„Stationsoffensive“ der Deutschen Bahn AG und des Landes Rheinland-Pfalz
Möglicher Haltpunkt „Friedland/ Hohenrhein“ nicht berücksichtigt
Lahnstein. Im Zuge der von der Deutschen Bahn AG und dem Land Rheinland-Pfalz verfolgten „Stationsoffensive“ zur Schaffung neuer Haltepunkte an bestehenden Bahnlinien hatte sich der Lahnsteiner Oberbürgermeister Peter Labonte vor geraumer Zeit an den Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord) gewandt und darum gebeten, einem Haltpunkt „Friedland/Hohenrhein“ Priorität bei den Verhandlungen hinsichtlich der Auswahl neuer Standorte einzuräumen.
Wie der SPNV-Nord nunmehr mitgeteilt hat, konnte der Standort bei der Überprüfung von mehr als 100 potentiellen Haltepunkten keine Berücksichtigung finden. Maßgeblicher Grund hierfür ist das zu erwartende geringe Fahrgastaufkommen. Der Haltepunkt Friedland/Hohenrhein wurde auf eine zweite Liste von möglichen „Nachrückern“ oder „Ersatzkandidaten“ gesetzt, die dann Berücksichtigung finden könnten, wenn ausgewählte Standorte nicht realisiert und entsprechende Mittel frei würden.
Zum Hintergrund
Bereits im Jahre 2011 hat OB Peter Labonte aufgrund der feststehenden dauerhaften Schließung der Friedrichssegener Straße mehrfach (Schreiben vom 9.8. und 10.11.2011) beim für den ÖPNV zuständigen Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (ZwV SPNV) um Prüfung der betrieblichen Auswirkungen mit der Möglichkeit eines neuen Haltepunktes im Bereich des Bahnübergangs in Hohenrhein-Friedland gebeten. Dabei hat er darauf hingewiesen, dass ein solcher Haltepunkt durchaus auch einen zusätzlichen Anreiz für die Anwohner darstellen könnte, auf das eigene Auto zu verzichten und auf die Bahn im Rahmen des ÖPNV-Angebotes umzusteigen.
Dieser Antrag wurde mit Schreiben vom 2.1.2012 dahingehend beantwortet, dass grundsätzlich die Schaffung eines zusätzlichen Haltepunktes „Hohenrhein“ unter der Voraussetzung möglich sei, wenn dafür ein anderer, ebenfalls in Erwägung gezogener neuer Haltepunkt in Miellen entfallen würde.
Aufgrund der mit dem vorgesehenen Standort Hohenrhein verbundenen schwierigen Rahmenbedingungen (Lage im Kurvenbereich erfordert zusätzliche Signalinstallationen sowie eine Anpassung der Bahnübergangssicherungstechnik) ergäbe sich ein „signifikant erhöhter Investitionsbedarf“ von circa 1,5 Millionen Euro. Ein Drittel dieser Summe hätte die Stadt Lahnstein tragen müssen, was aufgrund der defizitären Finanzlage aber im Rahmen der Haushaltsberatungen nicht berücksichtigt werden konnte (Sitzung Haupt- und Finanzausschuss am 19.1.2012). Auch mit Blick auf die mit der Haushaltslage verbundenen Einsparauflagen konnte das Vorhaben durch die Verwaltung nicht weiter verfolgt werden. Zudem hatte sich die Busandienung von/nach Friedland aufgrund des Fahrplanwechsels auf die RMV-Linie 573 (Koblenz-Friedland-Friedrichssegen) wieder verbessert.
Ende 2015 wurde bekannt, dass die DB-AG mit dem Land Rheinland-Pfalz eine neue Initiative über das Bundesprogramm „Stationsoffensive“ plant, mit der an bestehenden Bahnlinien neue Haltepunkte geschaffen werden sollen, um Bürger, die bisher in Ermangelung von der Wohnung oder dem Arbeitsplatz nahegelegenen Bahnstationen den eigenen Pkw nutzen, zum Umstieg auf die Schiene zu bewegen. Geplant war, dass diese für die Kommunen weitgehend kostenneutral erfolgen sollten. Insofern war eine Neubewertung der Situation gegeben.
Mit Schreiben vom 27.01.2016 wurde der SPNV darauf hingewiesen, dass bereits in der 54. Sitzung der Verbandsversammlung des SPNV beim Tagesordnungspunkt „Stationsoffensive RLP 2016“ neben dem Haltepunkt „Friedland/Hohenrhein“ auch ein möglicher weiterer Haltepunkt „Lahnstein-Mitte“ im Bereich des Friedhofs Niederlahnstein für die Kursbuchstrecke 625 (Lahntalbahn) genannt wurde. Die Stadt Lahnstein hat die Verantwortlichen des ZwV (kreisfreie Städte und Landkreise) gebeten, dem Standort „Friedland/Hohenrhein“ Priorität einzuräumen und den Vorzug zu geben. Der Haltepunkt Lahnstein-Mitte sei aus Sicht der Stadt derzeit keine Alternative, da von diesem Standort aus der Umweltbahnhof (Nieder-)Lahnstein fußläufig gut zu erreichen sei.
Da die Verhandlungen zwischen der DB-AG und dem Land Rheinland-Pfalz erst am vor Kurzem abgeschlossen wurden, ging das Antwortschreiben des ZwV erst am 04.08.2016 ein. In diesem wurde mitgeteilt, dass im Rahmen der Stationsoffensive der Bahn in Rheinland-Pfalz über 100 potentielle Standorte in einem gestuften Verfahren überprüft wurden. In einer ersten Marge habe ein Haltepunkt in Friedland/Hohenrhein (mit einem täglich zu erwartenden Fahrgastpotential von weniger als 100 Reisenden) als sogenannter „Standort mit geringer Potentialerwartung“ leider nicht berücksichtigt werden können. Standorte mit derart geringer Potentialerwartung würden grundsätzlich nicht näher betrachtet, da mit größter Wahrscheinlichkeit nicht davon auszugehen sei, dass hier ein hohes Kosten-Nutzen-Verhältnis erreicht werden kann. Die beiden Lahnsteiner Standorte, die längere Zeit in der engeren Wahl standen, sollen jedoch auf eine zweite Liste von möglichen „Nachrückern“ oder „Ersatzkandidaten“ gesetzt werden.
Laut DB-AG verhindern derzeit vor allem aber noch fahrplantechnische Gründe eine Realisierung eines der beiden für Lahnstein noch angedachten Haltepunkte. Diese könnten jedoch zukünftig durch den Bau eines elektronischen Stellwerks am Hbf Koblenz beseitigt werden, weil durch die dann höheren Einfahrgeschwindigkeiten in den dortigen Bahnhof zusätzliche Spielräume im Fahrplan möglich werden. Pressemitteilung
Stadtverwaltung Lahnstein
