Abteikirche Bendorf-Sayn

"Musikalische Spiegelungen"sorgten für Begeisterung

"Musikalische Spiegelungen"
sorgten für Begeisterung

Freudig nahmen die sieben Musici den großen Applaus am Ende ihres großartigen Konzertes entgegen. E.T. Müller

Bendorf-Sayn. Virtuose Violinen und eine große Stimme kennzeichneten die musikalischen Spiegelungen, zu denen das Ensemble „Musici di Sayn“ im Mai nach Bendorf-Sayn in die Abteikirche einlud. Die drei Violinen, Hendrike Steinebach, Katharina Wimmer und Veronika Stickel sowie Ulrike Friedrich, Traversflöte, Mizuke Ideue, Violoncello, und Johannes Geffert, Cembalo, eröffneten das Konzert mit der Sinfonia H-Moll von Johann Sebastian Bach, der das Stück für einen guten Freund geschrieben haben soll: „Wie schwer ist es, wenn ein guter Freund einen verlässt.“ Dabei, so Johannes Geffert, werde in der Fachwelt immer noch über Bachs Urheberschaft gestritten. Die Zuhörer zeigten sich von der Sinfonia so andächtig in Bann gezogen, dass sie zu Beginn das Klatschen vergaßen.

Danach sang der junge Bariton Konstantin Paganetti die Kantate „Mein Herz ist bereit“ von Dietrich Buxtehude, den Bach 30 Jahre vor seiner Leipziger Zeit in Lübeck besucht hatte. Hierbei beeindruckte Konstantin Paganetti durch die mal zärtliche, mal kraftvolle Interpretation des Stückes und mit seiner energiegeladenen, vollen Stimme. Mit der „La Follia espagna“ von Marin Marais setzten Ulrike Friedrich, Traversflöte, und Johannes Geffert, Cembalo, einen musikalischen Gegenpunkt. Johannes Geffert, der auch diesmal gentlemanlike durch das Programm führte, erklärte, wie die „Folia“, mit „Wahnsinn“ übersetzt, vom volkstümlichen Tanz zur Kunst wurde und schließlich Anerkennung fand. Wunderschön auch der rhythmische Einklang von Cembalo und Flöte. Mit Pachelbels Kanon in D-Dur spielte das Ensemble eins der populärsten Stücke barocker Konzertliteratur. Da konnten die Besucher visuell mitverfolgen, wie das Grundmotiv vom einen zum anderen Instrumente weitergegeben wird und welche Geige eine der bekannten musikalischen Figuren übernimmt. Eine gute Augen- und Hörschule als Einladung, das Stück zu Hause nochmals auf CD nachzuhören.

Eine weitere Spiegelung zu Marin Marais gab die „La Folia“ von Antonio Vivaldi für zwei Violinen und Continuo, galt Marais doch als Verfechter des klaren französischen Stils und stand damit im Gegensatz zur italienischen Spielweise, die Antonio Vivaldi 20 Jahre später zur Höchstform treiben sollte. Vivaldi, der sein priesterliches Amt vermutlich wegen einer Asthmaerkrankung nicht mehr in der Weise ausfüllen konnte, widmete sich der musikalischen Schulung von Mädchen am venezianischen Waisenhaus „Ospedale della Pietà“. Seine Aufführungen füllten die Gottesdienste, zu denen auch Reisende kamen, die den einzigartigen Musiker einmal hören wollten.

"Legendäre Musiktradition"

Vivaldi, so Johannes Geffert, wurde damit zum Schöpfer einer „legendären Musiktradition“. Wunderschön schwermütig begann Vivaldis bekannte La Folia für zwei Violinen und Continuo, die im Verlauf zu einem musikalischen Orkan werden sollte. Gezupft und gestrichen wetteiferten die beiden Geigerinnen Hendrike Steinebach und Katharina Wimmer miteinander, unterstützt von Mizuke Ideue am Violoncello. Ist Antonio Vivaldi ein Vorläufer von Astor Piazolla? Während der Italiener die Melodie liebt, stellt die norddeutsche Geigenschule das Harmonische ins Zentrum. Mit der Kantate „Mein Herz ist bereit“ von Nicolaus Bruns konnten sich die Zuhörer noch einmal auf die brillante Stimme von Konstantin Paganetti freuen, eine weitere musikalische Spiegelung zum Stück mit gleichem Titel von Dietrich Buxtehude, Bruhns Lehrer.

Nicolaus Bruhns habe auf der Orgel mit den Füßen den Bass gegeben und dazu, sich selbst auf der Geige begleitend, seine eigene Kantate gesungen, zitierte Professor Johannes Geffert ein Musiklexikon und fragte schmunzelnd: „Ob das wahr ist?“ Mit Georg Friedrich Händel und der Sinfonia D-Dur „Il trionfo del tempo e de dissiginanni“ – „Der Triumph von Zeit und Wahrheit“ schlossen die grandiosen Musici dieses wunderschöne Konzert und ernteten tosenden Applaus. Ein gelungener Frühlingsnachmittag, der im Kreuzgang bei einem Glas Wein sein heiteres Ende fand.

Ausblick

Am Sonntag, 12. Juni um 17 Uhr ist Professor Norbert Düchtel aus Regensburg an der historischen Stumm-Orgel der Abteikirche zu hören, ein Nachmittag im Rahmen der 25. Internationalen Orgelfestwochen Rheinland-Pfalz. Am Sonntag, 10. Juli ab 17 Uhr sind Ulrike Friedrich, Traversflöte, und Johannes Geffert, Orgel, in der Abteikirche Sayn zu Gast. Dort wird auch das „Ensemble Musici di Sayn“ am Sonntag, 25. September um 17 Uhr Musik der Mannheimer Schule präsentieren. Dieser Nachmittag steht unter dem Motto „Feuer, Genie – und Seufzer“. Und am 31. Dezember um 20 Uhr wird das Ensemble „Musici di Sayn“ mit dem traditionellen Silvesterkonzert den festlichen Jahresausklang anstimmen. Infokontakt: Tel. (0 26 31) 58 84 4.