar seine eigene Meinung haben, aber nicht jeder seine eigenen Fakten.“ Das gelte im Übrigen auch für den amerikanischen Präsidenten, „denn wenn alternative Fakten zur Wahrheit werden, ist das das Ende der Demokratie“, war Orthen überzeugt. Die Lüge sei jedenfalls der Feind der Freiheit, und besonders für die Repräsentanten einer Demokratie sei die Wahrhaftigkeit eine Grundvoraussetzung. Allerdings sei es auch ihnen gestattet, ihre Meinung angesichts sich wandelnder gesellschaftlicher Bedingungen zu ändern. Das sei eben auch eine Freiheit, nämlich sich zu korrigieren und eigene Fehler zuzugeben, aber auch sich selbst zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln. „Das erfordert Mut, und den wünsche ich uns allen“, schloss Orthen.

Schirmherr Professor Dr. Klaus Töpfer war der Überzeugung, dass die Veranstalter mit Karl Kardinal Lehmann den richtigen Preisträger ausgesucht hatten, denn die Ehrung bedürfe des Kardinals und nicht der Kardinal der Ehrung. Er gab aber auch zu, dass solche honorigen Ehrenämter immer wichtiger würden, nicht nur für die Gesellschaft selbst, sondern angesichts einer älter werdenden Bevölkerung auch als Möglichkeit, die Phase des Ruhestands sinnvoll zu nutzen. Er führte weiter aus, eine offene Gesellschaft brauche ein hohes Maß an Vertrauen und eine gemeinsam akzeptierte Basis von Werten.


Anfangen können ist der Kern der Freiheit


„Und da sind wir schon bei dem Thema der Freiheit.“ Er zitierte Hannah Arendt mit ihren Ausspruch: „Anfangen können ist der Kern der Freiheit“ und ergänzte es mit der Feststellung von Kofi Annan aus dem Jahr 2005, die Freiheit habe drei Voraussetzungen: Die Freiheit von Not, die Freiheit von Furcht und die Freiheit, in Würde zu leben. Angesichts der Tatsache, dass 80 Prozent der Menschheit in ärmlichen Verhältnissen lebe mit steigender Tendenz, wachse die Verantwortung von Europa als Insel des Fortschritts und des Wohlstands. Man müsse einen Beitrag dazu leisten, die Konflikte in der Welt abzubauen, denn mittlerweile seien 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Die Industrienationen seien daran nicht ganz unschuldig, „denn wir nehmen uns die Freiheit, unseren Wohlstand zu mehren, indem wir die gesellschaftlichen Folgekosten auf andere abwälzen.“

In manchen Gegenden der Welt sei mittlerweile noch nicht einmal mehr unstrittig, dass die Menschenrechte eingehalten würden. Töpfer wies aber auch darauf hin, dass die Toleranz im Gegensatz zu einer verbreiteten Ansicht kein Zeichen von Schwäche sei, sondern im Gegenteil ein intellektueller Kraftakt. Schließlich müsse man sich darüber im Klaren werden, was vom eigenen Standpunkt aufgebbar sei und was nicht. Zum Schluss galt sein Appell allen politisch Verantwortlichen, egal ob auf lokaler oder auf überregionaler Ebene: „Wir reden viel zu kompliziert und unverständlich, die Bürger verstehen uns nicht mehr. Wir sollten rhetorisch abrüsten und wieder verständlich reden.“


Handgefertigte Klangschale von Künstler Friedhelm Pankowski


Den „Ahrweiler Freiheiterpreis“ in Form einer handgefertigten Klangschale überreichte der Künstler Friedhelm Pankowski persönlich an Preisträger Karl Kardinal Lehmann und erläuterte ihm dabei zugleich deren Funktionsweise. Der 80-jährige, emeritierte Bischof von Mainz, freute sich sichtlich über das außergewöhnliche Geschenk und machte in seinen kurzen Dankesworten noch einmal klar, wie viel ihm dieser Preis bedeute. Ohnehin fühle er sich in Bad Neuenahr immer wieder wohl, denn schon seit Jahrzehnten verbringe er hier regelmäßig seinen Urlaub und habe bereits eine Menge Menschen an der Ahr kennengelernt und als Freunde gewonnen. „Ich fühle mich hier von allen sehr gut aufgenommen und verstanden, und unterstützt in dem, was ich tue.“ Er versprach, die Intention der Auszeichnung künftig in seinem Wirkungskreis weiterzutragen, denn er könne sie voll und ganz unterstützen. „Das Streben nach Freiheit, Frieden und Toleranz ist eine überaus wichtige Aufgabe, machen Sie damit weiter!“, bat er die Initiatoren.

Die haben mittlerweile Verstärkung und Unterstützung bekommen durch einen Beirat, der am Tag der Preisverleihung konstituiert wurde. Den Vorsitz übernahm dabei Bürgermeister Guido Orten, außerdem gehören ihm unter anderem noch Landrat Dr. Jürgen Pföhler, Professor Dr. Stefan Sell von der Hochschule Koblenz/Campus Remagen, Professor Dr. Petra Ahrweiler, die Chefin der Europäischen Akademie, Schwester Dr. Basina Kloos als Geschäftsführerin der Krankenhaus-Trägergesellschaft Marienhaus GmbH, und die beiden Vorstandsvorsitzenden der regionalen Kreditinstitute, Dieter Zimmermann von der Kreissparkasse Ahrweiler und Elmar Schmitz von der Volksbank RheinAhrEifel eG, an.

Um die musikalische Begleitung der Veranstaltung kümmerte sich das Grafschafter Vokalensembles „belCanto“ unter der Leitung von Ingo Jahn mit Hans-Albert Jahn am Flügel. Verstärkt wurden sie zeitweise von der Percussionsgruppe „Akwaaba“ und Liedermacher Stephan Maria Glöckner an der Gitarre. Stimmungsvolle Hintergrundmusik trug das Trio „Jazz inspired“ unter der Leitung von Jonas Röser bei.

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Kommentare
Uwe Klasen:
"Die installierte Gesamtleistung aus Windenergie" ist obsolet, da diese weder Zeit- noch Bedarfsgerecht zur Verfügung steht. Um die aus Solar- und Windstrom erzeugten Schwankungen auszugleichen müssen(!) die herkömmlichen Kohle- und Kernkraftwerke mitlaufen, damit im Bedarfsfall genügend Strom zur Verfügung steht um das Netz zu stabilisieren! Die Brennelementesteuer war Verfassungswidrig, kann also den Betreibern des KKW nicht vorgeworfen werden. Zur Weiterverwendung von abgereicherten Brennelementen siehe Reaktortyp BN-800! Außerhalb Deutschlands schreitet die Entwicklung voran!
Matthias Kaißling:
Die installierte Gesamtleistung aus Windenergie betrug Ende 2016 45.910 MW. Also rund 4mal soviel wie die 8 noch im Betrieb stehenden AKW in Deutschland. Wenn also der Kohle bzw den AKWs nicht Vorrang gegeben würde, könnte die Windkraft sehr wohl mithelfen den Bedarf zu decken. AKWs sind im übrigen auch nur deshalb für die Betreiber rentabel, weil sie nicht für die Entsorgung des Atommülls zahlen müssen, sondern stattdessen noch zusätzlich Steuergelder bekommen (6 Mrd.€ Rückerstattung aus der BrennelementeSteuer)
Uwe Klasen:
Über 25.000 Windenergieanlagen drehen mittlerweile in Deutschland ihre Rotoren und trotzdem liefern diese, je nach "Ertragsjahr", nur zwischen 15% - 25% des benötigten Stroms. Und diesen auch nur Zufälig, keinesfalls nach Bedarf. Die "ertragreichen" Standorte sind längst zugebaut mit Windrädern, nun sollen, auf Druck der Lobbyisten, auch noch die letzten, möglichen, Standorte folgen. Dabei sind diese nur rentabel weil die durch die Förderung nach dem EEG erhalten! Arten- und Menschenschutz werden dazu ausgeblendet!
Andrea Montermann:
Vielen herzlichen Dank an die Redaktion für diesen hervorragenden Bericht. Als Künstlerin fühle ich mich sehr geehrt und freue mich sehr darüber, wie gut das Ausstellungsprojekt des Landesmuseums recherchiert und vortrefflich dargestellt wurde!! Großes Kompliment an die Autorin!
Daniel Faßbender:
Familien sind doch nicht die Zielgruppe dieses Bades. Das war es nie und wird es auch in Zukunft nicht sein. Kinder sind eher ein Ärgernis für das wirkliche Klientel. Früher waren es die Kurgäste, heute sind es salopp geschrieben, die überwiegend zahlungskräftigen Rentner und ein paar Hotelgäste aus dem Quellenhof. Welche Familie mit einem oder mehreren Kindern kann oder will sich denn den Eintritt überhaupt noch leisten? Der Tageseintritt für zwei Erwachsene mit zwei Kindern liegt bei fast 40 EUR. Für mich ein Grund da nicht hinzugehen.
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
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