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Das Stadtsoldatenkorps Andernach 1896 verlegte seine Prunksitzungen nach Afrika

Stadtsoldaten gingen auf eine rot-gelbe Safari der guten Laune

25.01.2016 - 09:59

Andernach. Lachen sei eine körperliche Übung, von großem Wert für die Gesundheit, stellte vor rund 2300 Jahren Aristoteles fest. Man könnte meinen, der griechische Philosoph hätte schon damals eine Sitzung der Andernacher Stadtsoldaten besucht, um zu dieser Einschätzung zu gelangen. Das rot-gelbe Traditionscorps, bekannt dafür, Prunksitzungen der mittelrheinischen Spitzenklasse abzuliefern, wird in diesem Jahr jedoch „erst“ 120 Jahre alt. „Dem Grieskram rücken wir auf´s Fell“, drohen die Stadtsoldaten in ihrem Vereinslied an und setzten dies am vergangenen Wochenende in der Mittelrheinhalle wieder einmal rücksichtslos um. Ungezwungen und lausbübisch präsentierte Sitzungspräsident und Kommandant Heribert „Molly“ Zins ein urwüchsiges Feuerwerk der Unterhaltung, an dem sowohl Lachmuskeln, Augen und Ohren ihre Freude hatten.


Stadtsoldaten – bekannt für Lokalkolorit und kritische Stimmen


Passend zur, vom Bühnenbau-Team liebevoll geschaffenen, Afrika-Kulisse übten sich die jüngsten Aktiven des Korps, als Raubkatzen gekleidet, gekonnt im Synchrontanz mit turnerischen Einlagen und ernteten dafür viel Applaus. Eigentlich war er nur kurzfristig als „Lurch“ im Programm eingesprungen - dann bewies sich Jung-Entdeckung Johannes Fischer als Knaller, durfte die stehenden Ovationen des Publikums und eine Rakete entgegennehmen. Selbstbewusst gab er in seinen pointenreichen Reim-Versen zu verstehen: „Ich bin halt der Lurch. Ihr wolltet mich haben, da müsst ihr jetzt durch!“ Die musikalischen „Altstadtrebellen“ (Waldemar Thiele, Aaron Friedland, Stefan Fischer und Molly Zins) nahmen die Gäste mit auf ihren inhaltsreichen und amüsanten Streifzug durch die vergangenen Monate. Mit ihrer tänzerischen Umsetzung des Themas „Arabische Nächte“ begeisterten 23 Mädchen und drei Jungen des Jugendballetts ihr Publikum. Auch Tanzmarie Marijke Lahnstein und Tanzoffizier Julian Elzer überzeugten einmal mehr mit ihrer schneidigen Darbietung. Deutlich vernehmbar die Vorfreude der Närrinnen und Narren, als die „Ähn on die Anner“ die Bühne betraten. Nadine Krebs und Nina Ruppert lieferten mit ihrem lacherstarken Zwiegespräch voller Wortspiele und eigenwilligen, fremdsprachlichen Übersetzungen, eine herausragende und bejubelte närrische Leistung ab. Beschwingte Fröhlichkeit in Rot-Gelb, wirbelnde Fahnen, stramme Jungs und ein bezauberndes Mariechen: der Regimentstanz ist das imposante und sympathische Markenzeichen der Stadtsoldaten. Kurzweiliges, vergnügliches und musikalisch präsentiertes Lokalkolorit verbreiteten die „Vier Kleevkurschte“ (Erika Schwickert, Andrea Paulmann, Martina Eiden und Vera Zerwas-Schneider). Da wurde z.B. gelästert über das neue Abfallsystem („Vor lauter Ämer, kümmt mer nimmi an de Herd“) oder über kölsche Bands beim Andernacher Karnevalsjubiläum, aber auch geschwärmt von den Spezialitäten der lokalen Gaststättenwelt.

Fetziger Discosound und der schmissige Tanz des rot-gelb-weiß kostümierten, gemischten Gardeballetts riss das gut aufgelegte Auditorium mit, dem danach ein 40-minütiges aufmerksames Zuhören und Mitdenken abverlangt wurde. Johannes Asbach und Mathias Sabel, die sich als „Spitz & Spitz“, nach eigenen Worten der ernsten Büttenrede verschrieben haben, nahmen kritisch und pointiert Politik, Kirche und Gesellschaft aufs Korn. Respekt für ihr tiefgründiges Narrenkabarett, dem vielleicht auch ein Hauch, der von beiden beschriebenen, „verbalen Manifestation der Seelen- und Gefühlslage der deutschen Intellektuellen“ innewohnte.


Nach der Pause überschlugen sich die Wogen der Heiterkeit


Salti, Flic Flac, große Sprünge - Artistik mit Humor ist seit nunmehr 40 Jahren das Qualitätsmerkmal der Turnerriege „Jüpp Neuhaus“. Die athletischen Harlekins erzeugten in diesem Jahr bei ihrem Publikum ein Wechselbad der Gefühle. Vorherrschende Begeisterung wandelte sich zum großen Wehklagen im Auditorium, als Matthias Busenkell den Bühnenabschied seiner Riege verkündete. Stürmischer Applaus – Danke für vier Jahrzehnte originelle Unterhaltung!

Prinz Tobias I. „Vom Gipfelbezwinger zum Tambourstabschwinger“, Prinzessin Janine I. „die Frohnatur mit der Sonne im Herzen“ sowie das närrische Gefolge unterhielten in „ihrem Wohnzimmer“ ihr Narrenvolk mit kölsche Tön und stellten wieder unter Beweis, dass sie sich wohlklingende Flaschen-Flötentöne beigebracht haben. Erika Schwickert und Ute Zins erhielten von Lutz Schnitzendöbel den Großen Verdienstorden des Festausschusses für ihr langjähriges und vielseitiges karnevalistisches Engagement.

Wenn in Neuwied jemand für einen Umzug gesucht wird und ein Annenacher als Einziger kostümiert erscheint, während andere die Möbel schleppen, kann es eigentlich nur „Töppche“ (Markus Topp) sein. Und wenn es sich eine Frau gefallen lässt, dass man an ihr nicht das „schöne Gesicht“ oder „die perfekte Figur“, sondern nur ihren „Sinn für Humor“ liebt“, dann handelt es sich sicher um „Bella“ (Susanne Bell). Zum Brüllen, dieses Meisterpaar des Humors.

Nur wer über motorische Fähigkeiten und Rhythmusgefühl verfügt, kann Fahnen so über die Bühne wirbeln lassen, wie die, diesmal in Tierkostüme gekleideten, Fahnenschwenker der Stadtsoldaten. Von Puddelinchen Cathrin Ducht wurde dann „Kresse“ (Michael Krebs) zur Bütt geführt. Der hielt für Menschen mit niedrigem Blutdruck nicht nur den Tipp bereit, einmal bei IKEA einzukaufen („kauf und bau auf“), der kennt auch den, der mit seinem Genital im Guinessbuch der Rekorde war und deswegen aus der Buchhandlung flog oder den Bauern, der im Stall Bücher verteilte, weil das Finanzamt ihm gesagt hatte, er solle seine Kühe „über die Bücher laufen lassen“. Da blieb kein Auge trocken. Das war Spitze!

Dann der afrikanische Ruf: „Hakuna Matata“, (wörtlich übersetzt „es gibt keine Schwierigkeiten“). Der Auftakt des vom Spielmannszug (Leitung: Franka Lüdtke) dargebotenen Medleys aus „König der Löwen“ versprach es, und das Versprechen wurde wohlklingend eingelöst.

Als Grenadier Guards unter traditionellen Bärenfellmützen traf die Männertanzgruppe zackig, diszipliniert und tänzerisch geschliffen den Nerv des Publikums. Funky (flippig) die Tanzperformance der attraktiven Afrolook-Mädels des Showballetts. Die „Just for Fun Dancers“ vermittelten Lebensfreude und beeindruckten mit gewinnender Ausstrahlung und tänzerischer Harmonie. Rakete. Zugabe!!!

Zu den Klängen des Mayener Stimmungs-Duos „Fun Musik“ dann der finale Abschied der Akteure. Rund sechs Stunden echte „Annenache Faasenacht“ – erlebt bei den Stadtsoldaten!

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Kommentare
juergen mueller:
Die Aufenthaltsqualität wird ganz sicher erhöht ... wenn genügend Klopapier vorhanden ist.
juergen mueller:
Die AfD ist das Letzte,was man mit Demokratie u.Sozial in Verbindung bringen sollte. Da amüsiert man sich öffentlich über die Corona-Infizierung der Kanzlerin - man marschiert mit "mehreren" Personen in ein Krankenhaus um Blumen zu überreichen,Blumen,die man noch nicht einmal selbst bezahlt,sondern geschenkt bekommen hat - da prangert "Opa GAULAND" jetzt schon die Fehler der Bundesregierung in der Corona-Krise an - da spricht ein vom Virus des Nationalsozialismus verseuchter HÖCKE von einem Ende seines rechten Flügels,indem er lustig weiter agieren darf - da tönen MEUTHEN u.Co.von einer Zerschlagung des Höcke-Flügels,sitzen mit ihm aber weiterhin auf einer Bank - eine steuerflüchtige Schreiblase namens WEIDEL u.eine völlig braun-verblendete von STORCH schreien sich die Lunge aus dem Hals,indem sie gegen alles schießen was nicht deutsch ist. Die AfD, ein gefährlicher,intriganter,täuschungswilliger,konzeptloser,der Vergangenheit näher als der Gegenwart,zusammengewürfelter Haufen.
Markus H:
Ein Fünf-Punkte-Plan für eine Krise wie die aktuelle zeigt das Problem schon im Namen. Es existieren keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme - also wird ein Fünf-Punkte-Plan auch das aktuell quasi komplexeste Problem überhaupt nicht lösen.
Jean Seligmann:
So lag ich mit meiner Prognose, zur Ablehnung des Konzeptes, durchaus richtig. Wie leicht durchschaubar ihr alle seid. Bleibt trotzdem gesund!
Jean Seligmann:
Die Corona-Krise ist die Stunde der Nationalstaaten und deren Politiker die sich um die Belange IHRER Bevölkerung kümmern. Das übergeordnete Bürokratiemonster EU beweist in dieser Krise vor allem eins: Handlungsunfähigkeit. Beispiel? Italien bekommt Hilfe auf China, Russland und Kuba, die anderen EU-Staaten, einschließlich der Bürokraten in Brüssel, nahmen davon Abstand.
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