Allgemeine Berichte | 01.07.2022, 15:43 Uhr

Frido Mann im Johannes-Gymnasium Lahnstein

Alles wirkliche Leben ist Begegnung

V.li. Schulleiter Rudolf Loch, Prof. Frido Mann, Schülersprecherin Antonia Schmitz und Schülersprecher Joel Bucior, Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard. Foto: privat
49

Lahnstein. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ – für Professor Frido Mann ist dieses Zitat des Religionsphilosophen Martin Buber eine Lebensmaxime. Begegnung und Kommunikation der verschiedenen Kulturen, Religionen, politischen Vertreter und der Menschen überhaupt untereinander, verbunden mit dem Wissen voneinander, dem Tun miteinander und vor allem auch dem Zuhören, was der andere zu sagen hat. Nur so, betont der Weltbürger Mann, Enkel des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann, „kann die Demokratie bestehen“. Dass und wie daran zu arbeiten ist, erläuterte er in der Aula des Johannes-Gymnasiums den Oberstufen-SchülerInnen, die die Podiumsdiskussion unter dem (gleichnamigen Buch-) Titel „Democracy will win“ aufmerksam verfolgten. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung und dem Kulturfestival „Denkbares“ statt.

„Die größte Bedrohung unserer Demokratie kommt von innen“, führte Mann aus, nämlich- die Trägheit und Faulheit der Menschen: „Es ist wichtig, wählen zu gehen, sich zu informieren und sich zu bilden“, sagte Frido Mann, der Musik, Theologie und Philosophie studierte und eine Professur in Psychologie innehatte. Eine große Gefahr sieht er in der Vereinfachung von komplexen Zusammenhängen und warnte vor „Gehirnwäsche und Fake News aus dem Osten“. Für ihn steht fest: „Populismus ist nie nützlich.“

Dabei sei Demokratie nie einfach, sondern immer prozesshaft: „Demokratie ist nicht, sie wird. Nur alle vier Jahre ein Kreuzchen zu machen, ist eindeutig zu wenig.“ Demokratie müsse sich an den Wünschen, Visionen und Werten der Bürger orientieren und ihren mehr Mitsprache einräumen. „Eingebunden und mitgedacht werden müssen heute mehr denn je Klima und Energie.“ Vieles habe sich gerade in Deutschland verändert, seit diesem Land nach dem verlorenen Weltkrieg 1945 die Demokratie verordnet wurde: „Ihr jungen Leute seid heute vielfach besser informiert“, gab der 81-Jährige den Schülerinnen und Schülern mit, „ihr zeigt Solidarität mit Menschen, denen es nicht so gut geht, ihr geht für das Klima auf die Straße.“ Die lebenslange Erziehung zu demokratischen Tugenden müsse bereits im Kindergarten beginnen: „Demokratie braucht einen langen Atem.“

Nachdem Mann im Gespräch mit dem Journalisten Meinhard Schmidt-Degenhard seine Sorgen um den Zustand der Demokratie erläutert hatte, kamen die SchülersprecherInnen Antonia Schmitz und Joel Bucior mit ihren Fragen zum Zuge und zeigten sich gut vorbereitet: „Ist unsere Demokratie zukunftstauglich? Müsste nicht die Jugend mehr eingebunden werden – Stichpunkt Wahlrecht ab 16? Ist die parlamentarische oder eine direkte Demokratie besser? Und welche Rolle spielen die Religionen?“ Viele Fragen, auf die es häufig keine einfachen Antworten gibt. Während die Schülerinnen den Finger in die Wunde legten und Religionskriege ebenso ansprachen wie verkrustete Strukturen und Dogmen und feststellten, die Kirche sei zu wenig jugendgerecht und werde immer weniger akzeptiert, sah Frido Mann auch die andere Seite: „Die Religionen sind für Unterdrückung genauso verantwortlich wie für das Gegenteil. Spiritualität ist nicht die Ursache für Kriege, sondern die verschiedenen Kulturen, in denen die Religionen entstanden sind.“ Moderator Schmidt-Degenhard nahm den Ball auf: „Ihr fragt, ob Religion so eine große Bedeutung hat. Aber wenn so viele große Konflikte religiös-idealistisch untermauert sind, dann hat sie eine Bedeutung.“

V.li. Schulleiter Rudolf Loch, Prof. Frido Mann, Schülersprecherin Antonia Schmitz und Schülersprecher Joel Bucior, Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard. Foto: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die Übung der beiden Teileinheiten Nord und Süd des Warnzuges stärken den Bevölkerungsschutz im Westerwaldkreis.
20

Der Westerwaldkreis hat in Zusammenarbeit mit seinen zehn Verbandsgemeinden einen Warnzug ins Leben gerufen, um im Gefahrenfall eine schnelle und zuverlässige Warnung der Bevölkerung zu gewährleisten. Unter der Leitung von Zugführerin Lisanne Wüst und Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Tobias Haubrich fand in Selters die erste Übung des Warnzuges statt. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Etwa 15 Jahre alte Linden der Sorte „Glenleven“ werden derzeit an der Südallee im Bereich des Evangelischen Stifts gepflanzt. Insgesamt kommen 22 neue Bäume in den Boden.
53

In Koblenz wird die Südallee weiter ausgebaut, wobei seit dem 29. Oktober 22 neue Linden gepflanzt werden. Diese Maßnahme ist Teil eines umfassenden Begrünungsprojekts, das auch die Anpflanzung von Blumenzwiebeln im kommenden Frühjahr umfasst, um die Allee mit bunten Farbtupfern zu bereichern. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

monte mare Geschäftsführer Patrick Doll nahm die höchste Auszeichnung der Oskar-Patzelt-Stiftung mit Stolz entgegen.
59

Das Andernacher Unternehmen monte mare wurde Ende Oktober erneut von der Oskar-Patzelt-Stiftung ausgezeichnet – und das gleich doppelt. Bei der Bundesgala des „Großen Preises des Mittelstands“ am 24. Oktober in Düsseldorf nahm Unternehmensnachfolger Patrick Doll die Premier-Ehrenplakette entgegen. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag
Dauerauftrag
Innovatives aus Andernach
Bratapfelsonntag
Anzeige Aktionstage 03.11. - 10.11.26
Herbstkirmes Löhndorf
Weitere Artikel
Werner Rössel. Foto: Ernst Mettlach
681

Der ehemalige Trierer Domprobst wurde in Ahrweiler geboren und wirkte u.a. als Kaplan in Waldbreitbach

Trauer um Werner Rössel

Region. Der frühere Generalvikar des Bistums Trier und emeritierte Dompropst, Prälat Werner Rössel, ist am 30. Oktober 2026 im Alter von 80 Jahren in Trier verstorben. Er erlag einer langen, schweren Krankheit.

Weiterlesen

Auf dem Skywalk Rabenlay
334

Sinzig. Die Wanderfreunde des Eifelvereins Sinzig erkundeten am Wochenende den Nücker Felsenweg im Siebengebirge. Unter der Leitung von Konrad Waßmann führte die Wanderung bei sonnigem Herbstwetter durch die abwechslungsreiche Landschaft des Ennerts, die mit markanten Felsformationen, bewaldeten Pfaden und spannenden Einblicken in die Erdgeschichte begeistert.

Von Konrad Waßmann

Weiterlesen