- Anzeige - Rheinischer Obstbautag in Niederbachem

Schlechte Nachrichten prägten das Jahr 2017 für die heimischen Obstbauern

Spätfrost im April sorgte für Einbußen zwischen zehn und 15 Millionen Euro – Landesregierungen gewähren Finanzhilfen für betroffene Landwirte -

07.02.2018 - 09:33

Niederbachem. „Die Rückschau auf 2017 ist stark von schlechten Nachrichten geprägt“, erklärte Georg Boekels, der Vorsitzende der Landesfachgruppe Obstbau, beim Rheinischen Obstbautag in Niederbachem. Die Herausforderungen seien vielfältig gewesen, doch am meisten machten massive Frostschäden den Obstbauern der Region zu schaffen. Im Rheinland sei nahezu jeder dritte Betrieb massiv vom späten Frosteinbruch betroffen gewesen, besonders stark die Obstbauern im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Ahrweiler. Dort fehlten aufgrund ungünstiger geologischer Voraussetzungen meist Möglichkeiten zur Frostschutzberegnung, wusste Boekels. „Insgesamt gehen wir von einem Schadensvolumen zwischen 10 und 15 Millionen Euro aus.“

Die Berufsverbände hätten sich daher mit großem Nachdruck für eine finanzielle Unterstützung der betroffenen Betriebe eingesetzt. Rheinland-Pfalz habe frühzeitig ein Antragsverfahren zur Gewährung einer Liquiditätshilfe eröffnet, in NRW habe sich die Sache wegen des Regierungswechsels um Monate verzögert. Doch jetzt sei es so weit, das Antragsverfahren für eine finanzielle Hilfe zur Abwendung einer Existenzgefährdung werde in der zweiten Februarhälfte beginnen. Betriebe, die einen Umsatzrückgang von mindesten 30 Prozent nachweisen könnten, erhielten demnach die Hälfte des entstandenen Schadens ersetzt bis zu einem Höchstbetrag von 150.000 Euro. Erfreulicherweise habe sich die NRW-Landesregierung auch bereit erklärt, ein Förderprogramm für Investitionen in die Wasserbeschaffung aufzulegen, um Frostschutzberegnung und Trockenbewässerung zu fördern. In Rheinland-Pfalz existiere ein solches Programm bereits.


„Naturgewalten können wir schwerlich beherrschen“


„Die Naturgewalten können wir nur schwerlich beherrschen – leider müssen wir uns zu allem Überfluss mit einem von Menschen gemachten Problem auseinandersetzen“, bedauerte Boekels. Der Fortbestand des Kompetenzzentrums Gartenbau sei ebenso gefährdet wie der Erhalt der Obstbauberatung des Landes Rheinland-Pfalz am Standort Klein-Altendorf. Der obstbauliche Berufsstand stehe geschlossen hinter beiden Institutionen, „und wir werden für deren Erhalt kämpfen!“ Dabei lasse man sich nicht mit Teillösungen abspeisen. Wichtig sei es, die gesammelte Kompetenz in Klein-Altendorf zu belassen.

Der Kernobstanbau in der Region sei auf die Zukunft ausgerichtet, zur Festigung und zum Ausbau der guten Stellung müsse er auch künftig auf die Unterstützung seitens des Versuchswesens und der Beratung zurückgreifen können. Zumal mit einer Schließung nur „Peanuts“ gespart werden könnten, nämlich 170.000 Euro Pachtgebühren. Um die abzuwenden, seien die Rheinland-Pfälzischen Obstbauern auch bereit, eine Beratungsgebühr zu zahlen, wie sie in NRW schon seit Jahren gängig sei.


Herausforderungen sind sehr vielschichtig


„Ob Klimawandel oder Biodiversität, ob Pflanzenschutz oder Sortenwahl – zahllos sind die auf uns zukommenden Herausforderungen.“ Etwa die Frage, ob es angesichts der Glyphosat-Diskussion möglich sei, auf Pflanzenschutzmittel im Obstbau ganz zu verzichten. Im Freilandgemüse sei dies, wenn überhaupt, nur durch eine Ausweitung der mechanischen Bodenbearbeitung zu erreichen. Das aber verdoppele die Kosten für den Pflanzenschutz mindestens, und wenn auch noch Handarbeit notwendig werde, seien die Betrieb schnell an der Grenze der Rentabilität angekommen. Noch in der Testphase seien Methoden zur Unkrautbekämpfung mittels Heißwasser und Stromstößen mittels auf dem Schlepper angebrachten Generatoren. Hier sei vor allem die Auswirkung auf die Bodenlebewesen wie Regenwürmer zu prüfen.

Dr. Eike Lüdeling von der Uni Bonn stellte die erwarteten Auswirkungen des Klimawandels auf den Obstbau in der Region vor. Es sei allerdings nach wie vor problematisch, die ohnehin mit Unwägbarkeiten behafteten Klimaprognosen in Gartenbau-Empfehlungen umzusetzen, allzu viele Fragen seien ungeklärt. Vor allem: „Unsere Arten sind komplex und noch viel zu wenig erforscht.“ Immerhin gehe die Gefahr von Spätfrösten wie im April 2017 ganz leicht zurück, was im Prinzip eine gute Nachricht für die Obstbauern sei. Doch auch hier sei entscheidend, zu welchem Zeitpunkt der Blüte ein Spätfrost eintrete. Im Laufe des 21. Jahrhunderts erwarte man weltweit dramatische Verluste bei den Kältereizen im Winter, ohne die es keine Blüte und keinen Ertrag gibt. Deutschland sei davon allerdings weniger betroffen, so seine Vorhersage. Im Rheinland steige die Temperatur auf lange Sicht allerdings ziemlich steil nach oben, nämlich um 0,3 Grad in zehn Jahren, wie langjährige Untersuchungen gezeigt hätten. „Das hört sich nicht viel an, sind aber 1,5 Grad in 50 Jahren.“

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Kommentare
juergen mueller:
Was da so alles geht - in der Altstadt. Um es nicht zu vergessen - auch in RÜBENACH haben wir neuralgische Stellen, die mehr Verkehrssicherheit erfordern (würden) - und das seit Jahrzehnten. Gefährdet sind hier zwar keine Touristen/Gäste, aber immerhin doch Bürgerinnen/Bürger der Stadt Koblenz. Auch hier würde man staunen, wenn sich da etwas tun würde. Man darf gespannt sein, wo sich da etwas zuerst tut - in der Kastorpfaffenstr./Altstadt oder in Rübenach (denn zufällig wohnt Familie Naumann hier).
juergen mueller:
Herr Klasen,genausowenig wie Sie lamentiere u.diffamiere ich nicht.Nur habe ich kein Verständnis dafür,wenn ein notorischer Klima-Skeptiker wie Sie (was Ihnen zuzustehen ist) sich permanent,ohne weder rechts noch links zu schauen,auf eine Wissenschaft beruft,die die Probleme merklicher,menschlicher Einflüsse auf unsere Umwelt/Klima,auch zukünftig,vehement bestreitet, gegensätzliche Erkenntnisse wie ein gewichtiges Argument,dass es nämlich seid Jahrzehnten keinen Trend bezüglich z.b.in der Temperaturentwicklung durch NATÜRLICHE Einflußfaktoren gibt,nicht gelten lässt u.damit verneint,dass der Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase in die Athmosphäre (mit einer dort langen Verweilzeit) ohne Einfluss auf unser Klima/unsere Umwelt bleibt.Alles natürlichen Ursachen zuzuschreiben ist vermessen u.dumm,ebenso wie das Verdrängen,dass Fortschritt/Wirtschaft/Industrialisierung nur Gutes für unsere Umwelt bedeutet hätten.Deren sichtbare negative Folgen u.gesunder Menschenverstand sind Beweis genug
Michael Berzens:
Warum wird in diesem Zusammenhang nie der Einfluss der vom Menschen verursachten elektro-magnetischen Strahlung betrachtet? Der Wahnsinn an Mobilfunk, Richtfunk, Radar, ELF Anlagen, HAARP, WLAN, DECT Telefone, TV, Radio und und und bringt eine Energiemenge in die Atmosphäre ein, die einen nicht zu leugnenden thermischen Effekt haben muss.
Uwe Klasen:
Sehr geehrter Hr. Mueller, können Sie denn überhaut verifizierbare Belege für ihre Behauptungen anführen oder bleibt es, wie für gewöhnlich ihrerseits, beim Lamentieren und diffamieren anderer Kommentatoren?
juergen mueller:
Wie bürgernah dieser Bürgerentscheid wirklich ist,wird man dann wissen,sollte die Abstimmungsquote für eine Einführung negativ ausfallen und der STADTRAT dann abschließend entscheidet.Davon abgesehen ist es irreführend u. falsch zu behaupten,dass die Bürger direkt u. eng an Entscheidungen (welche z.B.) mitwirken könnten.Das war noch nie so u. wird auch nie so sein.Daran ändert schon garnichts ein OBR mit der Kompetenz eines "Arbeitnehmers".Und seit wann bitte stehen bei wichtigen Dingen,über die nach wie vor nur der STADTRAT entscheidet,"schnelle" Entscheidungen an?Wäre mal etwas ganz Neues.Wie ein Selbsttor mutet es an,wenn (nicht nur) Frau Artz u. Herr Biewer als Mitglieder des Stadtrates sich gerne als kompetente Ansprechpartner für die Belange der Bürger bezeichnen u. regelmäßig monatlich eine Bürgersprechstunde abhalten,wo jeder seine Sorgen u. Nöte darlegen kann.Wofür dann noch ein den Steuerzahler belastender u. kostspieliger,mit Ratsmitgliedern besetzter Ortsbeirat?
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