Allgemeine Berichte | 20.08.2018

Übergabe des Beikirch-Wandgemälde an den Frauennotruf

„Das Mädchen“ wurde feierlich vorgestellt

Der Künstler Hendrik Beikirch (3.v.re.) im Kreise derFrauennotruf-Mitarbeiterinnen sowie der Unterstützer und Sponsoren. Foto: BSB

Koblenz-Lützel. Die großen Augen des anmutig wirkenden Mädchens blicken nachdenklich direkt auf den Betrachter. Seine Hände hält es unter dem Kinn gefaltet. „Das Mädchen“ hat der international renommierte, 1974 in Kassel geborene, heute in Bendorf lebende Streetart- und Graffiti-Künstler Hendrik Beikirch das von ihm geschaffene Porträt genannt.

Nach einer Woche war das Kunstwerk fertig

Innerhalb einer Woche brachte er das monumentale, in kontraststarken Graustufen gehaltene, detailliert ausgearbeitete Gemälde an die Wand des allen Koblenzern gut bekannten „Bohnen-Hauses“ in Koblenz-Lützel. Seine einzigen Hilfsmittel: Ein Hubsteiger, ein Farbroller und eine Skizze als Vorlage. Jetzt schaut dort, wo lange Jahre der Werbeslogan des Umzugsunternehmens Bohnen prangte, in fast realistischer Darstellung „das Mädchen“ auf die Balduinbrücke. Familie Bohnen hatte das auf Initiative und zugunsten des „Frauennotruf Koblenz“ in die Welt gerufene Projekt derart überzeugt, dass sie die Fassade ihres Hauses dafür kostenlos und auf unbegrenzte Zeit zur Verfügung stellte und auf den bekannten Werbespruch des Familienbetriebes verzichtete.

Tochter Kirsten Bohnen erinnerte sich anlässlich der offiziellen Übergabe des Wandporträts unterhalb der Balduinbrücke an die Begeisterung der Eltern für das vor 100 Jahren errichtete Haus, als sie es 1989 in schneller Entscheidung erwarben. Obwohl sie das Haus nicht anders als mit dem Bohnen-Werbespruch beschrieben kannten, hätten sie sofort zugestimmt, als der Frauennotruf mit der Anfrage auf sie zugekommen sei. Das jetzt sichtbare Ergebnis sei einfach toll. Es werte das mit „Berliner Flair“ behaftete Stadtviertel auf. Koblenz sei den Berlinern nun sogar einen Schritt voraus, „denn Koblenz hat einen Beikirch“. Vielleicht gelinge es dem Bild, Lützel eine Starthilfe zu geben, um aus seinem Schattendasein herauszukommen.

Dr. Margit Theis-Scholz, Kulturdezernentin der Stadt, nannte das Wandgemälde mit seiner großen Fernwirkung das beste Beispiel für Stadtteil-Entwicklung. Koblenz könne sich mit „seinem“ Beikirch nun einreihen in die Namensliste berühmter Städte wie New York, Neu-Delhi oder Marrakesch. Beinahe unglaublich, dass es das vonseiten des Künstlers zum Nulltarif gab. Immerhin ist der unter dem Künstlernamen „ECB“ bekannte Beikirch, der Ende der 1990er-Jahre Kunstpädagogik an der Universität Koblenz-Landau studierte, heute mit seinen Mega-Bildern ein gefragter, erfolgreicher Künstler. Dennoch ließ er sich ein auf Koblenz, auf Lützel und auf die Menschen, um dem Frauennotruf sein Kunstwerk als Schenkung zu übereignen.

Warum entschieden sich die Mitarbeiterinnen der Fach- und Beratungsstelle gerade für Beikirch, der seine Künstler-Karriere als Teenager mit einem gesprühten Comic-Graffity begann? Er stelle mit großer Sensibilität in seinen Arbeiten häufig Menschen dar, die Bedrohungen erlebten oder, wie Beikirch selbst gesagt haben soll, deren „Gesichter Geschichten erzählen“. Wie etwa bei dem siebzig Meter hohen Porträt eines Fischers an einem Gebäude in Busan, der zweitgrößten Stadt Südkoreas.

Eine Form der Prävention

Die „Frauennotruflerinnen“ erklären das Beikirch-Werk in Koblenz als eine Form der Prävention. Wie Vorstandsmitglied Jacqueline Bröhl erläuterte, soll es Frauen dazu ermutigen, sich die Größe zu nehmen, sich zu zeigen wie sie sind. Dazu zu stehen, wie man

ist, sei der beste Schutz gegen Gewalt und auch ein Weg zur Heilung für diejenigen, die Gewalt erlebt haben. Dafür brauche das Bild kein Logo des Frauennotrufs. Es soll für sich selber stehen und wirken. Mit dem von Beikirch entworfenen Mädchen soll ein Zeichen gesetzt werden für ein Leben frei von Gewalt, ergänzte das Vorstandsmitglied Martina Steinseifer. Sie zeigte sich dankbar für die ideelle und materielle Unterstützung, die der Frauennotruf auf dem fast zweijährigen Weg von der Idee bis zur Realisierung erfuhr. Unterstützung sei für ihren Hilfsdienst existenziell und stärke ihnen den Rücken. Die wenigen tausend Euro, die an Nebenkosten des Streetart-Projekts anfielen, konnten aus Spendengeldern gestemmt werden.

Kunstprojekt soll weiter bewegen

Das Kunstprojekt soll auch zukünftig noch einiges bewegen. Schon während der Entstehungsphase begleiteten rund zwanzig angehende Fotografen der Julius-Wegeler-Schule mit ihrem Berufsschullehrer Tillmann Oster den „Werdegang“ des Mädchens foto-dokumentarisch. Die Arbeitsergebnisse sollen in Kürze auf die eine oder andere Weise sichtbar gemacht werden. Ein weiteres Vorstandsmitglied des Frauennotrufes, Franziska Godlewsky, erzählte von den genialen und berührenden zwischenmenschlichen Begegnungen und den Gesprächen, die sie erleben durften, wenn sie „Dienst an der Kamera“ hatten, mit der Oster als privates Kunstprojekt einen Zeitraffer-Film drehte. Die Woche, in der Beikirch den Stadtteil Lützel in den Fokus von Medien und Menschen rückte, werde allen in guter Erinnerung bleiben, war sie sich sicher. Auch wenn er ihnen fehlen werde, seien sie alle dankbar für das, was er hier lasse. Der Künstler bedankte sich im Gegenzug für die ihm widerfahrene Gastfreundschaft. Ein solches Werk könne man nicht alleine realisieren. Es brauche Menschen, die die Vision teilen und sich dafür stark machen, sie zu realisieren. Auf diese Weise wurde die Entstehung des ersten größeren Wandbildes für Koblenz möglich. „Und sage man nicht, jedem Anfang wohne etwas Magisches inne?“. Für weitere Magie bieten sich in Koblenz noch viele Fassaden an, die sich zu Kunst im öffentlichen Raum zum Positiven verwandeln ließen, um die Menschen zu begeistern.

Das aus europäisch-arabischen Musikern zusammengesetzte Musikprojekt „Tonspuren“ von „Music Live“ sorgte für einen stimmigen musikalischen Rahmen des Übergabe-Aktes. BSB

Margit Theis-Scholz (re.) zeigte sich stolz aufdas beeindruckende Kunstprojekt im öffentlichen Raum.Links von ihr: Conny Zech, Franziska Godlewsky und Jacqueline Bröhl.

Margit Theis-Scholz (re.) zeigte sich stolz auf das beeindruckende Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Links von ihr: Conny Zech, Franziska Godlewsky und Jacqueline Bröhl.

Franziska Godlewsky vom Frauennotrufbedankte sich bei Hendrik Beikirch für „das Mädchen“.

Franziska Godlewsky vom Frauennotruf bedankte sich bei Hendrik Beikirch für „das Mädchen“.

Der Künstler Hendrik Beikirch (3.v.re.) im Kreise der Frauennotruf-Mitarbeiterinnen sowie der Unterstützer und Sponsoren. Foto: BSB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
20.08.201820:42 Uhr
Peter. S

Klasse, das nenne ich mal ein gelungenes Kunstwerk mit Mehrwert für die Stadt.

20.08.201815:44 Uhr
juergen mueller

Super und weiterzuempfehlende Aktion, die endlich einen Sinn und Zweck erfüllt, anstatt Hauswände mit unsinniger Werbung zu versehen. Hier wird einmal der künstlerische Effekt gewürdigt und zum anderen auch ein Nachdenken (wenn auch nicht bei jedem) angeregt.

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Die alte Ockenfelser Linde soll fallen

  • Claudia W. : Ich bin in der Bergstraße aufgewachsen, meine Großeltern lebten dort. So traurig das ein einzelner so etwas durchsetzt! Ich hoffe das es noch abgewendet wird und dieser schöne alte Baum erhalten bleibt.
  • Iris Arens : Es wiederholt sich immer und überall: Auswärtige ziehen in Kenntnis der Sachlage zu und klagen anschließend gegen die bei Zuzug bereits bestehenden und bekannten Umstände. Hoffentlich bleibt die Linde...

Verschiebung wegen Planungsunsicherheit

  • Sabine Weber-Graeff: Da werden Abermilliarden in die Aufrüstung der Bundeswehr,respektive die Landesverteidigung gesteckt und dann wird seitens von Grün ernsthaft erwogen in den Sichtbereich des militärischen Radars zwei...
  • Joschi Hund: Leider kann man nicht mehr von einem Antik und Trödelmarkt sprechen, warum ? Wenn über die Hälfte der Händler Neuware anbieten und Ihre Waren mit Festpreisen ausgezeichnet haben. Man kann sagen über 80 % der Aussteller waren Händler.
Dauerauftrag
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
10 Jahre NoWi
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Zukunft trifft Tradition KW 18
10 Jahre NoWi
Stellenanzeige Servicekräfte
Empfohlene Artikel
Der Vorstand der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler, von links Patrick Küpper (Schatzmeister), Markus Zednik (1. Vorsitzender), Alexander Petkovski (2. Vorsitzender) und Thorsten Hermann (Schriftführer). Fotos: DU
85

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Rück- und Ausblicke, aber auch wichtige Personalien bot unlängst die Mitgliederversammlung der Gewerbegemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler im Hemmessener „Dom-Café“. Was hier als „Personalien“ ziemlich allgemein klingt, war das Ende einer langen Ära: nach 25 Jahren als Vorstandsmitglied, davon 14 Jahre als 1. Vorsitzender der Werbegemeinschaft Aktivkreis Bad Neuenahr, bzw. der...

Weiterlesen

Symbolbild.
159

Region. Die DB InfraGO startet in knapp zwei Monaten mit der Korridorsanierung der Bahnstrecke am rechten Rheinufer zwischen Troisdorf und Wiesbaden. In der Zeit vom 10. Juli bis zum 12. Dezember 2026 bündeln die Bauteams entlang der rund 160 Kilometer langen Strecke zahlreiche Arbeiten, die die Infrastruktur langfristig leistungsfähiger und weniger störanfällig machen.

Weiterlesen

Symbolbild.
91

Vulkaneifel. Nach umfassender Prüfung des Antrags hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord nun grünes Licht gegeben: Die „wpd Windpark Sarmersbach Repowering GmbH & Co. KG“ darf auf dem Gebiet der Gemeinde Sarmersbach im Kreis Vulkaneifel vier neue Windenergieanlagen bauen und betreiben. Die fünf bestehenden Anlagen sollen zurückgebaut werden. Um mögliche Auswirkungen auf die Umwelt zu berücksichtigen, wurden 27 Fachstellen befragt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Verleihung Ehrenamtspreis Stadt Andernach am 29. April 2026 (v.l.n.r.): Bürgermeister Claus Peitz, Gerd Kaul, Vorsitzende des Vereins Freundschaftskreis Dimona-Andernach e.V. Barbara Söhngen, Oberbürgermeister Christian Greiner)Foto: Sebastian Waluga
7

Gerd Kaul und Freundschaftskreis Dimona-Andernach ausgezeichnet

Ehrenamtspreis der Stadt Andernach verliehen

Andernach. Im Historischen Rathaus der Stadt Andernach sind am 29. April 2026 zwei besondere ehrenamtliche Engagements mit dem Ehrenamtspreis der Stadt ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung ehrte Oberbürgermeister Christian Greiner den Miesenheimer Bürger Gerd Kaul sowie den Verein Freundschaftskreis Dimona-Andernach e. V. für ihren langjährigen Einsatz.

Weiterlesen

15

Bonn/Meckenheim. Nicht einmal Graupelschauer und Aprilwetter konnten die gute Stimmung an diesem Tag vermiesen: Ulla Schmidt besuchte im März den Unternehmensverbund der Lebenshilfe Bonn. Konkret stand ein Rundgang durch das Werk Meckenheim der Bonner Werkstätten auf dem Programm. Drei Stunden nahm sich die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe Zeit, um sich verschiedene Arbeitsbereiche zeigen zu lassen.

Weiterlesen

Symbolbild.
267

36-jähriger Autofahrer verliert bei Starkregen die Kontrolle über sein Fahrzeug

04.05.: Dramatisher Unfall auf der B 56: Motorradfahrer schwer verletzt

Lohmar. Am Montag, den 4. Mai, ereignete sich in Lohmar ein schwerer Verkehrsunfall, als zwei Fahrzeuge im Gegenverkehr kollidierten. Dabei erlitt ein Motorradfahrer schwere Verletzungen. Gegen 16:00 Uhr fuhr ein 36-jähriger Mann aus Siegburg mit seinem Pkw auf der Bundesstraße 56 von Siegburg nach Lohmar. Bei starkem Regen verlor er im Ortsteil Heide aus bisher ungeklärten Gründen die Kontrolle über seinen Mercedes-Benz.

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Daueranzeige
Rund ums Haus
Holz Loth-Entsorgung
Werksverkauf Anhausen
Maikirmes Franken
Maikirmes Franken
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Azubispots Bad Neuenahr 2026
Anzeige "Rund ums Haus"
Anzeige Show Alive
Zukunft trifft Tradition KW 18
Door To Door Anzeige
Innovatives rund um Andernach
Zukunft trifft Tradition KW 18
Jubiläum
Titel
Innovatives rund um Andernach
Imageanzeige Löhr Meckenheim