Grandioses Blues-Konzert im Stadthaus von Selters

Selters hat den Blues –aber auf eine durchaus erquickende Art

Selters hat den Blues –
aber auf eine durchaus erquickende Art

„Mojo“ Kilian (unten)und Bernd Simon (oben)begeisterten als „Down HomePercolators“ nicht nur das Publikum.Auch Frank Pfuhl vom „ForumSelters“ war restlos begeistert undbedankte sich bei dengrandiosen Musikern.Fotos: -WR-

Selters hat den Blues –
aber auf eine durchaus erquickende Art

Selters hat den Blues –
aber auf eine durchaus erquickende Art

Selters. Den Mitgliedern des „Forums Selters“ ist es wieder einmal gelungen, ohne großes Budget den Zuhörern ein hochkarätiges Musikerlebnis zu schenken. Voller Stolz begrüßte Frank Pfuhl vom „Forum Selters“ die „Down Home Percolators“ aus Frankfurt, eine Formation, die sich total dem Blues verschrieben hat, ihn praktisch lebt.

Das Duo besteht aus Klaus „Mojo“ Kilian und Bernd Simon. Zudem sind beide Vollblutmusiker ein Teil der bekannten „Matchbox Bluesband“. Frank Pfuhl erläuterte dem Publikum, dass beide Musiker seit über 25 Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen, regelmäßig bei großen Blues-Festivals auftreten, unter anderem beim Lahnsteiner Blues-Festival. Die „Down Home Percolators“ wurden bereits mit dem renommierten Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, diese begehrte Auszeichnung sagt bereits alles über die Qualität des Duos aus. Als die Künstler die Bühne betraten, wurde ihnen der Einstieg in ihr Konzert mit freundlichem Applaus leicht gemacht.

Als Intro spielte das Duo eine Eigenkomposition, „Welcome Down Home Percolators“. Bereits vom ersten Ton der zu vernehmen war, konnte man erahnen, was auf die Konzertbesucher zukam. Beide Musiker gingen mit ganzem Körpereinsatz mit, das virtuose Spiel von „Mojo“ Kilian auf der Blues harp (Mundharmonika), sowie seine markante, leicht rauchige Stimme, in Verbindung mit dem genialen, blues-typischen Spiel von Bernd Simon auf der Fingerpicking-Guitar begeisterten sofort die Besucher.

„Blues History“

mit dem Herzen erlebt

Die Musik fuhr in die Glieder, wippende Füße, häufiges Mitklatschen und Szenenapplaus auf offener Bühne unterstützten die Musiker während des gesamten Konzertes. Es war kein normales Konzert, in welchem ein Lied nach dem anderen gespielt wird. Das Motto des Abends lautete „Blues History“. Entsprechend dieser Vorgabe erläuterte „Mojo“ die verschiedenen Songs und bereitete das Publikum auf die jeweiligen Stilrichtungen vor. „Mojo“ Kilian erklärte auf äußerst unterhaltsame, lehrreiche Art und Weise die Wurzeln des Blues, die Weiterentwicklung und die verschiedenen Arten des Blues. So erfuhr das geneigte Publikum, dass es dem dem Delta-Blues auch den Mississippi-, den Memphis- und den Country-Blues gibt.

Die afrikanischen Sklaven, die um 1900 herum auf den Baumwollfeldern der Südstaaten der USA ausgebeutet wurden, entwickelten den schwermütigen Gesang des Blues während ihrer harten Arbeit und in ihrer kargen Ruhezeit, um wenigstens etwas Freude und Spaß in ihr tristes Dasein zu bringen. Die ursprünglichen Texte wurden mit Melancholie, Trauer und Depression in Verbindung gebracht. „I’ve got the Blues“ ist sozusagen das Schlagwort des Blues und bedeutet so viel wie „Ich bin niedergeschlagen“, oder auch „traurig“.

Blues-Töne der Meister

wurden emotional interpretiert

Blues in seiner reinsten Form war bei Stücken von Mississippi John Hurt mit „Avalon Blues“ und „Stagger Lee“ zu hören. John Hurt war ein Vertreter des Country-Blues, hatte sich im Laufe der Zeit aber auf den Delta-Blues spezialisiert. Das Spiel mit der Fingerpicking-Gitarre beherrschte er bis zur Vollendung. Beim Song „Sittin’ on the top of the world“ von den „Mississippi Sheiks“ konnten einige im Publikum mitsingen oder mitsummen.

Blues-Interpretationen von Muddy Waters, Robert Johnson, Willie Dixon und Charley Patton vervollständigten bis zur verdienten Pause das Seminar für Blues. Beide Musiker wurden für ihre gekonnte Darbietung mit dankbarem Beifall für eine Viertelstunde entlassen.

Musikalische Akrobatik auf

Blues Harp und Steel-Guitar

Nach der Phase der Erholung für die Künstler ging der Ritt durch die Welt des Blues ungebremst weiter. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich „Mojo“ und Bernd jetzt so richtig warm gespielt hatten. Es ging Schlag auf Schlag: Bei „The matter how she doesn’t it“ und „You‘re Humbugging Me“ krachte es so richtig im „Studio“ im Stadthaus. Beide Musiker gingen nicht sehr zärtlich mit ihren Instrumenten um, „Mojo“ schlug regelrecht gegen seine Blues harp, entlockte ihr die unmöglichsten Töne und sang noch dazu, während der sonst eher ruhige Bernd bei diesen Songs auch aus sich herausging, seine Steel-Guitar kräftig bearbeitete und „Mojo“ noch beim Gesang unterstützte. Ekstase ist vielleicht zu schrill beschrieben, aber beide Musiker waren mit einer solchen Energie geladen, die sich auch auf das Publikum übertrug. Die Spielfreude konnte man in beiden Gesichtern ablesen, obwohl es wegen der schwülen Hitze im „Studio“ für sie eine sehr schweißtreibende Angelegenheit war.

„Mojo“ erklärte dem staunendem Publikum auch den Einfluss, den der Blues auf die Rock- und Pop- Musik der 50-iger Jahre bis heute nahm. Inspiriert wurden vom Blues unter anderem die Rolling Stones, Erich Clapton, Led Zeppelin, Jimi Hendrix und The Doors, um nur einige zu nennen. Letztendlich ist aus dem Blues auch

der Rock’n Roll entstanden, selbst Elvis hat zum Anfang seiner Karriere Blues in seinem Repertoire gehabt.

„Please, don’t go“ und „Mellow Apples“ von Big Joe Williams sowie „Good Morning School Girl“ und „Wonderful Time“ von Sonny Boy Williamson durften selbstverständlich nicht fehlen. Mit „Can’t Be Satisfied“ von Muddy Waters zog nochmals eine richtige Wallung durch das „Studio“, nur noch getoppt von „I’m a stranger“ von Brownie McGhee. Diese Zugabe entpuppte sich als ein Finale Furioso, beide Künstler spielten erstmals gleichzeitig Gitarre, und zwar die Slide-Guitar und die Fingerpicking-Guitar, dazu der grandiose Gesang, einfach umwerfend. Es fehlen Worte der Superlative, um diesen Hörgenuss zu beschreiben. Beeindruckend auch das spartanische Equipment der Musiker auf der Bühne: Drei Gitarren, eine Mundharmonika, zwei Mikrofone und zwei kleine Verstärker, das war‘s. Natürlich kam die überragende Akustik

im „Studio“ den Musikern und den Besuchern sehr entgegen, alle saßen praktisch in der ersten Reihe.

Schweißtriefend, aber sichtbar glücklich, nahmen beide Künstler die Standing Ovations der restlos begeisterten Gäste entgegen. Frank Pfuhl trat zum Abschluss des Konzertes nochmals vor das Publikum, dankte den Künstlern für ihren denkwürdigen Auftritt und überreichte als kleine Aufmerksamkeit je eine Flasche Original Westerwälder Birnen- und Pflaumenschnaps.

Die Besucher bedankten sich bei den Machern des „Forums Selters“ die durch vielfältige Kontakte ein Blues-Duo der absoluten Spitzenklasse nach Selters geholt hatten, und das bei freiem Eintritt. Lediglich Hutgeld erhielten die Künstler für diesen unvergesslichen Abend.