Bad Hönningen. Zu einer Waldbegehung mit Revierförster Christoph Kirst und Forstamtsleiter Uwe Hoffmann hatte der Bad Hönninger Stadtbürgermeister Guido Job eingeladen. Treffpunkt war am Parkplatz vor der kleinen Turnhalle der Marienschule, von dem aus die zahlreichen Teilnehmer mit dem Bus zum Parkplatz „Sieben Kurven“ transportiert wurden. Mittags traf man sich in der Gaststätte „Brunnenschänke“ zu einer öffentlichen Sitzung des Stadtrates, in der neben dem Rückblick auf das abgelaufene Forstwirtschaftsjahr vor allem die Beratung und Beschlussfassung über die Forstwirtschaftspläne für das Forstwirtschaftsjahr 2015 im Mittelpunkt standen.
„Zunächst gilt es den Senioren Dank zu sagen, die das Brückenbauwerk am Waldsee, dem ‚Auge der Natur‘, wie der Vorgänger unseres Revierförsters dieses Kleinod bezeichnet hat, errichtet und damit enorm aufgewertet haben“, eröffnete der Stadtbürgermeister nach der Begrüßung zahlreicher Gäste pünktlich um 12 Uhr den Rückblick. In diesem erinnerte er zunächst an die Pflanzaktion mit der 3. Klasse der Marienschule am Tag des Baums. Lobend hob er zudem die Wald-Säuberungsaktion der Junggesellen hervor, die zukünftig zu den ständigen Jahresterminen des Vereins zählen soll.
„Erstmals wurde in unserem Wald am Global Volunteers Day schwer geackert, zu dem die Deutsche Post DHL im September bereits zum vierten Mal Mitarbeiter, Kunden und gemeinnützige Organisationen auf der ganze Welt dazu aufgerufen hatte, sich in sozialen Projekten zu engagieren. 25 Beschäftigte der deutschen Zentrale waren in vier Gruppen bei uns auf dem Waldlehrpfad, der sich etwa einen Kilometer auf dem Dietrich-Schareina-Waldweg Richtung Mahlberg erstreckt, aktiv, um unter fachkundiger Anleitung des Revierleiters des Forstreviers, Christoph Kirst, die Wald-Weitsprunggrube, das Waldklassenzimmer sowie das Waldtelefon wieder sachgerecht herzustellen und den Lehrpfad von überragendem Geäst, Farn und Unkraut freizuschneiden“, erinnerte Guido Job.
„Ich hoffe, dass diese erstmalige Kooperation zwischen der DHL Express und der Stadt Bad Hönningen hinsichtlich des Umweltschutzes auch nachhaltig sein wird“, betonte der Stadtbürgermeister, um dann auf den eine Woche zuvor veranstalteten „Bad Hönninger Waldtag“ einzugehen. An diesem sorgten nicht nur die Wildkammer und das Team der Malberg-Hütte für kulinarische Angebote. Der Einsatz von unterschiedlichen Holz-Erntegeräten, das Schnitzen mit Kettensägen, vor allem aber die Unterweisung in Klettertechniken in hohen Bäumen hatten Groß und Klein begeistert.
Anschließend erläuterte Christoph Kirst den Forstwirtschaftsplan 2015, der bereits Ende September im Umwelt- und Verkehrsausschuss beraten worden war. Der waldreichen Verbandgemeinde beschert der Forst bei Aufwendungen in Höhe von 281.500 Euro immerhin einen Überschuss von 11.228 Euro. Dabei liegen die Erträge mit 293.700 Euro knapp 14. 000 Euro über denen des Vorjahres, allerdings müssen auch 13.000 Euro mehr ausgegeben werden. Wesentliche Veränderung auf der Einnahmenseite ist die angesichts der guten Marktlage um 14.000 Euro höhere Summe beim Holzverkauf. Außerdem fließen mit 13.870 Euro über 4.000 Euro mehr in die Kasse für die Wildschadenverhütung. „Sollte diese Summe angesichts des hohen Wildbestands nicht ausreichen, ist eine Erhöhung von bis zu 25 Prozent in Aussicht gestellt“, berichtete der Revierförster.
In der anschließenden Diskussion wurde das Problem des aus Asien eingeschleppten Laubholzbock-Käfers, Anoplophora glabripennis, angesprochen. „Die Tiere sind mit 2,5 bis 4 Zentimeter Länge, ohne Fühler, sehr groß, wobei die weiblichen Käfer noch etwas länger werden“, berichtete Uwe Hoffmann. Das Weibchen legt rund Eier, für die es meist an Schwachstellen wie etwa in Astgabeln Löcher in einen Baum bohrt. Während in Ostasien vor allem an Weiden und Pappeln heimgesucht werden, sind in den „Einwanderungs-Ländern“ alle Laubbäume, also auch Obstbäume befallen. „Die nach etwa zwei Wochen schlüpfenden Larven sind fünf Zentimeter lang und ein Zentimeter dick und fressen ein bis drei Zentimeter dicke Gänge in den befallenen Baum, der in den meisten Fällen nicht mehr zu retten ist und dessen Holz wegen der vielen Löcher auch nicht gut verwertet werden kann“, so der Forstamtsleiter.
Bis jetzt sind in Deutschland nur in Thüringen und im süddeutschen Raum Bäume in Mitleidenschaft gezogen worden. „Da diesem Neozoon die natürlichen Feinde hier fehlen, ist das Schadenspotenzial im Wald wie in den Städten relativ groß. Wir sind allarmiert, eine Prophylaxe ist aber nicht möglich“, erklärte Uwe Hoffmann. Eingeschleppt werde der asiatische Laubholzbockkäfer, vor allem mit Bau- und Verpackungsholz und damit sei eine absolut sichere Kontrolle der jeweiligen Paletten nicht gegeben, bedauerte er, bevor die Ratsmitglieder einstimmig den Forstwirtschaftsplan absegneten. Gleichzeitig beauftragten sie den Stadtbürgermeister, den neuen Jagdpächter zu einer der nächsten Stadtratssitzungen einzuladen, damit dieser sich den Mandatsträger vorstellen könne.
Der Bad Hönninger Wald stand auf der Tagesordnung des Stadtrates. Foto: DL