Antisemitismus-Prävention 2026
Vortrag am KSG: Antisemitismus in Frankreich
aus Andernach
Koblenz. Dieses Jahr haben die Schüler*innen des Kurfürst-Salentin-Gymnasiums bereits zum zehnten Mal eine neue Konzeption des lebendigen Denkmals vorgelegt, das der gefallenen Schüler der Weltkriege und der im Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Mitschüler gedenkt und dabei immer wieder neu und aktuell den ersten Satz des Grundgesetzes ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ umsetzt.
Passend dazu eröffnete am 29. Mai 2026 Dr. Carole Billod aus Nizza mit ihrem Vortrag ‚Antisemitismus in Frankreich‘ einen tiefen Blick auf die Situation in unserem Nachbarland. Frau Billod setzte mit ihrem Bericht konkret am 8. Oktober 2023 an, also am Tag nach dem schrecklichen Massaker in Israel; denn bereits da begannen die ersten antisemitischen Taten in Frankreich, die sich bis heute dramatisch gesteigert haben (2022: 436, 2025: 1320). Auch 49% jüdischer Schüler*innen sind nach eigenen Aussagen von antisemitischen Handlungen und Taten betroffen!
Der Staat hat darauf mit einem „Nationalen Plan gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung“ geantwortet, d.h. die Sicherheit jüdischer Einrichtungen verstärkt, der Justiz klare Anweisung zu Null-Toleranz gegeben und in den Schulen für mehr Aufklärung bzw. härteres Durchgreifen gesorgt. Aber das reicht natürlich letztlich alles nicht aus.
Für das Thema Aufklärung über Antisemitismus stellte Frau Billod daher zwei konkrete privat organisierte Projekte vor, zunächst das Kollektiv „NOUS VIVRONS“, gegründet 2024, das mit konkreten Aktionen auf Antisemitismus von links und rechts aufmerksam macht
Vor allem aber wies Frau Billod darauf hin, dass der entscheidende Ansatzpunkt die Jugend ist, die sensibilisiert werden muss.
Der Verein „LE MANIFESTE“, gegründet 2025, deren Mitglieder für Workshops in die Schulen gehen, um dort Aufklärungsarbeit zu leisten. Ein erster großer Erfolg ist dabei die Charta, die von Schülern erarbeitet wurde, die in jeder Region öffentlich von den Jugendlichen der Workshops unterzeichnet wird und die Einladung zur Vorstellung der Initiative in der französischen Nationalversammlung, geplant für den Winter dieses Jahres.
Durch ihre Darlegungen und ihr persönliches Engagement hat Frau Billod dann auch die Zuhörer*innen dafür sensibilisiert, auch in Deutschland wieder genauer hinzuschauen, wo ja ebenfalls antisemitische Äußerungen und Handlungen dramatisch zugenommen haben, wie gerade in Bayern, wo eine Buchung aus Israel abgelehnt wurde mit dem Kommentar: „Sorry, there are no jews allowed in our hotel“, so dass wieder einmal die Aufforderung des römischen Dichters Ovid gilt: Principiis obsta, sero medicina paratur – stelle dich den Anfängen entgegen, ein Heilmittel dagegen kommt zu spät (wenn die Krankheit ausgebrochen ist).
Bericht: Prof. Dr. Tamara Choitz
Foto: Evelyn Höfer
