Allgemeine Berichte | 24.01.2023

Exklusive Sonderveranstaltungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler zum 100. Geburtstag des DDR-Geheimdienstchefs

Regierungsbunker schlägt „Akte Markus Wolf“ auf

Foto des westdeutschen Regierungsbunkers (1981) aus dem Stasi-Archiv. Die Anlage war ein bevorzugtes Ziel der DDR-Überwachung, die neben Aufbau und technischer Einrichtung insbesondere einen Belegungsfall als „Indikator“ führte. „Eine Verlegung oder Bewegung Bonner Regierungsstellen Richtung Bunker galt als Anzeichen einer unmittelbaren Kriegsvorbereitung“, so Markus Wolf.  Quelle: BStU

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bonn im Kalten Krieg: die Bundeshauptstadt mit ihren Ministerien, Ämtern, Parteizentralen und Botschaften ist bevorzugtes Ziel der DDR-Spionage. Diese Schattenwelt aus Agenten, deren Aufklärungszielen und Methoden wird durch Ost-Berlin gesteuert. An der Spitze des ausgeklügelten Spionageapparates steht Markus Wolf, geboren am 19. Januar 1923.

Anlässlich seines 100. Geburtstages veranstaltet die „Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ am 11. und 12. Februar Sonderführungen und einen Informationsabend. Der Bunker im Ahrtal stand seit seiner Bauzeit 1962 ganz oben auf der Observationsliste der „Hauptverwaltung Aufklärung“ (HV A), wie die Auslandsspionage der DDR in Reihen des Ministeriums für Staatssicherheit genannt wurde.

Nicht nur die Fähigkeit der Gegenseite im Kriegsfall, die militärische wie zivile Führung von diesem zentralen Ort zu organisieren, war von Interesse für den Ostblock. Die NATO-Übungen im Bunker lieferten darüber hinaus wichtige Hinweise zu den militär-strategischen Denkmodellen für den Ernstfall. Ein Belegungsfall der Anlage galt außerdem als wichtiger Indikator für eine Verschärfung der internationalen Lage. Entsprechend „kümmerten“ sich gleich zwei DDR-Auslandsdienste personalintensiv und lückenlos um den Regierungsbunker als westdeutsches „Staatsgeheimnis Nummer 1“.

Dieses System wie auch die Biografie von Jahrhundertjubilar Wolf stehen im Mittelpunkt der Sonderführungen, die täglich drei Mal in den rückgebauten Teil der Anlage starten. Allein das ist schon eine exklusive Einlage, denn dieser „ausgeräumte“ Teil des Regierungsbunkers mit seinen leeren, endlos scheinenden Röhren, war der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich. Dort lädt ein Vortrag ein, am Originalschauplatz in die Jahre des Kalten Krieges einzutauchen. Die deutsch-deutsche Geschichte mit ihren damaligen Hauptprotagonisten steht dann im Fokus. Auch die „Akte Markus Wolf“ wird aufgeschlagen und die Biografie eines Geheimdienstmannes durchleuchtet.

Was war das für ein Mensch, der den meisten „nur“ als Geheimdienstchef der DDR ein Begriff ist? Wie sah sein Privatleben aus? Wie wurde aus einem angehenden Flugzeugbauingenieur ein Journalist, dann ein Diplomat und Nachrichtenmann? Wie schaffte er es, mit gerade einmal 21 Jahren in den Führungskreis um Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck aufzusteigen? Und welche Rolle spielten in der Entwicklung hin zum Spionagechef Verantwortliche der Bonner Republik, die im Bundesinnenministerium den Bunkerbau planten und das Krisenmanagement für den Ernstfall entwarfen? Diese Wechselwirkungen hatten ihren Ursprung bereits im Zweiten Weltkrieg. Und sie werden einen langen Schatten werfen auf die Entwicklung der beiden deutschen Staaten. Der Wolf-Apparat wird sie nutzen und sein System der Anwerbung, des Aufbaus von Kadern wie auch den Einsatz von Agenten hochpräzise anpassen. Denn die Erfolge der ostdeutschen Spionage haben ihren Ursprung auch in demokratisch geprägten Transformationsprozessen der Bundesrepublik. So nutzt Wolf die westliche Aufnahmebereitschaft von DDR-Flüchtlingen oder auch die linke Szene der 68er Bewegung für die geheimdienstliche Unterwanderung. Auch ihr Privatleben macht viele Bundesbürger zu HV A-„Perspektivkadern“.

Einer davon ist Lorenz Betzing. Der Installateur aus Andernach arbeitet im Regierungsbunker und lernt 1966 eine Frau kennen, die er später heiraten wird. Nichts ungewöhnliches, wenn die Ehepartnerin nicht unter falscher Identität und gezielt im Leben von Geheimnisträger Betzing aufgetaucht wäre. „Ursula Richter“ hieß in der DDR Erika Reißmann und ist nun als IM „Kern“ HV A-Agentin. Als weiblicher Romeo wirbt sie Betzing an. Ein Agentenehepaar, das bis 1985 die Regierung, den Bundestag, die Bundewehr und NATO ausspionieren wird. Zwei von letztlich (1989) rund 3.500 Quellen im „Operationsgebiet“ Bundesrepublik.

Wie sich aus zwölf Gründungsmitgliedern 1951 eine generalstabsmäßig durchorganisierte, mit ihren 17.000 Mitarbeitern (1989) in 27 Unterabteilungen gegliederte Spionagekrake entwickeln konnte und welche Rolle Markus Wolf in all dem spielte, warum ihm 1953 die Nähe zur DDR-Führung selbst zum großen Karriereproblem wurde und was die ganz persönlichen Schwachstellen im Leben dieses Jahrhundertjubilars waren – das und noch viel mehr wird am Wochenende 11. und 12. Februar in den Tiefen des Ahrgebirges besprochen. Ein Ziel der DDR-Auslandsspionage wird dann zur Bühne ihrer Arbeit und Akteure.

Die Vorträge hält Jörg Diester, der für die Aufarbeitung des Regierungsbunkers seit 2006 rund 120.000 Aktenseiten der DDR-Spionage ausgewertet hat. Er leitet die Dokumentationsstätte im ehemaligen HV A-Bunker in Gosen bei Berlin. Seit 2019 recherchiert er die private wie berufliche Lebensgeschichte von Markus Wolf.

Exklusiv-Führungen am 11. und 12. Februar

Exklusiv-Führungen „Akte Markus Wolf“ am 11. und 12. Februar finden um 11, 13 und 15 Uhr statt. Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Gäste je Führung begrenzt.

Am 11. Februar um 18 Uhr findet im Kinosaal der Dokumentationsstätte Regierungsbunker“ ein Informationsabend statt, der tiefe Einblicke in die „Akte Markus Wolf“ gewährt. Die 60-minütige Veranstaltung (mit einem Glas Rotwein) informiert ausführlich über das Leben des Jahrhundertjubilars, beleuchtet auch bisher kaum bekannte Hintergründe seiner Biografie. Anmeldungen sind ab sofort möglich: Telefon 02641/ 911 70 53, E-Mail: hh@regbu.de oder info@bunker-doku.de

Pressemitteilung

Dokumentationsstätte

Regierungsbunker

1966 wird bei der HV A ein umfangreiches Dossier zum westdeutschen Regierungsbunker angelegt, das in Text und Bild die Anlage und ihren Aufbau beschreibt. Zu sehen ist links der Ort Marienthal mit dem Bunkerhaupteingängen, auf dem Berg sind die Außenbauwerke durchnummeriert.  Quelle: BStU

1966 wird bei der HV A ein umfangreiches Dossier zum westdeutschen Regierungsbunker angelegt, das in Text und Bild die Anlage und ihren Aufbau beschreibt. Zu sehen ist links der Ort Marienthal mit dem Bunkerhaupteingängen, auf dem Berg sind die Außenbauwerke durchnummeriert. Quelle: BStU

Für die Sonderführungen am 11. und 12. Februar rücken Besucher erstmals in den rückgebauten Teil des Regierungsbunkers ein. So wird der Originalschauplatz zur Bühne der geschichtlichen Vermittlung.  Foto: Jörg Diester

Für die Sonderführungen am 11. und 12. Februar rücken Besucher erstmals in den rückgebauten Teil des Regierungsbunkers ein. So wird der Originalschauplatz zur Bühne der geschichtlichen Vermittlung. Foto: Jörg Diester

Von der Stasi observiert: Am 9. März 1989 trifft sich Markus Wolf (Mitte) auf offener Straße in Ost-Berlin zu einem Interview mit der ARD (links neben ihm Ehefrau Andrea). Es geht um Wolfs Buch „Die Troika“. Überwacht und im Bild festgehalten wird der Termin durch ein Observationsteam der Staatssicherheit. Wolf wird nun selbst zum Gegenstand von Überwachungsmaßnahmen.  Quelle: BStU

Von der Stasi observiert: Am 9. März 1989 trifft sich Markus Wolf (Mitte) auf offener Straße in Ost-Berlin zu einem Interview mit der ARD (links neben ihm Ehefrau Andrea). Es geht um Wolfs Buch „Die Troika“. Überwacht und im Bild festgehalten wird der Termin durch ein Observationsteam der Staatssicherheit. Wolf wird nun selbst zum Gegenstand von Überwachungsmaßnahmen. Quelle: BStU

1966 wird bei der HV A ein umfangreiches Dossier zum westdeutschen Regierungsbunker angelegt, das in Text und Bild die Anlage und ihren Aufbau beschreibt. Zu sehen ist der Bunker-Notausgang „Bunte Kuh“ mit dem Ausflugslokal „Altenwegshof“ im Hintergrund. Letzteres gibt es noch heute, der Notausgang wurde 2005 versiegelt und mit Erde abgedeckt. Quelle: BStU

1966 wird bei der HV A ein umfangreiches Dossier zum westdeutschen Regierungsbunker angelegt, das in Text und Bild die Anlage und ihren Aufbau beschreibt. Zu sehen ist der Bunker-Notausgang „Bunte Kuh“ mit dem Ausflugslokal „Altenwegshof“ im Hintergrund. Letzteres gibt es noch heute, der Notausgang wurde 2005 versiegelt und mit Erde abgedeckt. Quelle: BStU

Ein Seitenstollen im rückgebauten Teil des Regierungsbunkers wird am 11. und 12. Februar Ziel von Sonderführungen. Foto: Jörg Diester

Ein Seitenstollen im rückgebauten Teil des Regierungsbunkers wird am 11. und 12. Februar Ziel von Sonderführungen. Foto: Jörg Diester

Hier wird ein Vortrag die Hintergründe der DDR-Spionage erklären wie auch den beruflichen und privaten Werdegang ihres Chefs Markus Wolf. Foto: Jörg Diester

Hier wird ein Vortrag die Hintergründe der DDR-Spionage erklären wie auch den beruflichen und privaten Werdegang ihres Chefs Markus Wolf. Foto: Jörg Diester

Langer Schatten der Geschichte auf eine militärische Lagekarte im Regierungsbunker: am 11. Und 12. Februar dreht sich im Rahmen von Sonderführungen alles um die Spionageaktivität der DDR, einschließlich beruflicher wie privater Werdegang von HV A-Chef Markus Wolf. Foto: Jörg Diester

Langer Schatten der Geschichte auf eine militärische Lagekarte im Regierungsbunker: am 11. Und 12. Februar dreht sich im Rahmen von Sonderführungen alles um die Spionageaktivität der DDR, einschließlich beruflicher wie privater Werdegang von HV A-Chef Markus Wolf. Foto: Jörg Diester

Foto des westdeutschen Regierungsbunkers (1981) aus dem Stasi-Archiv. Die Anlage war ein bevorzugtes Ziel der DDR-Überwachung, die neben Aufbau und technischer Einrichtung insbesondere einen Belegungsfall als „Indikator“ führte. „Eine Verlegung oder Bewegung Bonner Regierungsstellen Richtung Bunker galt als Anzeichen einer unmittelbaren Kriegsvorbereitung“, so Markus Wolf. Quelle: BStU

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