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Stadtteilquartett – eine Stadt mischt sich neu

Stadtteilwerkstatt stellt Weichen für die Zukunft

Neues Seniorenhaus in Planung – St. Josef wird für Familien umgebaut – Wünsche und Meinungen der Bürger gefragt

20.03.2017 - 17:29

Vallendar. Am letzten Freitagnachmittag hatten die Stadt Vallendar, die Verbandsgemeinde, die Hildegard Stiftung, die Cusanus Trägergesellschaft Trier und die Pfarreiengemeinschaft Vallendar in den großen Sitzungssaal des Rathauses zu einer Stadtteilwerkstatt eingeladen. Die Resonanz war erfreulich groß: Bis auf den letzten Platz waren alle Stühle besetzt.


„Wir brauchen für unsere Arbeit Experten“


Bernd Wienczierz, Geschäftsleiter Quartiersentwicklung Modellprojekt Vallendar, begrüßte die Werkstadtteilnehmerinnen und -teilnehmer. „Wir brauchen für unsere Arbeit Experten“, sagte Bernd Wienczierz, „und das sind Sie!“ Anschaulich hielt er vier überdimensionale Spielkarten in der Hand und verwies dabei auf den Untertitel der Einladung: Das Vallendarer Stadtteilquartett – eine Stadt mischt sich neu. „Bringen Sie Ihre Asse mit ein“, forderte Wienczierz die Zuhörer auf.

Ebenso begrüßte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Fred Pretz, die Anwesenden. „Das Leben der Älteren in der Gesellschaft hat sich verändert“, so Pretz. An Beispielen belegte er dies. Darauf richtig zu reagieren, solle nicht am grünen Tisch erdacht, sondern mit vielen Fachleuten – und dazu gehören nun mal die Bewohner eines Stadtteil – aufgebaut werden. Es gäbe außerdem Überlegungen, die Gemeinden Niederwerth und Urbar in die Projektentwicklung einzubeziehen, so Pretz.


Umfangreiche Sozialraum- analyse mit vier Dimensionen


Eine Neu- und/oder Andersorientierung eines Stadtteils braucht Koordination, zuvor eine genaue Analyse. Dr. Michael Noack vom Fachbereich Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz stellte die Ergebnisse seiner fundierten Analyse den Zuhörern vor. Ziel einer Sozialraumanalyse ist es, die Zusammenhänge zwischen räumlich-baulichen Strukturen und dem Alltag der Menschen im Stadtteil auf die Spur zu kommen. Dazu habe man verschiedene Methoden benutzt, unter anderem natürlich die Befragung von Bewohnern. Zunächst einmal wurde das Gebiet eingegrenzt. Es reicht von der Kirchhohl über den Sonnenhang, einen Teil der Höhrerstraße im Innenstadtbereich, geht weiter über die Vogelwege und Teilen des Mallendarer Berges (Theodor-Heuss-Straße/Pfarrer-Sesterhenn-Straße und die Straßen dazwischen), weiter über Teile der Jahnstraße bis zur B 42, inklusive der Innenstadtstraßen. Die Werkstattbesucher merkten an, dass der Gumschlag nicht in das Planungskonzept falle - eine Ergänzung wäre wünschenswert.

Das Vallendarer Stadtteilquartett gliedere sich grob, so der Fachmann, in vier Dimensionen: 1. Wohnraum und öffentlicher Raum; 2. Hilfe und Hilfebedarf; 3. Besorgung und Versorgung; 4. Spiritualität und Kultur.


Ein Quartiermanager unterstützt die Stadtteilarbeit


Dr. Michael Noack stellte die erarbeitete Analyse verständlich und anschaulich vor und an Umsetzungsbeispielen wurde aus Theorie ganz schnell nachvollziehbare Praxis. Die Sozialraumanalyse sei ein notwendiger Schritt, um Fördergelder zur Umsetzung vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe und vom Deutschen Hilfswerk zu bekommen. Die Fördergelder sollen dazu dienen, einen hauptberuflichen professionellen Quartiermanager zu finanzieren. In erster Linie soll seine Aufgabe darin liegen, vorhandene, sich entwickelnde oder zu schaffende Stadtteilangebote zu koordinieren, zu vermitteln, zu moderieren und zu vernetzen. Die Förderung werde jetzt beantragt und kann zwischen drei und fünf Jahren laufen. Wenn der Antragsprozess reibungslos läuft, könnte der Quartiermanager Ende diesen Jahres, Anfang nächsten Jahres mit seiner Arbeit beginnen.


Ein neues Seniorenhaus wird gebaut – parallel dazu Wohnungen für Familien


Doch es soll sich noch viel mehr im Stadtteil, besonders rund um das Seniorenheim St. Josef, tun. Auf dem ehemaligen Mitarbeiterparkplatz wird ein neues Gebäude entstehen, in seiner Art, zumindest in Vallendar, einzigartig. In dem Neubau sollen 85 Senioren in sechs Hausgemeinschaften von 12 bis 14 Personen leben. Das Konzept sieht vor, dass jede Hausgemeinschaft wie eine große Familie miteinander lebt, unterstützt natürlich von Fachpersonal. Jeder habe ein eigenes Zimmer mit Sanitärbereich, es gibt eine für jede Hausgemeinschaft große Wohnküche und ein großes Wohnzimmer.

Ein Pfarrsaal der katholischen Gemeinde Vallendar soll in das neue Seniorenhaus integriert werden. Je nach Neigung und Interesse kann sich jeder Bewohner ins Gemeinschaftsleben einbringen. Die Zeiten, in denen das Mittagessen in einer Zentralküche zubereitet werden, sind vorbei. Auch sollen Feste individuell, wie eben in einer Familie, gefeiert werden.

Das jetzige Seniorenheim St. Josef wird vollständig neu gestaltet. Hier sollen Wohnungen für Familien mit Kindern entstehen. So soll der Raum für eine lebendige Begegnung zwischen den Generationen möglich und gefördert werden.

Nun waren die Werkstattteilnehmer gefragt. In vier Gruppen setzte man sich zusammen und ließ anhand von aufkommenden Fragen, Ideen, Wünschen und Herausforderungen die vier vorgestellten Dimensionen noch konkreter werden. Nachdem dies geschehen war, stellte eine Teilnehmerin je Gruppe die zusammenfassten Ergebnisse vor. Da staunte man nicht schlecht, welche Anregungen und Ideenschätze von den Stadtteilbewohnern entwickelt wurden. Die Stadtteilwerkstatt soll fortgesetzt werden.

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juergen mueller:
Rechte und Möglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, Politik mitzugestalten und zu "Entscheiden"? Dies dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Visualisieren und Verblenden sind hierfür keine guten Voraussetzungen. Ein guter Schritt dahin wäre ein "Bürger-Stadtrat", den ich mir vor allem für KOBLENZ wünschen würde, in dem aktive, politisch interessierte u. engagierte Bürger/innen tatsächlich mitgestalten u. "entscheiden" dürfen, somit oft desaströsen u. unverantwortlichen, steuerverschwendenden u. hoch verschuldenden Entscheidungen endlich ein Riegel vorgeschoben werden kann. Was für UNS gut und was nicht gut ist, sollte alleine Grund genug sein,Bürger/innen in Gremien wie z.B. einen BÜRGER-STADTRAT zu integrieren, die an der Quelle sitzen, keiner Partei angehören u. wissen, wo der Schuh drückt u. was abseits der Politik läuft.
 
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