Allgemeine Berichte | 23.02.2018

Die Mahlsteine aus der vorderen Eifel waren einst sehr gefragt

Wo Mühlsteine einen Namen hatten

Eine große Menge fertiger Mühlsteine vor ihrer Verladung am Kottenheimer Bahnhof - nach 1880. Archiv Franz G. Bell

Mayen. Dass die Basaltlava in der Region, dieses poröse, sich kaum abnutzende, witterungsbeständige Gestein, schon vor mehreren tausend Jahren zum Mahlen von Getreide verwandt wurde, zunächst in der Form der so genannten Napoleons-Hüte, später von den Römern als kleine drehbare Handmühlen, ist hinreichend bekannt und wissenschaftlich erforscht und belegt. Warum sollte also von diesem bewährten Material Abstand nehmen, als man technisch in der Lage war, zunächst mit Zugtieren, dann mittels Wasserkraft schwere Mahlsteine zu bewegen? Doch die Gewinnung und die Herstellung großer Mahl- oder Mühlsteine – ob nun aus offenen oder Untertagebau-Gruben – waren von je her schwierig und mühsam. Sehr häufig ereigneten sich beim Herauslösen geeigneter Steine aus der Lava-Wand oder beim Hochwinden aus den Gruben Unfälle, die Schwerverletzte und allzu oft auch Tote zur Folge hatten.

Bruderschaften als erste soziale Sicherung

In Kottenheim wurde bereits 1497 zwecks einer gewissen sozialen Sicherung (Unterstützung Angehöriger im Todesfalle oder der Verunfallten selbst bei schweren Verletzungen) eine Bruderschaft unter dem Patronat des hl. Nikolaus gegründet, die zweihundert Jahre später in einer Antonius-Bruderschaft aufging. Sie nannte sich die „Kottenheimer Müllensteins-Leien-Arbeiter-Bruderschaft“, was nahe legt, dass in den bestehenden Basaltlavagruben damals schon überwiegend Mühlsteine produziert wurden. Auch die „Mayener Stadtordnung“ von 1557 beinhaltet, dass es zu jener Zeit so genannte „Mühlstein- und Decksteinbeschauer“ als Beruf gab.

Die Herstellung der Mühlsteine

Die Basaltlava-Vorkommen in der vorderen Eifel waren naturgemäß sehr unterschiedlich, was die Mächtigkeit des Gesteins betraf. Während der Mendiger Basaltlava-Strom durchschnittlich 12 bis 20 Meter, der im Mayener Feld circa 15 – 20 Meter betrug, standen im Ettringer Feld Steinwände von circa 40 Meter und im Kottenheimer Winnfeld bis zu 60 Meter Höhe, wie dies von dem Wissenschaftler Werner Molitor in „Die Basaltlavavorkommen von Mayen und Umgebung“ beschrieben wurde. Darin listete er auch unter anderem die Zusammensetzung der über dem Mendiger Basalt lagernden Erdschichten auf; von daher wird der dortige Untertagebau verständlich. Da das Gestein beim Erkalten der Lava meist zu fünfeckigen Säulen (so genannte Schienen) erstarrte und gerissen ist, spaltete man diese Säulen von oben herab in der zu fertigenden Mühlstein-Stärke. War die Basaltlava mittels Keiltechnik dann auch waagerecht gerissen, so musste der Layer den Stein meist mühsam, oft in schwindelnder Höhe, aus der Wand lösen und in die Grube fallen lassen. Für jeden losgebrochenen Mühlsteinrohling erhielt der Layer nach einem alten Brauch einen Taler, wie dies Heinrich Sauerborn, selbst einst Layenarbeiter, in einem Bericht festgehalten hat. Auf dem Grubenboden liegend wurde dann der Stein für den später entstehenden Mühlstein angezeichnet und schon grob bearbeitet. Mittels von Pferden und Menschen mit einem „Deuarm“ bewegte Winden (Göpel), später mit elektrisch betriebenen Kränen, beförderte man die Rohlinge aus der Grube nach oben auf die „Traacht“, wo dann die eigentliche Arbeit der Steinmetze im Akkordlohn begann. Da die Natur einst die Größe der Basaltlavasäulen nicht alle gleichmäßig entstehen ließ und zudem der Bedarf an Mühlsteinen wohl recht unterschiedlich war, produzierten die ausführenden Steinmetze auf den Layen folgende Mühlstein-Handelsgrößen: Es gab beginnend mit den 13er, ferner 14er, 15er, 16er und 17er Mühlsteine. Die Bezeichnung des Steins richtete sich nach der Stärke oder Höhe in Zoll, die folgende Maße (Kölner Durchmesser – das rheinische Zoll betrug 2,63 cm) aufweisen mussten: Ein 13-Zoll-Stein hatte einen Durchmesser von 3 Fuß und 10 Zoll, ein 17er-Mühlstein maß 5 Fuß und 3 Zoll, was bei letzterem einem Durchmesser von etwa 1,65 Meter und einer Stärke von etwa 44 Zentimeter entsprach. Doch selbst dieser 17er-Mühlstein mit den angegebenen Abmessungen blieb unter den Maßen der späteren so genannten Kollergänge, die unter anderem für die Papierherstellung benötigt wurden, wie Heinrich Sauerborn feststellte. (Ein solcher Kollergang ist in der Mayener Marktstraße, Am Mühlenturm platziert.) Von Interesse ist natürlich auch, was so ein Mühlstein kostete. Nach Peter Hörter, Mayen, wurden um 1790 für einen 17er-Mühlstein 25 bis 30 Reichstaler bezahlt. (1 Taler damals 2,25 Mark.) Vor dem Ersten Weltkrieg kostete ein solcher Stein so um die 400 Mark. Später, bei entsprechend größeren Kollergängen, wurden sogar um die 1.000 Mark für solche Steine bezahlt. Meist wurden die Mühlsteinrohlinge von zwei Steinmetzen im Akkord bearbeitet; sie benötigten dafür drei lange Arbeitstage und erhielten für einen 17er-Stein so um die 60 Mark Lohn, also 30 Mark pro Arbeiter, wie ein Tarifvertrag von 1913 ausweist. Für kleinere Maße war der Lohn entsprechend geringer. Aber es gab auch Mühlsteine unterhalb des 13er-Zoll-Maßes; so nannte man einen solchen mit einem 12er-Zoll-Maß „Wolf“. Alle noch kleineren Steine bezeichnete man als „Quere“ (Quire oder Quirle). Wenn ein Mühlstein seinen vorgegebenen Durchmesser, jedoch nicht die entsprechende Stärke hatte, dann sprach der Steinmetz von einer „Juffer“ (so schlank wie eine Jungfrau – Juffer). Hatte der Stein für seine Verwendung als Mühlstein unschädliche Risse aufzuweisen, dann nannte man ihn „Lamm“ (Lahm oder Lendt). Dies alles hat 1930 ein Josef Schmandt, Köln, in „Die historische Entwicklung der rheinischen Basalt- und Basaltlava-Industrie“ umfänglich beschrieben.

Transport mit Fuhrwerken und der Bahn

Bis 1878, beziehungsweise 1880, wurden die Mühlsteine mit Fuhrwerken von Schürjern nach Andernach zum Alten Krahnen gekarrt, wo die Steine auf Schiffe verladen und von dort weiter transportiert wurden. Zeitweise waren auch Mühlstein-Rohlinge nach Andernach transportiert worden, die dann gegenüber dem Verlade-Kran von Steinmetzen erst dort fertig bearbeitet wurden. Am Kottenheimer Bahnhof stauten sich oft die Mühlsteine vom Winnfeld und Ettringer Feld, ehe sie auf die Bahn verladen wurden. Die Mühlsteinproduktion in der vorderen Eifel hat über eine lange Zeit den Menschen Arbeit und Brot gegeben. Von daher ist es verständlich, richtig und unterstützungswert, dass man in der Region eine Initiative ergriffen hat, um mit dem historischen und einzigartigen „Mühlsteinrevier“ vielleicht eine diesbezügliche Aufnahme als Weltkulturerbe zu erreichen.

Franz G. Bell

Eine große Menge fertiger Mühlsteine vor ihrer Verladung am Kottenheimer Bahnhof - nach 1880. Foto: Archiv Franz G. Bell

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