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Peter K. Gabrian starb im Alter von 93 Jahren

Der Maler der Mitternachtssonne ist tot

10.01.2016 - 10:00

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach einem langen Malerleben ist Peter K. Gabrian 93-jährig an Heiligabend in Bad Bodendorf gestorben. Weite, Einsamkeit und Farblodern hat er eingefangen - den großen Atem der Natur eingesogen und seinen Teil als Malerei wieder in die Welt gegeben. Der Großartigkeit und Melancholie Lapplands im Winter war Gabrian ebenso erlegen wie der schillernden Farbenpracht der nördlichsten Landschaft Finnlands im Herbst. Erregt vom einzigartigen Naturschauspiel und getrieben von der künstlerischen Herausforderung griff er immer wieder zum Pinsel oder zur Rohrfeder.

Ölgemälde expressiver Prägung und Zeichnungen von den wilden Landstrichen Finnlands waren seine bekanntesten Arbeiten. Gelegentlich hielt Gabrian auch Landschaften aus hiesiger Region fest. 2003 entstanden beispielsweise Aquarelle vom Feld-, Wiesen- und Waldland rund um die Olbrück. Auch als Porträtmaler betätigte er sich. Indes reichten die Konterfeis von Freunden und Wegbegleitern, von den SPD-Politikern Kurt Beck und Andrea Nahles sowie viele Selbstbildnisse selten heran an die mit Verve und Kompositionsgespür auf die Leinwand gebrachten Landschaftseindrücke beziehungsweise die „Einschreibungen“ mit der Rohrfeder.

Von den fünfziger bis in die siebziger Jahre hatte er sein Atelier in Holzlar-Heideberge. Von 1990 bis 2000 lebte er in seinem „Atelier im Steinhaus“ in Bachem. „Bachem find ich gut“ stand damals auf der Rückseite seiner Visitenkarte. Nach nur einem Jahr in Radolfzell am Bodensee kam der Künstler, der Natur und Menschen des Ahrkreises vermisst hatte, dorthin zurück. Von 2001 bis 2005 wurde er in Spessart (Verbandsgemeinde Brohltal) und danach in Ahrweiler ansässig. Zuletzt war er in Pflege in Bad Bodendorf.

Über 80 Einzelausstellungen in Deutschland, Finnland, Polen und rund 120 Beteiligungen bestritt der produktive, ideenreiche, kommunikations- und manchmal streitlustige Künstler, der unter anderem Mitglied im BBK und in der Are-Gilde war. Auch in der hiesigen Region stellte er häufig aus. Das Rathaus Altenahr zeigte seine Bilder unter dem Titel „Geheimnisvolle Farben im Licht der Mitternachtssonne“. Im Lesesaal der Kurverwaltung Bad Neuenahr waren 1993 von ihm „Finnische Landschaften“ zu sehen.

Das Ahrweiler Druckhaus Warlich und die Stadtbibliothek in Bad Neuenahr stellten Gabrians Arbeiten 1996 aus. Im Jahr darauf gab es zu seinem 75. Geburtstag eine Retrospektive im Museum der Kreisstadt. Sinzigs „Galerie im Zehnthof“ richtete ihm 1994 die Ausstellung „Mondnachtsstille“ aus, das Sinziger Heimatmuseum präsentierte ihn 2007.


Vorsichtig und ungestüm


Mit kritischem Geist verfolgte Gabrian, der Vater von vier Kindern war, die Zeitgeschichte, Politik und Kunstgeschehen. Da er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt, eckte er verschiedentlich auch an. Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Bonn, würdigte den Künstler anlässlich der Retrospektive-Vernissage 1997 im Ahrweiler Museum als „Waldläufer und homo politicus“. Er habe die Auseinandersetzung nie gescheut. Vorsichtig und zugleich ungestüm mische er sich immer wieder ein, etwa im Kunstbetrieb zwischen Köln und Koblenz. Seine Leidenschaft habe ihn auch zum pädagogischen Kämpfer gemacht, wies Zehnder auf Gabrians Wirken als Leiter der Malschule Sankt Augustin (von 1979 bis 1992) hin.

Ursprünglich wollte der 1922 in Offenbach Geborene Bildhauer werden, was der Krieg vereitelte. Doch lernte er als schwer verwundeter Soldat 1942 in Lappland seine Seelenlandschaft kennen. Vor der Währungsreform machten Gabrian und der Schwiegervater Schuhcreme aus Wachs, Farbpulver und Terpentin, um sie gegen Lebensmittel zu tauschen. Er und sein Bruder malten auch Bildchen, welche ihre Frauen zu einem Frankfurter Verwandten brachten, der dafür bei den Amerikanern Kaffee und Zigaretten erhielt. In dieser Zeit des Durchschlagens entschied Gabrian: „Koste es, was es wolle, ich werde Künstler.“


Lebenslange Suche


Nach dem Krieg besuchte er die Bonner Werbefachschule, ernährte im Werbefach seine Familie und leitete, ebenfalls aus wirtschaftlichen Erwägungen, zwölf Jahre lang die städtische Malschule Sankt Augustin. Zugleich verfolgte er den inzwischen eingeschlagenen Weg als Maler weiter und arbeitete hart an seinem Stil. Nach 1992 war er nur noch freischaffend tätig und stand bis ins hohe Alter in seinem Ahrweiler Atelier an der Staffelei.

In den sechziger Jahren erfüllte er sich den Traum, Finnland und Lappland wiederzusehen. Er baute mit anderen ein Feriendorf auf, initiierte und organisierte in den achtziger Jahren im finnischen Kuopio zahlreiche deutsch-finnische Künstlerbegegnungen und leitete die gleichfalls dem Austausch und interkulturellen Treffen dienenden Lappland-Workshops 1990, 1991, 1992 und 1993 in Posio. Für diesen Beitrag zur Völkerverständigung verlieh ihm 1993 der finnische Staatspräsident Mauno Koivisto das „Ritterkreuz des Ordens der Finnischen Weißen Rose“.

Der innere Antrieb des Künstlers galt „der lebenslangen Suche“ nach der Form. „Nie zufrieden“ war er mit dem von ihm Geschaffenen. Und diesen Ehrgeiz wusste Gabrian für seine Kunst fruchtbar zu machen.

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Kommentare
Uwe Klasen:
Zitat: „Jetzt geht´s um die Wurst“ ---- Die finanziellen Belastungen für die Deutschen werden größer und die Polittdarsteller verschweigen dies im aktuellen EU-Wahlkampf! So zeigt die mittelfristige Finanzplanung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), dass von den deutschen Steuereinnahmen aus 2018 - 2023 zusammen 226,9 Milliarden € für die EU abgezweigt werden. Wofür? Den Souverän in Deutschland zu entlasten, dass wäre eine der am dringendsten vorzunehmenden Aufgaben einer Regierung!
juergen mueller:
Nicht nur weniger Plastik in der Biotonne sondern weniger Insektizide gegen das Insektensterben, sprich Bienen/Hummeln.Heute ist Weltbienentag,schon gewusst?Ja,warum eigentlich,wenn Frau KLÖCKNER,Lobbyistin der Agrarwirtschaft,doch erst am 23.April 2019 per Notfallzulassung (?) ein weiteres Insektizid aus der Gruppe der NEONIKOTINOIDE zugelassen hat (neben 18 weiteren Insektiziden 2019 mit verheerenden Auswirkungen). Noch am 20.04.2018 im Bundestag vorgelogen:"Wirkstoffe aus der Gruppe der vorgen.Insektizide stellen für Bienen u.a.Bestäuber ein unvertretbares Risiko dar - was der Biene schadet,MUSS vom Markt".SAATGUT:"Darf nicht mehr mit Gift behandelt werden - JETZT darf man das Gift einfach auf die Pflanze spritzen".KLÖCKNER agiert in ihrem Amt mit einer Abgebrüht- u.Kaltschnäuzigkeit,die keinem ihrer Kolleginnen/Kollegen nachsteht. Es ist an der Zeit sich bewusst zu werden,dass WIR nur das zu Fressen haben,was die Politik uns vorsetzt u.ansonsten das Maul zu halten haben.
Uwe Klasen:
Zitat:“… eine gemeinsame Kampagne gegen Steingärten ins Leben rufen …“ --- Es stimmt schon, so mancher Kuhfladen auf einer Wiese beherbergt mehr Leben als ein Steingarten, genauso beinhaltet dieser Fladen aber auch mehr Hirnschmalz als so mancher Politdarsteller der, hyperventilierend, Umweltschädlich oder Klimaalarm von sich gibt! Die gleichen Leute, die lautstark Insektenschutz propagieren, ignorieren die vielen (Internationalen) Studien, die bereits falsifiziert und peer-reviewed sind, und worin die Windkraftanlagen als Hauptverantwortliche für den millionenfachen Tod von Vögeln, Fledermäusen und Insekten genannt werden! Insbesondere die flugfähigen Insekten sind betroffen, da viele zur Eiablage in den Höhen fliegen wo sich die Rotoren drehen und so nachhaltig mehrere Generationen ausgelöscht werden! Windkraftanlagen gehören in gänze Verboten!
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