Premiere im Schlosstheater Neuwied: Wie einst Lili Marleen
Das Leben der Lale Andersen
Eine unterhaltsame und doch in Teilen nachdenklich stimmende Geschichte
Neuwied. Eine Reise in die Vergangenheit kann man zurzeit in der Deichstadt antreten, denn auf der Landesbühne gastiert das Ensemble Phönix aus Köln unter Leitung von Bettina Montazem und spielt die Lebensgeschichte der Sängerin Lale Andersen. Nicole Eckenigk spielt die Sängerin, die, obwohl ihr Name skandinavisch klingt, aus Hamburg stammte. Dort wurde sie 1905 als Lieselotte Bunnenberg geboren, heiratete als Teenager Karl Ernst Wilke und gebar drei Kinder. Später zog es sie nach Berlin und in die Schweiz, wo sie den Komponisten und späteren Intendanten Rolf Liebermann kennen- und lieben lernte. Da sie Schulden hatte, musste sie die Schweiz wieder verlassen und geriet in die Mühlen des inzwischen faschistischen Deutschland. Der zweite Weltkrieg bricht aus. Künstler und missliebige Regimekritiker werden in KZs gebracht. Lieselotte Wilke weiß das, passt sich an und überlebt. Zurück in die Schweiz kann sie nicht mehr, auf die Heirat mit dem jüdischen Liebermann kommt verzichtet sie.
Einem Zufall verdankt sie ihre steile Karriere als Sängerin, denn auf der Suche nach Musik fürs Radioprogramm wird ihr Lied „Lili Marleen“ entdeckt und ein Hit an buchstäblich „allen Fronten“. Nach dem Krieg wird sie „entnazifiziert“ und macht weiter Karriere als Sängerin, denn ihr Lied „Lili Marleen“ wurde auch in andere Sprachen übersetzt und war ein „Schlager“ auch bei den Truppen anderer Länder.
Und was ist die Moral? – Es gibt keine. Es ist ein Leben auf der Suche nach Liebe und Anerkennung, der Kampf mit widrigen Lebensumständen, aber mit einem klaren Ziel – überleben.
Entree mit Film auf der Leinwand im Rücken
Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit dem Werdegang der berühmten Sängerin vertraut gemacht mit einer Vorstellung, gefilmt und dargeboten im Retroambiente einer Leinwand. Man fühlt sich zurückversetzt in UFA-Filmzeiten. Projektionen der Spielstätten helfen bei der Verortung der einzelnen Lebensstationen. Der Zuschauer erfährt, wie der Künstlername entstand. Entspannt lauscht man den Melodien, die ausnahmslos Gassenhauer wurden. Und mitten im Applaus ertönt die Stimme: „ seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen.“ Die Lüge, die den Krieg eröffnet…
Stellenweise bekommt man Gänsehaut, die Darsteller spielen ihre Rollen überzeugend und manchmal mit zackigem Hitlergruß, den man sich vor ein paar Jahren noch schamhaft verkniffen hätte. Das Publikum singt am Ende sogar mit, wenn die Schauspieler das Lied Lili Marleen anstimmen und dazu auffordern. Sie sind auch in einem Alter, in dem man keine persönliche Erinnerung an die Zeit haben kann, sie betrifft höchstens Eltern oder Großeltern. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine schöne, melancholische und starke Stimme – Lale Andersen eben.
Weitere Aufführungen finden statt bis zum 17. April und am 26. und 28. April. Tickets gibt es an der Theaterkasse und unter www.schlosstheater.de
Mit kurzen Szenen und viel Musik wird das Leben der Künstlerin dargestellt. Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P
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