TuS Mayen zum Saisonauftakt eiskalt erwischt

SG Andernach dominiert im Nettetal

SG Andernach dominiert im Nettetal

Die SG 99 Andernach hatte allen Grund zu jubeln: Der dominante Auftritt bescherte den Bäckerjungen die ersten drei Punkte der Saison.SBL

SG Andernach dominiert im Nettetal

Philipp Ries (weißes Trikot) hatte auf der linken Abwehrseite große Probleme mit dem starken Hakan Kühlacioglu.

Mayen. Der äußere Rahmen zum Saisonauftakt der Rheinlandliga im Mayener Nettetal stimmte. Mit 515 Zuschauern und bei freundlicher Wetterlage empfing der TuS Mayen die SG Andernach zum Derby. Nach den 90 Minuten jubelten allerdings die Gäste, während sich im Mayener Lager ein wenig Fassungslosigkeit breitmachte. Mit 1:4 zerlegten die Bäckerjungen den TuS Mayen und entführten verdient drei Punkte an den Rhein. Drei Neuzugänge hatte Thomas Reuter in die Startelf beordert. Philipp Ries und Tim Krechel sollten der Abwehr Stabilität verleihen und Niklas Heinemann verstärkte die Mayener Offensivabteilung. Speziell Ries hatte auf der linken Abwehrseite allerdings gewaltige Probleme Andernachs Hakan Kühlacioglu. Von Beginn an entwickelte sich ein munteres Spiel im Netteal. Beide Mannschaften verzichteten auf ein Abtasten und suchten bei Ballbesitz jeweils schnell den Weg nach vorne. Die erste echte Tormöglichkeit brachte dann auch den ersten Treffer. Aus dem Mittelfeld spielten die Gäste einen Pass ins Mayener Abwehrzentrum, wo sich Jan Hawel meterweit im Abseits befand und daher keine Anstalten machte aktiv einzugreifen. Dummerweise galt das auch für Mayens Marcel Löhr, der ebenfalls den Spielbetrieb einstellte. Kühlacioglu hingegen war hellwach und erlief sich den Ball, sodass er völlig ungehindert vor Torwart Michel auftauchte und zum 0:1 einschob (14.). Mayen schüttelte sich nur kurz und spielte weiter nach vorne. Niklas Heinemann war es dann, der das Nettetal jubeln ließ. Tobias Uhrmacher ging zunächst im Andernacher Strafraum zu Boden. Während viele im Mayener Lager Strafstoß forderten, ließ Schiedsrichter Michels weiterspielen. Über zwei weitere Stationen kam der Ball zu Heinemann, der die Kugel von der Strafraumgrenze aus in den Torwinkel nagelte – ein sehenswerter Treffer zum verdienten 1:1 (27.).

Nun war Mayen am Drücker, musste allerdings verletzungsbedingt einen Torwartwechsel vornehmen. Mit Marcel Behr kam der dritte Neuzugang aus der U19 der TuS Koblenz zu seinem Einsatz. Zunächst konnte Behr sehen, wie sein Gegenüber Lukas Weis mit viel Mühe einen Schuss von Matthais Tutas entschärfte. Da hatten sie im Mayener Lager den Torschrei auf den Lippen.

Lufthoheit für Hawel

Die Mayener Dominanz wurde jedoch jäh beendet, denn kurz darauf lag der Ball im Netz der Gastgeber. Ein langer Einwurf von Philipp Schmitz flog in den Mayener Strafraum und dort hatte Jan Hawel die absolute Lufthoheit am Elfmeterpunkt. Eine Etage höher als seine Gegenspieler stand er förmlich in der Luft und köpfte das Leder zum 1:2 in die Maschen. Kurz vor Pause fast schon der KO für die Gastgeber. Nach Vorarbeit von Kevin Kowalski entwischte Kühlacioglu erneut seinen Gegenspielern und war, wie beim 0:1, völlig frei vor dem Keeper, setzte den Ball von der Strafraumgrenze aus jedoch über das Tor.

Zur Pause brachte Mayens Reuter Niklas Weis für Uhrmacher und Weis hatte auch die erste Schusschance. Allerdings zielte er wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff zu hoch. Bevor Mayen jedoch die Schlagzahl und den Druck erhöhen konnte, schlugen die Gäste eiskalt zu. Wieder war es Kühlacioglu, der sich rechts durchsetzte. Sein Zuspiel in die Mitte kam zu Hawel, der im Zweikampf Bokumabi abkochte und dann aus kurzer Distanz das 1:3 markierte. Ein herber Wirkungstreffer für die Gastgeber. Nun bestimmten die Gäste eindeutig das Geschehen im Nettetal. Offensiv fand der TuS Mayen überhaupt nicht mehr statt. Vielmehr konnte man im Mayener Lager froh sein, dass die bis dahin gnadenlose Effektivität der Gästestürmer abhandenkam. Einige Male konnte sich nun Behr auszeichnen und den vierten Gegentreffer verhindern.

Vom TuS Mayen kam nach vorne überhaupt nichts mehr. Die Bälle wurden schnell verloren und die Angreifer waren zur Wirkungslosigkeit verurteilt. Der eingewechselte Joshua Marx war es, der den Ball überhaupt mal wieder in Richtung Andernacher Tor brachte. Da waren aber bereits achtundsiebzig Minuten gespielt und der Ball ging deutlich über den Kasten.

Den Schlusspunkt setzte erneut Jan Hawel und wieder war es die einstudierte Variante, die auch zum 1:2 geführt hatte. Einwurf Schmitz auf Hawel, der mit dem Kopf höher kam als Mayens Torwart Behr mit den Händen und so in der Schlussminute zum 1:4 einnickte. Ein Sieg, der unter dem Strich auch in dieser Höhe verdient war.

Entsprechend unterschiedlich die Gemütslage der Trainer:

Thomas Reuter (TuS Mayen): „Die ersten zwanzig Minuten waren gut, aber zu dem, was dann passiert ist fehlen mir die Worte. Wir haben die individuelle Klasse von Jan Hawel angesprochen und er sollte in den entscheidenden Situationen gedoppelt werden. Wenn Absprachen aber nicht eingehalten werden, dann geht das am Ende so aus, wie wir es heute erlebt haben. Die Art und Weise wie Andernach spielt macht sie zu einem unangenehmen Gegner, der mit ehrlicher Arbeit hier heute verdient gewonnen hat.“

Franz Kowalski (SG Andernach): „Wir hatten heute einen Plan, der voll aufgegangen ist. Mayen spielt üblicherweise von hinten heraus und das haben wir gut unterbunden. Nach vorne sind wir immer gefährlich. Unser Ziel war es Einwürfe in Strafraumnähe zu bekommen und daraus Chancen zu entwickeln. Zwei unserer Treffer sind so entstanden. Es war ein couragierter Auftritt von uns mit drei Stürmern im Auswärtsspiel. Trotz dieser Ausrichtung haben wir in der Defensive nur wenig zugelassen. Das war ein souveräner Sieg mit viel Leidenschaft,. Ich bin stolz auf die Mannschaft.“

Es spielten:

TuS Mayen: Michel (29. Behr), Ries, Krechel, Mund, Bokumabi, Löhr, Unterbörsch, Steinmetz, Tutas, Uhrmacher (46. Weis), Heinemann (60. Marx).

SG Andernach: Weis, Schmitz, (75. Unruh) Külahcioglu, Neunheuser, Hawel, K. Kossmann (64. Nix), Heider (69. D. Kossmann), Egorov, Begen, Kaltenborn, Kowalski.