Kempenicher Krippenweg

Altes bewahren, Neues schaffen

Altes bewahren, Neues schaffen

Peter Bell ist der Mann hinter Kempenichs Krippenweg.

Altes bewahren, Neues schaffen

Mit Hund und Strichliste dem Krippen-Rätsel auf der Spur: Martha Neiss und Beate Adams.

Kempenich. In Kempenich feiert man in diesen Weihnachtswochen ein kleines Jubiläum. Der Krippenweg im Kreuzwäldchen wird fünf Jahre alt. Aus 20 Krippen sind in der kurzen Zeit mehr als 50 geworden, die sich entlang des Stationenwegs und im idyllischen Kreuzwäldchen präsentieren. Mal suchen Maria, Josef und das Christkind unter mächtigen Baumwurzeln Schutz, mal stößt man in Mauernischen auf komplette Krippen im Miniaturformat. Andere Exemplare sind schon von Weitem sichtbar. Groß und stattlich wie eine alte Eifler Holzscheune. Ein besonderes Exemplar indes findet sich dieses Jahr hinter den stabilen Gittern der Grablegung. Die helle Krippe ist komplett aus Speckstein gearbeitet. Ein Afrika-Urlauber hat sie aus Kenia mit nach Hause gebracht.

Wie die anderen Krippen im Kreuzwäldchen hat sie den Weg zu Peter Bell gefunden. Der Küster der Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus und Vorsitzender des Fördervereins Kreuzwäldchen ist der Vater des Kempenicher Krippenwegs. Wie es dazu kam? Für den gelernten Handwerker und Küster, der um den Wert guter Handarbeit und den Sinn christlicher Traditionen weiß, war der Anblick der Krippen, die nach Weihnachten im Hausmüll landeten, nur schwer erträglich. Dafür war Peter Bell beeindruckt von dem, was engagierte Menschen in Waldbreitbach und Kell auf die Beine gestellt hatten. Hier ein ganzes Krippendorf, da einen über zwei Kilometer langen Krippenweg im Wald, den die Gründerin Agnes Mäurer mit Krippen aus ihrer eigenen Sammlung gestaltete. Ein Sammler ist Bell nicht, eher ein Bewahrer. Und so wandte er sich in einem Pfarrbrief an die Gemeinde. Mit der Bitte, Krippen nicht wegzuwerfen, sondern für einen Krippenweg mit heimischen Exemplaren zu spenden.

Eine Idee, die ankam. Schon im ersten Jahr wurden rund 20 Krippen gespendet. Viele waren gut erhalten und gepflegt, manche leicht bis schwer lädiert. Aber alle mit dem gewünschten Lokalkolorit. Bell und die Messdiener machten sich an die Arbeit. Defekte Krippendächer wurden repariert, beschädigte Figuren restauriert. Inzwischen ist der Krippenfundus ist auf etwa 60 Exemplare angewachsen. Allerdings wächst mit der Zahl der Krippen auch der zeitliche Aufwand, den Bell und seine Helfer in die Aufstellung und den Abbau investieren. Corona-bedingt muss der Küster seit 2020 auf die Unterstützung seiner Messdiener verzichten. In Ehefrau Jutta und Ferdi Neiss hat der Peter Bell allerdings fleißige Helfer gefunden, die das Projekt begeistert unterstützen. Erstmals war diesmal kurz vor Weihnachten auch Sebastian Klein aus Hohenleimbach mit von der Partie.

Dem Hohenleimbacher verdankt man in Kempenich auch einen Hinweis auf die orientalische Weihnachtskrippe, die das Team vor Weihnachten in der Pfarrkirche aufgebaut hat. Die so genannte Jerusalem-Krippe hat der Forstarbeiter Herbert Bell vor zehn Jahren nach alten Entwürfen aus dem Jahr 1676 aus Sperrholz gebaut. Diese Entwürfe einer Tiroler Kirchenkrippe tauchten 1920 wieder in einem Münchner Bastelverlag auf. Der Bewahrer Peter Bell freut sich, dass mit der orientalischen Krippe eine alte Kempenicher Tradition wiederbelebt werden konnte. Bis zum Ende der 50er Jahre war schon einmal eine Jerusalem-Landschaft mit detailgenauen Tempeln, Türmchen und Häusern in Kempenich zu sehen, verschwand dann aber spurlos. Nur die Figuren von Maria und Josef sind im Original erhalten geblieben und als Teile der Krippenausstellung zu sehen.

Erst am 2. Februar werden die Krippen in Kempenich wieder abgebaut. Bis dahin steht die Kirche allen Besuchern offen. Und im Kreuzwäldchen kann man weiterhin versuchen, dem gut gehüteten Geheimnis um die Zahl der Krippen auf die Spur zu kommen. Auch in den Abendstunden ein eindrucksvolles Erlebnis. Erstmals werden die Krippen von kleinen LED-Lampen angeleuchtet und sind dann gut zu erkennen.