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Interview mit dem Stammzellen-Spender Sven Kuntze aus Mayen

„Für mich stand das nie zur Debatte, „Nein“ zu sagen“

Zuerst ein komisches Gefühl, dann fühlt man sich stolz und geehrt

„Für mich stand das
nie zur Debatte, „Nein“ zu sagen“

Sven Kuntze Foto: privat

13.07.2020 - 10:56

Mayen. Die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, führte ein Interview mit dem Stammzellen-Spender Sven Kuntze aus Mayen:

DKMS: Was war der Anlass für Sie, sich in die DKMS aufnehmen zu lassen?

Sven Kuntze: Meinen ersten Kontakt mit der DKMS hatte ich zu meiner Zeit an der Hochschule Koblenz. Dort war zur Weihnachtszeit ein Stand aufgestellt, an welchem man sich typisieren lassen konnte und dafür dann als Dankeschön einen Glühwein bekam. Damit hatten sie mich an der Angel und ich dachte mir, was schon passieren solle. Man hört von so vielen Leuten, die registriert sind und von so wenigen, die wirklich spenden konnten.

DKMS: Haben Sie sich vor Ihrer Spende schon mal mit dem Thema Blutkrebs auseinandergesetzt?

Sven Kuntze: Nein, man hört es immer mal wieder oder sieht es in Flyern wie diesem jetzt von Beate. Aber wirklich mit beschäftigen tut man sich dann doch nicht damit. Was jetzt im Nachhinein schade ist, aus meiner Sicht. Der Slogan aus der Werbung „Stäbchen rein – Spender sein“ klingt vielleicht abgedroschen, aber es ist wirklich nicht mehr, was nötig ist, um etwas Gutes zu tun.

DKMS: Was ist in Ihnen vorgegangen, als Sie erfahren haben, dass Sie als Spender für einen Patienten infrage kommen? Können Sie sich noch erinnern, in welcher Situation Sie damals gewesen sind?

Sven Kuntze: Ich kann mich noch gut an die Situation erinnern, das passiert einem nun einmal nicht jeden Tag. Ich war auf der Arbeit, als mein Handy klingelte, irgendeine mir unbekannte Nummer und ich hatte gerade keine Zeit ran zu gehen. Also steckte ich das Handy wieder in die Tasche und gut. Als dann danach mehrmals hintereinander mein Handy erneut vibrierte, schaute ich dann doch nochmal und sah, dass ich neben einem erneuten Anruf der unbekannten Nummer auch eine E-Mail und eine SMS bekommen hatte, beide von der DKMS. Da viel mir der Stand mit dem Glühwein wieder ein und ich rief die Nummer dann doch sofort zurück. Man sagte mir, dass ich in der engeren Auswahl mit ca 30 anderen Spendern war, um einem Menschen zu helfen. Auch fragte man mich, ob ich bereit dafür wäre, dass sie meine Daten weiter untersuchen und ich somit eventuell als der eine Spender infrage kommen würde. Für mich stand das nie zur Debatte, an dieser Stelle „Nein“ zu sagen, ich hatte meinen Glühwein bekommen und stand nun in der Pflicht meinen Teil dazu beizutragen, jemandem zu helfen. Es war ein komisches Gefühl im ersten Moment, aber dann fühlte man sich auch stolz und geehrt, die Chance zu erhalten, jemandem das Leben zu retten. Die Frage, ob ich noch bereit wäre, wurde mir nun bei jedem erneuten Schritt gestellt, ich hätte also zu jeder Zeit ablehnen können und es wurde einem stets das Gefühl vermittelt, dass man keinerlei Zwang ausgesetzt ist.

DKMS: Wie haben Freunde/Familie reagiert?

Sven Kuntze: In meiner Familie sind schon einige bei der DKMS registriert, doch noch niemand von ihnen kam als Spender infrage. Dementsprechend waren alle überrascht und zugleich auch neugierig, wie es denn nun weitergeht und was noch alles auf mich zukommen würde. Da bei vielen die Typisierung schon einige Jahre zurückliegt, hatten sie noch das Bild mit der langen Nadel im Rücken vor Augen, mit welcher einem die Stammzellen aus dem Knochenmark gezogen wurden, was allerdings völlig falsch ist und sich als wesentlich weniger spektakulär raus stellte.

DKMS: Wie haben Sie sich auf die Spende vorbereitet?

Sven Kuntze: Mir wurde sofort etliches Infomaterial zugeschickt, wahrscheinlich um einem sofort die Angst vor der langen Nadel im Rücken zu nehmen. Es wurde ein ganz anderes Entnahmeverfahren gezeigt, welches für den Spender wesentlich angenehmer ist und doch für den Patienten die gleichen Chancen auf Heilung bringt. Also stand für mich der Spende nichts im Wege. Zusätzlich wurde ich noch nach Köln eingeladen, an dem Ort, wo auch die Spende stattfinden wird. An diesem Termin wurde mir alles gesagt, was ich wissen wollte und ich war meiner Meinung nach gut vorbereitet.

DKMS: Wie ist die Spende abgelaufen? Welches Entnahmeverfahren wurde angewendet?

Sven Kuntze: Es wird ein Verfahren angewendet, bei welchem die Stammzellen aus dem Rückenmark ins Blut übertragen und dort später mithilfe einer Art Dialyse ausgefiltert werden. Dazu musste ich noch einmal zu einer Untersuchung nach Köln in das Entnahmezentrum, wurde gesundheitlich komplett auf den Kopf gestellt und danach einen Plan bekommen, wie ich mir Spritzen geben sollte. Durch diese werden die Stammzellen ins Blut geschwemmt, die Spritzen selber sind klein und werden in den Bauch gespritzt. Als Nebenwirkungen können grippeähnliche Symptome auftreten, die ich auch hatte, aber wirklich nicht mehr als eine leichte Erkältung. So musste ich mich morgens und abends spritzen, das knapp eine Woche lang und direkt danach wartete auch schon mein Termin für die Spende. An diesem bin ich abends nach Köln, dort in ein Hotel, welches von der DKMS bezahlt wurde. Auch sämtliche Fahrtkosten konnte ich im Nachhinein angeben und wurden erstattet. Am nächsten Tag wurde ich in der Entnahmeklinik an eine Art Dialysegerät angeschlossen. Die Entnahme kann laut Aussage bis zu 8 Stunden dauern, ich war nach 6 Stunden bereits fertig.

DKMS: Haben Sie sich im Vorfeld Gedanken darüber gemacht, an wen die Spende gehen könnte?

Sven Kuntze: Nein, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Man bekommt auch keine Informationen.

DKMS: Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie nach der Spende mehr zu „Ihrem“ Patienten erfahren haben?

Sven Kuntze: Ich habe zunächst Informationen über Geschlecht, Alter und Herkunft erhalten. Auch natürlich wie es dem Patienten nach der Spende geht. Es war sehr beruhigend zu wissen, dass „mein Patient“ die Spende sehr gut vertragen hat und es ihm von Tag zu Tag besser geht.

DKMS: Was wünschen Sie dem Patienten?

Sven Kuntze: Natürlich wünsche ich ihm nur das Beste, durch Corona ist der Kontakt leider zur Zeit quasi eingefroren.

DKMS: Wissen Sie etwas zum Gesundheitszustand des Patienten?

Sven Kuntze: Ich weiß, dass er die Spende gut vertragen hat und dass es ihm mittlerweile sehr gut geht. Er genießt sein neues Leben jetzt.

DKMS: Stehen Sie bereits in Kontakt? Gab es z. B. einen anonymen Briefkontakt?

Sven Kuntze: Ja, es gibt Briefkontakt, der aber wie gesagt durch Corona ist der zur Zeit auf Eis gelegt. DKMS

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Jürgen Müller:
Der Bitte/Forderung von Anwohnern/Herrn Altmaier ist seitens der STADT zu folgen, die bisher KEINE Weitsicht und Kompetenz gezeigt hat - im Gegenteil.Die Reaktion von Herrn Langner ist mehr als bedenklich und kindergartenmässig.Die Auswüchse von alkohol- und feierwütigen Unbelehrbaren in Coronazeiten hat er NICHT im Griff - auch NICHT seine offensichtliche Eitelkeit und Reaktion auf berechtigte Kritik.
Gabriele Friedrich:
Alkoholverbot in der Öffentlichkeit, ob mit oder ohne Corona. Was in anderen Ländern hervorragend funktioniert, scheint in Deutschland unmöglich. Auch die Pizza-Esserei auf der Straße, da braucht man sich nur einmal die städtischen Müllkörbe anzusehen. Wann raffen die Politiker endlich mal, das sie sich auch unbeliebt machen dürfen, wenn es Sinn macht. Keine Chance den Alkoholikern und so schützt man auch Jugendliche, die ohnehin schon zu viel "saufen" Wenn der OB sich beschwert, soll er halt seine Arbeit machen und zwar so, wie die Wähler das wollen.
Jean Seligmann:
Verbote, Verbote und nochmals Verbote, könnt ihr nichts anderes mehr? Es ist doch klar Erkennbar das die Menschen diese immer mehr unterlaufen, lt. einer Studie haben sich 2/3 der Menschen in Deutschland nicht an die Corona-Verbote gehalten! Es geht auch anders, schaut euch Schweden an, sinkende Infektionszahlen! Und das ohne Panik schüren, Verbote, Strafe, hier wurden ganz wenige Maßnahmen ergriffen, die Freiheit der Menschen wurde nicht eingeschränkt!
Gabriele Friedrich:
Bei der AfD ist es eben schwierig die Leute auszusortieren, die rechtes Gedankengut haben. Ich finde auch, das man nicht generell alles ablehnen sollte, was von dieser Partei kommt. Lieber wäre mir, es würde sie gar nicht erst geben. Zu verdanken haben wir das der versagenden Bundespolitik und auch Landespolitik. [ Zitat] Unterdrückung / Isolierung / Diffamierung / Verächtlichmachung [ Zitat Ende] "Das" können Sie auch ganz normal in Arztpraxen, Krankenkassen, öffentliche Stellen, auf der Straße und eigentlich überall erleben, wo Menschen sich begegnen. Ganz normale Deutsche diffamieren andere Deutsche, nur weil sie sich gegen etwas wehren, etwas einfordern wollen oder einfach nur freundlich behandelt werden wollen. Auch wer eine "andere" Meinung hat, wird verbal niedergetrampelt oder verächtlich gemacht. Deutschland ist nicht unbedingt mehr das Vorbild für andere. Die Menschen haben noch niemals aus der Vergangenheit gelernt, die Fehler geschehen immer in der Gegenwart!
Jean Seligmann:
"auf allen Ebenen der kommunalen politischen Arbeit Anträge der AfD abzulehnen, wurde dabei einstimmig beschlossen." So sieht das demokratische Verständnis der anderen Parteien also aus, INTOLERANT wäre noch geschmeichelt, hier werden Menschen diskriminiert ob ihrer politischen Ansicht, obwohl diese durch Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz im Grunde ausgeschlossen sein sollte. Aber soviel Verständnis für Andersdenkende darf von den anderen Parteien und im besonderen von GRÜNEN nicht erwartet werden! Wo die Unterdrückung / Isolierung / Diffamierung / Verächtlichmachung von anderen Menschen hinführt, dass hat uns die Geschichte hinlänglich gelehrt!
juergen mueller:
Dieser sogenannte "Handlungsbedarf" wurde über JAHRE ignoriert. Jetzt, wo die Kacke am Dampfen ist, wird man munter. Dieses plötzliche Umdenken ist das was Politik ausmacht - erst dann, wenn die Öffentlichkeit auf etwas aufmerksam macht, was über Jahre vernachlässigt wurde, (vermeintlich) aktiv werden. Man sucht sich halt zu seinem persönlichen Vorteil das aus, was eben zur eigenen Profilierung gerade passt. Widerlich und anbiedernd.
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