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Stadtsoldaten sind auch nach 119 Jahren noch „good enn Schuss!“

Spektakuläre und niveauvolle Prunksitzungen begeisterten Andernachs Narrenwelt

02.02.2015 - 11:37

Andernach. Das Bühnenbild im Seeräuber-Look, passend zum Sitzungs-Motto „Stadtsoldaten entern das Narrenschiff“, versprach nicht zuviel: im 119. Jahr seines Bestehens segelte das Stadtsoldatenkorps Andernach 1896, die Publikumsgunst erobernd, durch die Wogen der Heiterkeit. Mit zwei gelungenen Prunksitzungen am vergangenen Wochenende (wir berichten vom Samstag), gespickt mit Darbietungen für Augen, Ohren, Zwerchfell und Grips, gelang den Karnevalisten eine beeindruckende Punktlandung.

Angeführt vom Puddelinchen Cathrin Ducht und bejubelt vom närrisch gestimmten und gekleideten Publikum enterte das rot-gelbe Corps mit dem Stadtsoldatenlied die Bühne der Mittelrheinhalle. Kommandant und Sitzungspräsident Heribert „Molly“ Zins moderierte in bekannt souveräner und bodenständiger Art das rund sechsstündige karnevalistische Unterhaltungsprogramm, natürlich mit unzähligen Tuschs des Mayener Musiker-Duos „Fun Music“. Erste Zugabe-Rufe für die jüngsten der Aktiven - das Kinderballett. Als Matrosinnen erfreuten sie mit ihrem Tanz zu Seemannsklängen. Keinen Draht zu Fitnesstraining fand „Et Blondche“ Andrea Peters. Ausgestattet mit „Warmmachern“ (Flachmann am Gürtel und Wärmeflaschen an den Waden) amüsierte sie in Reimform das Publikum mit ihren unliebsamen Sporterlebnissen. Gesanglich und instrumental stimmig nahmen die Altstadtrebellen (Heribert Zins, Aaron Friedland, Stefan Fischer und Waldemar Thiele) lokale, landes- und bundespolitische Begebenheiten und Personen aufs Korn, lobten die Fleischwurst vom Will‘ bezogen aber auch mit deutlichen Worten und bestätigt durch den Applaus des Publikums, Stellung gegen aufkeimenden Rassismus in unserem Land: „Holladihi, holladiho, das rechte Geschwätz macht uns gar nicht froh!“. Eines frenetischen Beifallsturms durften sich die 24 Tänzerinnen des Jugendballetts erfreuen. Ballettös zunächst der Auftakt pink-gekleideter junger Mädchen, schmissig dann die „Übernahme“ durch eine grüne Formation und im Hauptteil, sozusagen nach vollzogener Farbsymbiose, eine gelungene tänzerische Gemeinschaftsleistung.


Urwüchsige Stimmung mit Niveau


Wenn jemand in Andernach in dieser Session ruft „Ich freu mich!“, dann weiß man, der Prinz ist da. Andernachs Tollitätenpaar Prinz Michael I. „Der Pröb von der Kostümgrupp“ und Prinzessin Claudia II. „Der strahlende Stern von Südernach“ stellten mit ihrem Hofstaat im Helene-Fischer-Sound fest, dass es an Karneval oftmals mit „Mit Alaaf durch die Nacht“ geht. Zum ersten Mal nahmen Regimentstochter Marijke Lahnstein und ihr neuer Tanzoffizier Julian Elzer, als sympathisches und harmonisches Tanzpaar, die Bühne ein. Jubelnd und stehend applaudierte die närrische Gemeinde. Alle Register rheinischen Humors zogen „Die Ähn on die Anner“ (Nadine Krebs und Nina Ruppert) und überraschten das Auditorium unter anderem mit beeindruckenden „Kenntnissen“ der holländischen Sprache. Die erste Rakete. Dann beherrschten die rot-gelb uniformierten Soldaten des 2. Regiments mit Regimentstochter Marijke Lahnstein das närrische Geschehen. Sie beschenkten die Gäste mit einer abwechslungsreichen Choreographie und einer schmissigen Tanzdarbietung. Vergnügliche Andernacher Geschichten zu vertrauten Melodien, so lässt sich die unterhaltsame Darbietung der als Piraten kostümierten „Vier Kleevkurschte“ (Martina Eiden, Erika Schwickert, Andrea Paulmann, Vera Zerwas-Schneider) umschreiben. Gelungen ihr mehrstimmiges a cappella - Entrée, gefolgt von heimatverbundenen Texten zu wohltuenden Gitarrenklängen. Das gemischte Gardeballett begeisterte mit einem schwungvollen und zackigen Tanz mit erstaunlichen Hebefiguren. Zu später Stunde gewagt, aber sensationell gelungen: närrisches Kabarett mit Niveau. Kritisch und intelligent stellten sich „Spitz und Spitz“ (Mättes Sabel und Johannes Asbach) auf. Ihr Name ist Programm, beleuchteten die Beiden doch mit spitzer Zunge beklagenswerte und kuriose Geschehnisse in der Welt. Rhythmisches Klatschen, Jubel und Rakete für einen inhaltlich wertvollen Wortbeitrag.


Verdiente Auszeichnung für Erzkarnevalist Michael Krebs


Zu Beginn der zweiten Sitzungshälfte überzeugten die Fahnenschwenker der Stadtsoldaten mit Fingerfertigkeit, Synchronität, Körperbeherrschung und Konzentrationsvermögen und bereiteten zu heroisch-maritimen Klängen mit wirbelnden Fahnen und dunkelheit-durchdringenden Leuchtkugeln ein optisches Vergnügen. Mit Markus Topp und Susanne Bell als Töppche und Bella“ traten erfahrene Kalauer-Spezialisten ins Rampenlicht. Temperamentvoll ihr Feuerwerk an Pointen, zwerchfell-strapazierend für ihre Zuhörer. Übrigens, kennen Sie Bellas Lieblingstier? „Ein Schwein, tot, zerhackt, gebraten mit Pommes und Ketchup“. „Jupp-Neuhaus-Gedächtnis-Riege“ nannte Sitzungspräsident Zins die wieder einmal mit ihrer schnellen, akrobatischen und schweißtreibenden Präsentation begeisternde Turnerriege. Seit 1976 bereichert diese starke Truppe das Sitzungsprogramm der Stadtsoldaten. Auch sie verdienten sich eine Publikums-Rakete.

Dann kam er - „Kresse“ (Michael Krebs). Aus der wackligen Seefahrer-Bütt schleuderte das Bütten-As mit 23-jähriger Bühnenerfahrung Schlag auf Schlag kurze, knallige Gags in die „gute Stube Andernachs“. Dauergelächter bei dieser Rede des humoristischen Genies, für das „zu Hause ist, wo der Schlüssel passt“. Michael Krebs wurde am Abend von Festausschuss-Präsident Lutz Schnitzendöbel für seine herausragenden Verdienste um den Andernacher Karneval mit dem „Großen Verdienstorden“ ausgezeichnet. Im Aerobic-Outfit tanzte sich die (Männer-) Tanzgruppe zu funkigem Sound in die Herzen ihrer Fans und stellten mit erkennbarem Spaß unter Beweis, dass es auch den „Herren der Schöpfung“ nicht an tänzerischem Talent fehlt. Sandra Bell, erste Stabsführerin in der Geschichte der Stadtsoldaten, hatte sich mit ihren Spielleuten mottogemäß des Themas „Piraten“ angenommen hatte. Der Spielmannszug mit seinen Querflöten, der Lyra und den Schlaginstrumenten hielt die Stimmung mit Seemannsliedern und einem Udo-Jürgens-Medley weiter auf dem Siedepunkt. US-amerikanisches Showtheater präsentierten die attraktiven und charmanten „Just for Fun Dancers“. In grünblau-glitzerndern Revue-Kostümen setzte das hinreißende Damenballett das letzte Highlight einer spektakulären und schwungvollen Prunksitzung. Wie sagte Heribert „Molly“ Zins, der im Verlauf des Programms immer wieder gerne die Nähe und den Dialog mit seinen Akteuren suchte: „Stadtsoldaten sinn wie der amerikanische Geheimdienst - überall hängen se drenn.“ Wer kann, der darf!

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Jochen Seifert:
Müntefering hat Recht: „Macht die Kommunen stark“ Franz Müntefering hat beim Jahresempfang der SPD in Sinzig etwas Wahres gesagt: „Macht die Kommunen stark!“ und dazu dann die Aufforderung die Angebote zu verbessern, unter anderem auch die Versorgung der älteren Mitbürger. Eine Antwort seitens der Kreis-SPD darauf gibt es nicht. Genauso verhält sie sich im Rahmen der Kreis - Haushaltsberatungen, wenn es darum geht, Landeszuschüsse anzufordern, die das Land den Kommunen nicht weiterleitet bzw. vorenthält. Das „Starkmachen“ der Kommunen wird bei dieser Landesregierung nicht funktionieren. Das hat selbst der Landesrechnungshof unterschwellig eingesehen. Vielleicht prüft er ja zukünftig auch die Haushaltswirtschaft der Landesregierung, so die Deutung einer Aussage in einem Schreiben an die FWG. Auch die Neueinstellung eines Direktors/Direktorin beim Landesrechnungshof, mit der Aufgabe zur Prüfung der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Landes, könnte ein Zeichen sein. Noch besser wäre es jedoch, wenn die Kreis-SPD mal eigenständig in Mainz vorspricht und Verbesserungen anmahnt. Sie hat ja jetzt einen Anlass. Jochen Seifert, Fraktionssprecher der FWG im Kreistag Ahrweiler

Vortrags- und Diskussionsabend

Stefan Knoll:
Ganz schlimm, was Demos e.V. auf Facebook über die Machenschaften der AfD im Westerwald aufdeckt. Bei der AfD im Westerwald findet man Rassismus und Antisemitismus. Ganz übel.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben:
Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.
Karsten Kocher:
Und heute berichtet DEMOS e.V. auf Facebook über einen weiteren schlimmen Vorfall bei der AfD Westerwald. Der Rechtsextremismus feiert fröhliche Urständ bei der AfD Westerwald.
B. Roß:
Hoffentlich werden dann auch wenigstens die Bäume abrasiert. Die sind sowieso den Radfahrern nur im Weg und wenn man sich die mal genau anschaut, sind die sicher auch krank. Derartige Bäume sind nämlich immer krank - das weiss man.
Marcel Iseke:
Die "jetzigen gefährlichen Einfahrten" sind dann nicht mehr gefährlich? Der Radweg muss einfach komplett freigegeben werden, für die Sicherheit unserer Fahrradfahrer, der Reduzierung des PKW Verkehrs, mehr Bewegung im Alltag, CO2 Reduktion und und und. Keine halben Sachen!!
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