Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Kulturabend informiert über Arbeit des Afghanischen Frauenvereins und Land und Leute

Afghanistan und Deutschland verbindet eine lange gewachsene Beziehung

26.09.2016 - 11:01

Neuwied. Eine ganz besondere Beziehung verbindet Deutschland und Afghanistan – das konnten alle Besucher des Afghanischen Kulturabends im Roentgen Museum in Neuwied erfahren. Dort berichteten die Vortragenden auf Einladung der Johanna Loewenherz-Stiftung und des Afghanischen Frauenvereins über Land, Leute und Geschichte des zentralasiatischen Staates. Im Rahmen der interkulturellen Wochen, die bundesweit ausgerufen wurden, war dies eine der Veranstaltungen, die im Landkreis Neuwied stattgefunden haben.

Und diese stieß auf reges Interesse: Zahlreiche Stühle mussten vor Beginn der Veranstaltung noch aufgestellt werden. Mit solch einem Andrang hatte kaum jemand gerechnet und Organisatorin Doris Eyl-Müller von der Gleichstellungsstelle des Landkreises hatte alle Hände voll zu tun, die Gäste zu begrüßen und unterzubringen. Eine Tatsache, die Homaira Mansury, die Moderatorin des Abends, zum Anlass nahm, die Stadt Neuwied für ihre Art, zu denken und zu leben, hervorzuheben: „Think global, act local“ sei hier nicht nur ein Schlagwort. Afghanistan und die Hilfe für dieses Land habe eine Tradition in Stadt und Kreis Neuwied: „Hier fanden schon so viele Veranstaltungen für das Land Afghanistan statt, das so weit weg und doch so nah ist“. Mansury wies darauf hin, dass es eigentlich besonders überraschend sei, dass so viele Besucher den Weg ins Roentgen-Museum gefunden hätten, da Afghanistan aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt und eher durch negative Schlagzeilen aufgefallen sei. „Aber Afghanistan hat wie jedes andere Land eine Bevölkerung, die lacht, die weint, die leidet, die eine Kultur hat und vieles mehr“. Dies zu erzählen, sei ein Anliegen des Abends und sich darum zu kümmern ein Anliegen des Frauenvereins. Afghanistan außerhalb von Krieg und Chaos zu zeigen – dieses Ziel verfolgte auch Landrat Rainer Kaul bei seiner Begrüßung. Er erinnerte an die wechselvolle Geschichte des Landes im vergangenen Jahrhundert mit den Einmärschen der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten, den Jahren unter der Führung der Taliban: „ein Land mit bedrückender Geschichte aber großer Kultur“. Landrat Kaul zeigte sich erfreut über die große Hilfsbereitschaft der Menschen in Neuwied, die den Afghanischen Frauenverein schon so lange unterstützen. Dies zeige auch die Vergabe des Johanna-Loewenherz Ehrenpreises an Rona Yussof Mansury im Jahr 2009. „Afghanistan und Deutschland haben eine besondere Verbindung“, betonte auch er. „Die deutschen Nationalfarben waren in Afghanistan lange ein Garant für die Sicherheit von Reisenden“, weiß auch Homaira Mansury zu berichten. Eine lange gewachsene Freundschaft, deren Anfänge Prof. Dr. Said Mohammad Hosseini, ehemaliger Dekan der Universität Kabul, beleuchtete. Dr. Hosseini besuchte die deutsche Schule in Kabul, studierte in Göttingen als DAAD-Stipendiat und unterrichtete an der Universität Kabul. Seit 1981 lebt und arbeitet er in Bonn, war aber bis zum Jahr 2006 regelmäßig in Afghanistan. Er berichtete vom Kern der deutsch-afghanischen Freundschaft, die im Jahr 1902 mit den Modernisierungsbemühungen des damaligen Herrschers Habibullah ihren Anfang nahm. 1915 bat er das Deutsche Reich um Hilfe beim Aufbau einer wirtschaftlichen Infrastruktur, was in einen regen Fachkräfteaustausch mündete. Habibullahs Sohn Amanullah führte diese Bestrebungen fort, indem er die allgemeine Schulpflicht einführte, das Tragen der Burka verbot und andere Reformen durchsetzte. Bis zum Beginn der NS-Diktatur reichte die Freundschaft. Hosseini erzählte am Beispiel der Schicksale der Lehrer der deutschen Oberrealschule in Kabul, dass Afghanistan auch in schwierigen Zeiten für die Deutschen einstand: Es verweigerte den Alliierten die Auslieferung der Lehrer und räumte den jüdischen Lehrern, die aus Angst nicht nach Deutschland ausreisen wollten, Bleiberecht ein. „Wir Afghanen vergessen nie die Arbeit, die die Deutschen in Afghanistan geleistet haben“, erklärte Hosseini. Dass diese Arbeit mit Hilfe des Afghanischen Frauenvereins bis heute weiter geht, schilderte Rona Yussof Mansury. Seit 25 Jahren setzt der Verein sich in den Bereichen Bildung und Gesundheit sowie Hilfe zur Selbsthilfe ein. Er finanziert Schulen, Brunnenbauprojekte, die medizinische Versorgung der Menschen und Ausbildungsstätten. Im Rahmen von Familienpatenschaften werden 90 Familien gefördert, damit die Kinder zur Schule gehen können. In Ausbildungsstätten erlernen Frauen innerhalb eines Jahres den Beruf der Näherin oder Stickerin und erhalten zum Ende eine Nähmaschine. Damit können sie sich und ihre ganze Familie zukünftig ernähren. Zahlreiche Frauen haben so schon den Weg in die Selbständigkeit gefunden. Die Ehrenpreisträgerin der Johanna Loewenherz-Stiftung zählte zahlreiche erfolgreiche Projekte des Vereins auf, der selbst zu Zeiten der Talibanherrschaft nachts in Homeschools den Schulbetrieb aufrecht erhielt. Sie erklärte aber, dass die Situation nicht leichter würde: „Seit Afghanistan nicht mehr medial im Vordergrund steht, sinkt die Spendenbereitschaft.“ Sie dankte allen, auch den Anwesenden, die die Arbeit des Vereins so zuverlässig unterstützten und trotzdem ermöglichten.

Ein Vortrag mit Nadia Fasel, Redakteurin der Deutschen Welle in Bonn, musste aus Krankheitsgründen leider abgesagt werden. Trotzdem gelang es den Organisatoren, ein rundes Paket zu präsentieren. Nach den Vorträgen hatten die Besucher noch die Möglichkeit die Kultur des Landes näher kennen zu lernen: ein Basar mit Textilien und Schmuck und ein afghanisches Buffet gehörten zum Programm. Musikalisch untermalt wurde der Abend mit den traditionellen Instrumenten Robab und Tabla, die von Meistern ihres Fachs gespielt wurden. Ein gelungener Abend, der viele Gäste wohl tatsächlich wieder daran erinnerte, Afghanistan im rechten Licht zu betrachten.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte

Solidaritätsplattform des Sozialen Quartiers Vallendar in der Corona-Krise

Hilfsangebote von Mensch zu Mensch

Vallendar. Das Soziale Quartier Vallendar hat aufgrund der aktuellen Corona-Krise eine digitale Plattform für die Vernetzung und den Aufbau von gegenseitigen Hilfen organisiert, damit Menschen in der Stadt und Verbandsgemeinde Vallendar, die zu den Corona-Risikogruppen gehören Unterstützung finden können. Besonders sind ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen von diesen Maßnahmen betroffen. mehr...

23 weitere Menschen mit Corona infiziert

Kreis Mayen-Koblenz/Stadt Koblenz. Die Anzahl positiver Coronafälle in Koblenz und im Landkreis Mayen-Koblenz ist von Donnerstag- auf Freitagabend um 23 auf insgesamt 328 angestiegen. Dabei gilt es weiterhin zu beachten, dass die Gesamtzahl alle Infizierten seit Beginn der Testungen umfassen und auch möglicherweise bereits genesene Personen beinhalten.  mehr...

Weitere Berichte
Andernach hilft: Einkaufsservice für Senioren ins Leben gerufen

Initiative in Andernach will ältere Menschen vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen

Andernach hilft: Einkaufsservice für Senioren ins Leben gerufen

Andernach. Freiwillige aus Andernach haben unter dem Namen „Andernach hilft„ einen kostenlosen und bargeldfreien Einkaufsservice für Senior*innen ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, ältere... mehr...

Kreisgesundheitsamt appelliert:

„Wäller, ruft die Wäller Hotline an!“

Westerwaldkreis. Das Kreisgesundheitsamt hat ein Infotelefon eingerichtet, das wie folgt erreichbar ist: Telefonnummer 02602 124-567, werktags von 8 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 16 Uhr. mehr...

Politik

Rhein-Lahn-Kreis

Kreishaus ab sofort geschlossen

Rhein-Lahn-Kreis. Ab sofort ist das Kreishaus des Rhein-Lahn-Kreises aus vorsorglichen Gründen geschlossen, da ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung positiv auf das Corona-Virus getestet wurde. Der Mitarbeiter befindet sich in Quarantäne. mehr...

Maßnahmen gegen die schnelle Ausbreitung von SARS-CoV-2

Missachtung der aktuellen Einschränkungen wird teuer

Rheinland-Pfalz. Innenminister Roger Lewentz hat bereits nach Inkrafttreten der weiteren Einschränkungen für den öffentlichen Publikumsverkehr ein konsequentes Einschreiten der Polizei bei Zuwiderhandlungen angekündigt. mehr...

610.000 Euro Baukosten

LBM: Bau eines Moselradwegs in Ernst hat begonnen

610.000 Euro Baukosten

Ernst. Mit dem Neubau eines neuen Moselradweges in der Ortsgemeinde Ernst wurde begonnen. „Aufgrund der erfreulicherweise in den letzten Jahren stetig steigenden Zahl an Radfahrern entlang der Mosel kam... mehr...

Sport
Der SV Dernau
verpflichtet Felix Witthaus

SV Blau-Gelb Dernau

Der SV Dernau verpflichtet Felix Witthaus

Dernau: Der 18 Jahre alte Torhüter Felix Witthaus wird ab der Saison 2020/2021 das Trikot der Blau-Gelben tragen. Witthaus ist zurzeit noch in der A-Jugend Rheinlandliga beim Ahrweiler BC aktiv und seine Leistungen zeigen, dass aus ihm mal ein ganz Großer seines Fachs werden kann. mehr...

Abenteuer in Portugal

Lauftreff TV Urbar

Abenteuer in Portugal

Urbar. Der grüne Norden Portugals ist für seinen berühmten Portwein bekannt. Hingegen weniger bekannt ist ein Ultralauf, der ca. 1 Autostunde südlich von Porto im Landesinneren, jedes Jahr im Februar, stattfindet. mehr...

Mach mit bleib fit

SV Leubsdorf - Tennis

Mach mit bleib fit

Leubsdorf. Die Tennisabteilung im SV Leubsdorf hatte wieder vor Eröffnung der diesjährigen Freiluftsaison ihre Mitglieder in die Tennishalle nach Dattenberg eingeladen. Nicht alle Mitglieder weichen in... mehr...

Wirtschaft
Rathaus und Lagezentrum erhalten schnelle Glasfaserleitungen

Stadtwerke Neuwied

Rathaus und Lagezentrum erhalten schnelle Glasfaserleitungen

Neuwied. Schnelle Datenleitungen sind für die ungehinderte Kommunikation der Behörden und Einsatzleitungen zur Bewältigung der Corona-Krise unverzichtbar. Die SWN haben innerhalb weniger Stunden das Rathaus aufgerüstet und das Lagezentrum des Kreises versorgt. mehr...

Gemeinsam stark!

-Anzeige- Sonderedition des Lohner´s Spendentalers

Gemeinsam stark!

Region. Die Bäckerei Lohner unterstützt schon seit langer Zeit viele Tafeln in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen mit Lebensmitteln. Nun treffen die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie eben diese Institutionen und somit ausgerechnet die Schwächsten der Gesellschaft. mehr...

Sparkasse Neuwied reagiert auf die aktuelle Situation

Sicherheitsmaßnahmen

Kreis Neuwied. Mit verschiedenen Maßnahmen reagiert die Sparkasse Neuwied auf die aktuellen Entwicklungen zum Corona-Virus. Grundsätzlich bittet der Vorstand die Kunden statt dem persönlichen Weg in die Geschäftsstellen verstärkt den Kontakt online, telefonisch oder per E-Mail aufzunehmen. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
Umfrage

Wie sehen Sie die aktuellen Entwicklungen aufgrund des Corona-Virus?

Mit Besorgnis.
Entspannt und eher optimistisch.
Mit großer Verunsicherung.
775 abgegebene Stimmen
aktuelle Beilagen
 
Kommentare
juergen mueller:
Die Aufenthaltsqualität wird ganz sicher erhöht ... wenn genügend Klopapier vorhanden ist.
juergen mueller:
Die AfD ist das Letzte,was man mit Demokratie u.Sozial in Verbindung bringen sollte. Da amüsiert man sich öffentlich über die Corona-Infizierung der Kanzlerin - man marschiert mit "mehreren" Personen in ein Krankenhaus um Blumen zu überreichen,Blumen,die man noch nicht einmal selbst bezahlt,sondern geschenkt bekommen hat - da prangert "Opa GAULAND" jetzt schon die Fehler der Bundesregierung in der Corona-Krise an - da spricht ein vom Virus des Nationalsozialismus verseuchter HÖCKE von einem Ende seines rechten Flügels,indem er lustig weiter agieren darf - da tönen MEUTHEN u.Co.von einer Zerschlagung des Höcke-Flügels,sitzen mit ihm aber weiterhin auf einer Bank - eine steuerflüchtige Schreiblase namens WEIDEL u.eine völlig braun-verblendete von STORCH schreien sich die Lunge aus dem Hals,indem sie gegen alles schießen was nicht deutsch ist. Die AfD, ein gefährlicher,intriganter,täuschungswilliger,konzeptloser,der Vergangenheit näher als der Gegenwart,zusammengewürfelter Haufen.
Markus H:
Ein Fünf-Punkte-Plan für eine Krise wie die aktuelle zeigt das Problem schon im Namen. Es existieren keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme - also wird ein Fünf-Punkte-Plan auch das aktuell quasi komplexeste Problem überhaupt nicht lösen.
Jean Seligmann:
So lag ich mit meiner Prognose, zur Ablehnung des Konzeptes, durchaus richtig. Wie leicht durchschaubar ihr alle seid. Bleibt trotzdem gesund!
Jean Seligmann:
Die Corona-Krise ist die Stunde der Nationalstaaten und deren Politiker die sich um die Belange IHRER Bevölkerung kümmern. Das übergeordnete Bürokratiemonster EU beweist in dieser Krise vor allem eins: Handlungsunfähigkeit. Beispiel? Italien bekommt Hilfe auf China, Russland und Kuba, die anderen EU-Staaten, einschließlich der Bürokraten in Brüssel, nahmen davon Abstand.
Service
LESETIPPS
GelesenEmpfohlen
Anzeige Online bestellen

Geben Sie Ihre Anzeige in wenigen Schritten einfach selbst auf - Rund um die Uhr auf unserer Online-Anzeigenaufgabe! Wählen Sie hier einfach die passende Rubrik aus.