Allgemeine Berichte | 01.06.2023

„Culinacum“ am Runden Turm

Andernach in aller Munde

V.l.n.r.: Hermann-Josef Hoppe, Geschäftsführer des Privatbrunnens Tönissteiner Sprudel, Museumsleiter Dr. Kai Seebert, Bürgermeister Claus Peitz und Christoph Weitzel, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Mayen. Foto: Stadt Andernach/ Maurer

Andernach. Jeden Monat berichtet das Stadtmuseum Andernach ab sofort Neues aus dem „Culinacum“, dem Zentrum der Essbaren Stadt, das am Runden Turm entstehen wird. Mit dem „Culinacum“ (Kunstwort aus Kulinarik und Antunnacum, dem lat. Ortsnamen) erhält Andernach in der Keimzelle der historischen Altstadt einen Informations- und Bildungsort rund um die Themenfelder Stadt- und Ernährungsgeschichte, die hier eine Symbiose eingehen werden. Das „Culinacum“ wird zugleich das Informationszentrum für das Projekt „Essbare Stadt“ sein, für das Andernach seit über zehn Jahren international renommiert ist. Es wird keine Neuauflage des Heimatmuseums, sondern ein Lern-, Erlebnis- und Vermittlungsort für alle Sinne. Etwas Vergleichbares gibt es so kein zweites Mal!

Im „Culinacum“ wird auch das Themenfeld „Wasser, Wein und Bier“ eine wichtige Rolle einnehmen, denn ohne Wasser kein Leben! Andernach hat mit seinen Stadtteilen, die im „Culinacum“ endlich auch repräsentiert werden können, zu diesem Themenfeld viele bedeutende Aspekte aufzuweisen.

Den Auftakt der Reihe bildet das berühmte Tönissteiner Mineralwasser. Hier freute sich das Stadtmuseum kürzlich über einen Neuzugang zur Sammlung, der künftig die Ausstellung im „Culinacum“ bereichern wird: Mithilfe einer Spende der Kreissparkasse Mayen konnte ein seltenes Werbeschild des Tönissteiner Brunnens aus den 1950er-Jahren erworben werden. Die Tönissteiner Quellen besitzen die längste belegbare Tradition unter den deutschen Mineralbrunnen. Der Beleg für die über zweitausendjährige Nutzung der Quellen kam in Form hunderter römischer Münzen, die im 19. Jahrhundert in einer Brunnenfassung aus Tuff entdeckt worden waren, zutage. In der Nähe der römerzeitlichen Quellfassungen wurden außerdem Altäre bzw. Weihesteine für die Götter Apollo, die Volpinischen Nymphen (Quellgottheiten), Hercules Invictus und einen unbekannten Gott gefunden. Dies erlaubt den Schluss, dass römische Soldaten, und zwar Angehörige der römischen Rheinflotte und jene, die in den Tuffbrüchen des Brohltals arbeiteten, die Quellen über Jahrhunderte hinweg verehrten.

Auch später noch erfreuten sich die Tönissteiner Quellen großer Beliebtheit. Im 16. Jahrhundert befand sich der Heilborn im Besitz der Stadt Andernach. „Bornträger“ verdienten sich damals ihren Lebensunterhalt durch die Beförderung des begehrten Mineralwassers über die Höhe in die Stadt. Das Quellwasser war durch den Andernacher Arzt Johann Winter (1505 - 1574), nach dem - etwas irreführend - die Günterstraße benannt wurde, weithin berühmt geworden. In seinem „Kommentar über Bäder und Heilwasser“ von 1565 schrieb Winter: „Es ist von Nutzen bei Verschlüssen der Leber, der Milz und der Nieren. Der Trunk heilt das chronische Drei- und Viertagefieber. Den Leib und die Hauptadern reinigt er und wirkt harntreibend. Er beseitigt Übelbefinden und Wasser unter der Haut…“

Diese heilenden Eigenschaften des Tönissteiner Wassers waren dann auch ein Grund dafür, dass die Kölner Kurfürsten im 17. und 18. Jahrhundert Tönisstein zum Kurort ausbauen ließen. Das in Tonkrüge abgefüllte Mineralwasser wurde damals weithin gehandelt. Wer einen solchen Tönissteiner Tonkrug abzugeben hat, möge sich bitte im Stadtmuseum melden! Die Heilquelle war 1739 aus dem Besitz der Stadt Andernach an Kurköln gekommen und wurde verpachtet, was sich auch in der ‚Franzosenzeit‘ nach 1794 nicht änderte. Das benachbarte Kloster St. Antoniusstein wurde indes 1801 aufgelöst und verfiel. Die spätgotische Pietà, Ziel von Wallfahrten, wurde in die Pfarrkirche von Kell gebracht.

Ab 1861 blühte der Kurbetrieb in Bad Tönisstein wieder auf. 25 Jahre später war es der Großindustrielle August Thyssen, der die Anlagen für Mineral- und Moorbäder erwarb - wohl auch, um hier Mineralwasser für seine Arbeiter im Ruhrgebiet zu gewinnen. Den Heilbrunnen erwarb 1891 der Chemiker Dr. Carl Kerstiens, der den Grundstein für den Erfolg des Familienunternehmens legte.

1970 wurde Bad Tönisstein dann gemeinsam mit Kell nach Andernach eingemeindet.

Man sieht: Andernach ist wirklich „in aller Munde“ und es gibt viel zu erzählen!

Pressemitteilung

Stadtmuseum Andernach

Werbepostkarte des Tönissteiner Sprudels, um 1910. Aus der Sammlung des Andernacher Stadtmuseums. Foto: Stadtmuseum Andernach

Werbepostkarte des Tönissteiner Sprudels, um 1910. Aus der Sammlung des Andernacher Stadtmuseums. Foto: Stadtmuseum Andernach

V.l.n.r.: Hermann-Josef Hoppe, Geschäftsführer des Privatbrunnens Tönissteiner Sprudel, Museumsleiter Dr. Kai Seebert, Bürgermeister Claus Peitz und Christoph Weitzel, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Mayen. Foto: Stadt Andernach/ Maurer

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