Kabarett-Shooting-Star Lisa Eckhart trat in Lantershofen auf
Tabulos und Bitterböse
Lantershofen. Es ist schon erstaunlich und aller Ehren wert, wie es dem rührigen Verein „Kulturlant“ immer wieder gelingt, hochkarätige Künstler nach Lantershofen zu locken. Dies gilt auch für den Bereich „Kabarett“, wo im vergangenen Jahr beispielsweise „La Signora“ und kürzlich der Shooting Star der Szene, Lisa Eckhart, im Winzerverein gastierten. Für Ende April hat der bundesweit bekannte Reinald Grebe sein Kommen angekündigt. Diese Veranstaltungen waren, bzw. sind schon Monate im Vorfeld restlos ausverkauft. Jetzt war es also die im Österreichischen Leoben geborene und derzeit zwischen Berlin und Wien pendelnde Lisa Eckhart, die den Kulturlant-Kabarett-Auftakt für 2019 bildete. Eines wurde den 250 Besuchern schon nach wenigen Minuten klar: Eckhart ist anders als das, was der geneigte Zuhörer sonst so vom Kabarett-Genre erwartet – ganz anders. Für sie gibt es nur Themen und keine Personen, zumindest keine, die sie namentlich benennt. Und viele Tabus kennt die 26-jährige auch nicht. Ein Zuschauer brachte es auf den Punkt: „Sie ist hart, aber geil!“ Flankiert vom Ösi-Schmäh der eigentlich gar kein Schmäh war, servierte Eckhart ein fast rastloses Wortgewitter. Ob „frei heraus“, wie sie es einst als Poetry Slammerin praktizierte oder auf den Punkt gereimt – Leerlauf Fehlanzeige. In unterschiedlichen Kapiteln nahm sich die preisgekrönte Künstlerin, die unter anderem mit dem Österreichischen und dem Deutschen Kabarettpreis, dem Deutschen Kleinkunstpreis sowie dem Salzburger Stier ausgezeichnet wurde, alles vor, was ihr in die Quere kam.
Die missgebildeten Geschwister des Sports
Ampeln, die trotz Rot-Grün-Schwäche Rot-Grün sind, Cola-Werbung die in wilden Koks-Orgien mit „Diabetes C“ enden, der „10-Cent-Ausbeutungs-Aufschlag“ bei „Starbucks“ oder die menschliche Evolution. Auch der Sport inklusive seiner „missgebildeten Geschwister“ Yoga, Pilates, Wassergymnastik und Turnen bekam sein Fett weg. „Das Reck von Turnvater Jahn war selbst der Spanischen Inquisition zu hart. Aber was soll`s: Früher malochte der Mensch am Fließband, heute zahlt er dafür, dass er auf dem Fließband laufen darf.“ Dabei muss sich der moderne Mensch im Prinzip gar nicht aus dem Haus bewegen: „Heute geht alles von zuhause aus. Home Office, Home Trainer und häusliche Gewalt“, so Eckhart, für die eine lebenslange Beziehung vor allem der Wettlauf darum ist, wer als erstes der Pflegefall sein darf. Und ausgerechnet im kirchlich geprägten Lantershofen durften kräftige Seitenhiebe auf die Kirche nicht fehlen. So wünschte sich Eckhart Mett statt Hostien („etwas „Laibhaftiges“ für den Altar-Tatar“) und machte die Sternsinger als „Village People der Kirche“ aus, vor denen es sich mit viel Action in der eigenen Wohnung verstecken lässt. Das waren indes noch die „gemäßigteren“ Parts des Programms, das oftmals zwischen bitterböse und herrlich versaut aber nicht jugendfrei schwankte. Wenigstens konnte Lisa Eckhart einen Hoffnungsschimmer in Sachen Emanzipation ausmachen: „Die Frauen haben es geschafft. Vom Hexenfeuer an den Herd – früher wurden sie gebraten, heute dürfen sie braten.“
