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Mayener Burgfestspiele

Spiel um Recht und Gerechtigkeit geht unter die Haut

11.06.2018 - 09:51

Mayen. Das gab es in der Geschichte der Mayener Burgfestspiele so wohl auch noch nie. In der Pause der Premiere des ersten Hauptstücks „Terror“ wurde ausschließlich und teilweise heftig über die bisher erlebten fünfundsiebzig intensiven Theaterminuten diskutiert. Natürlich auch, weil die Zuschauer in Mayen als Schöffen in das Geschehen bei diesem fiktiven Gerichtsprozess in die Entscheidungsfindung eingebunden sind und nun ihr Urteil fällen sollen, aber vor allem, weil das Spiel des Mayener Ensembles so unter die Haut geht.

Was ist Recht und was ist Gerechtigkeit? Diese große Frage steht im Raum, wenn die Vorsitzende Richterin (Heike Trinker) die Sitzung eröffnet. Angeklagt des 164-fachen Mordes ist Lars Koch (Jan Nicolas Bastel). In Ausübung seines Berufes als Bundeswehrpilot hat er ein gekapertes Passagierflugzeug mit 164 Passagieren abgeschossen, welches der Entführer über einem Fußballstadion mit 70.000 Zuschauern zum Absturz bringen wollte.


Was ist Recht, was ist Gerechtigkeit?


Darf man 164 Leben opfern, um 70.000 zu retten? Hat man sie überhaupt gerettet oder hätte man evakuieren können? Hätten die anderen Passagiere den Entführer noch überwältigen können? Fragen über Fragen, mit denen die Vorsitzende Richterin die Fäden der Verhandlung in der Hand hält und das Geschehen lenkt.

Im Publikum merkt man, wenn man seine Rolle als Schöffe angenommen hat, schnell, dass es keine schnelle und einfache Lösung gibt. Jede beantwortete Frage wirft neue Fragen auf und das eigene Wertegerüst wird immer wieder in Frage gestellt.

Das dies gelingt, ist den Akteuren auf der Bühne zu verdanken, denn Terror ist eine Gerichtsverhandlung und diese kommt sehr glaubwürdig rüber. Keine unnötigen Effekte (selbst die Bühne ist quasi leer geräumt) Fünf Stühle, ein Richterpult und der Zeugenstand mehr braucht es nicht, um eine Illusion zu schaffen, die von den Zuschauern schnell Besitz ergreift.

Es gibt keine Showeffekte, keine „Actionszenen“ oder Materialschlachten. Es gibt aber Schauspieler, die wie bei einem Gerichtsprozess warten müssen, bis sie ihre Aussage machen. Aber auch in diesen langen Momenten des Wartens lässt die Körperspannung des Einzelnen um keinen Millimeter nach. Jeder ist in jeder Sekunde in seiner Rolle, sodass man hin und wieder Zweifel hat, ob es tatsächlich ein Schauspiel ist. Wenn dann die Einzelbefragung der Zeugen beginnt, stehen diese jeweils für etwa zehn Minuten im Mittelpunkt des Geschehens und dann explodieren die Schauspielerinnen und Schauspieler des Mayener Ensembles förmlich.

Sie entführen die Schöffen in die Gefühlswelt der Beteiligten, sodass man die Sicht eines jeden Einzelnen so gut nachvollziehen kann.

Und kaum hat man sich mit seiner Meinung zu den Geschehnissen in das eine oder andere Lager orientiert stellt die nächste pointierte Frage oder Bemerkung plötzlich wieder alles in Frage.

Da ist Zeuge Oberstleutnant Christian Lauterbach (Georg Lorenz), dessen Fassade im Laufe der Befragung durch den Staatsanwalt (Dejan Brkic) löchrig wird. Oder der Angeklagte selbst, der von den Entscheidungsträgern im Stich gelassen, die Verantwortung trug und übernahm. „Wir sind im Krieg“ sagt er an einer Stelle des Prozesses, aber Lars Koch ist kein gedankenloser Waffenheld, er musste abwägen und hat dies getan.

Und dann ist da vor allem die Nebenklägerin (Carola Söllner). Sie hat ihren Mann durch das Attentat verloren, wobei sie Wert darauf legt, dass er ermordet wurde, wie sie bei der ersten Frage klarstellt.

Wie Carola Söllner die Seelenqualen dieser Frau auf die Bühne bringt, ist schon fast alleine das Eintrittsgeld wert. Man leidet förmlich mit ihr und das ist umso bemerkenswerter, als sie erst vor einer Woche in die Proben eingestiegen ist, da sie eine erkrankte Kollegin ersetzen muss.

Diese Befragungen werden von Heike Trinker als Vorsitzende mit geschickten Fragen gelenkt, die den Mitspielern den nötigen Raum geben, da sich Trinker selbst zwar zurücknimmt, aber trotzdem dauerpräsent wirkt.

Unterbrochen beziehungsweise aufgeheizt werden diese Befragungen durch die Zwischeneinlassungen des Staatsanwaltes (Dejan Brkic) und des lässig und gleichzeitig provokant daher kommenden Verteidigers (Marco Wohlwend). Seine kleinen Scharmützel und Spielchen mit der vorsitzenden Richterin und seinem Gegenpart von der Staatsanwaltschaft lockern das Geschehen immer wieder auf, sind von Regisseur Daniel Ris aber so dosiert, dass der Spannungsbogen nie abzusinken droht.

Ganz am Ende sind alle Argumente ausgetauscht und nach den Plädoyers liegt die endgültige Entscheidung bei den Schöffen im Publikum. Man könnte eine Stecknadel fallen hören.

Die Abstimmung fiel am Premierenabend deutlich zu Gunsten des Angeklagten aus. Rund zwei Drittel der Besucher votierten für Freispruch.

Damit legten die Zuschauer gleichzeitig fest, wie das Stück nach der Pause weitergeht. Je nachdem, wie das Votum ausfällt, verkündet und begründet die vorsitzende Richterin das Urteil. Als Heike Trinker das Urteil bekannt gab, quittierte das Publikum mit Beifallsbekundungen.

Das Urteil über die Premiere insgesamt war noch deutlicher und einstimmig. Das Publikum erhob sich von den Sitzen und würdigte eine denkwürdige und ungewöhnliche Premiere mit lang anhaltendem und stürmischem Beifall.

Die Diskussionen über Recht und Unrecht hielten bei der anschließenden Premierenfeier noch an. Neue Aspekte wurden diskutiert und manchmal brachte eine kleine Abwandlung der Ausgangslage die bestehenden Meinungen schon wieder ins Schwanken.

Zum Nachdenken und zur Diskussion anregen ist eine der vornehmsten Aufgaben des Theaters - das gelingt in Mayen im besonderen Maße.

Und wenn wir schon bei Recht und Gerechtigkeit sind. Es wäre nur gerecht, wenn jede dieser Aufführungen ausverkauft wäre - das Publikum kann auch hier entscheiden, ob ein solches Theaterexperiment in Mayen trägt. BLA

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juergen mueller:
Herr Schupp,wie kommen Sie darauf,dass man gerade Sie in einen direkten Vergleich mit den "Dosen-Politikern" gestellt habe?Seien Sie doch einfach nur froh,dass Ihr Konterfei nicht auf einer Dose war.Das hätte die Berechtigung zu einer Anzeige sein können.Meine Oma hat immer gesagt:"Getroffene Hunde bellen".Ich an Ihrer Stelle hätte mir nicht entgehen lassen,den ersten Ball zu werfen - nicht auf den Mann mit dem Schnorres,denn der ist ja tot. Machen sie doch lieber ernsthafte Politik,als diese anderen zu empfehlen und schauen sich einmal "Verstehen Sie Spaß" an.
Antje Schulz:
Der Kommentar von K. Schmidt muß richtig gestellt werden. Die AfD hatte bei der Kreistagswahl nicht rund 350.000 Wähler, sondern rund 350.000 Stimmen. Jeder Wähler konnte bei Kreistagswahl bis zu 50 Stimmen vergeben. Im Bundesdurchschnitt liegt die AfD momentan bei etwa 13 Prozent. Da sind 7,4 Prozent für die AfD bei der Kreistagswahl Mayen-Koblenz nunmal weiter unter Schnitt. Das heißt, daß die Wähler im Landkreis Mayen-Koblenz mit der Arbeit der AfD nicht besonders zufrieden sind, jedenfalls weit weniger als im Bundesdurchschnitt. Und das liegt auch an der schlechten Arbeit von Uwe Junge.
K. Schmidt:
Das Argument, alle Wahlen in der Konstitution sind vorher abgesprochen, soll deshalb nicht ziehen, weil auch die meisten anderen Beschlüsse vorher abgesprochen und somit nur noch abzunicken sind? Und Junge soll man einfach nicht ernst zunehmen? Als Vorsitzender der drittstärksten Landtagsfraktion? Leute, genau so hält man dieses politische Krankheitssymptom am Leben, genau so wird man die Afd nicht wieder los. Bekämpft sie doch endlich mit vernünftiger Politik, nicht mit solch dilettantischen Quengeleien. Selbst die 350.000 Wähler bei der Kreistagswahl hat die AfD sich nicht selbst gewonnen, sondern die haben die anderen Parteien verloren. Warum versucht denn keiner, die zurück zu gewinnen? Das lässt sich so auf alle Ebenen übertragen. Man kann es nicht verstehen.
Antje Schulz:
Uwe Junge ist kein ernst zu nehmender Politiker.
Uwe Klasen:
Dazu zwei Zitate: "Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Immanuel Kant (1724-1804) ----- "Die Freiheit besteht darin, daß man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet." Matthias Claudius (1740-1815)
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