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Zukunft des Klostergeländes in Herschbach

Das alte Kloster bleibt nicht erhalten

Brief des Ortsbürgermeisters an die Bürger – Firma Römerhaus wird eine neue Seniorenresidenz errichten

06.06.2018 - 05:00

Liebe Herschbacher,

dies ist vermutlich der schwierigste Text, den ich in den letzten vier Jahren als Ortsbürgermeister verfasst habe. Warum? Weil ich versuche, ein sicher nicht emotional unbesetztes Thema in einem Text zu erklären und hoffe, an jeder Stelle die richtigen Worte zu finden.

In den letzten Wochen sind die Mitglieder des Gemeinderates und ich öfters gefragt worden, wann es denn Neuigkeiten zum Kloster geben wird. Das ist heute der Fall.


Bürger wünschen sich Einrichtung für betreutes Älterwerden


Letztes Jahr haben sich in einer Informationsveranstaltung über das Kloster und der Überlegung, dort eine Einrichtung für betreutes Älterwerden zu schaffen, viele Herschbacher ernsthaft interessiert gezeigt. Das haben wir als eindeutigen Auftrag gewertet, in Ihrem Interesse eine entsprechende Möglichkeit zu schaffen.

Seit der Veranstaltung in der Festhalle ist in diesem Sinne auch viel geschehen. So ermächtigte der Gemeinderat mit seinen Gremien mich als Ortsbürgermeister, eine Wirtschaftlichkeitsanalyse beim Gemeinde- und Städtebund in Auftrag zu geben und die verschiedenen Fragestellungen mit den weiterführenden Behörden zu erörtern.

Um sich ein eigenes Bild vom Zustand und den eventuellen Möglichkeiten zu machen, besichtigten die Rats- und Ausschussmitglieder Ende April 2017 das seit 2013 leerstehende ehemalige Kloster. Da ja Gelder der Ortsgemeinde in einem erheblichen Umfang zum möglichen Ankauf und Erhalt verwendet werden sollten, wurde im Juli beschlossen, bei der Dornbach GmbH Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Koblenz eine weitergehende Wirtschaftlichkeitsanalyse und eine Stellungnahme zu EU-Beihilfekonformität in Auftrag zu geben, um die bisherigen eigenen Berechnungen abzusichern.


Förderung wäre möglich, bedeutet aber hohe Risiken


Im November 2017 bestätigte diese Studie weitestgehend, dass die Ortsgemeinde hinsichtlich der Erlangung von Geldmitteln für die in Eigenregie geplanten Umbauten gemäß der EU-Richtlinien wohl keine unlösbaren Probleme bekommen würde. Als sehr großer Unsicherheitsfaktor erwies sich dann, dass unser Einfluss auf die Auswahl des Pflegedienstes so gut wie nicht vorhanden wäre. Aufgrund der entsprechenden rechtlichen Regelungen bei öffentlichen Ausschreibungsverfahren und der hier im Raum stehenden finanziellen Größenordnung müssten je nach Betrachtungsweise die Pflegeleistung mindestens deutschlandweit, mit hoher Wahrscheinlichkeit aber jedoch sogar europaweit ausgeschrieben werden.

Zusammengefasst bedeutete dies ein volles Haftungsrisiko der Ortsgemeinde in Höhe von 3,5 bis 4 Millionen Euro und gleichzeitig eine Ausschreibung für einen Pflegedienst, der seinen Sitz gegebenenfalls irgendwo im weiten Europa gehabt hätte. Und all dies für die gesamte geplante Finanzierungs- und Kreditlaufzeit von 30 Jahren.


Investoren zeigen Interesse


Parallel meldeten sich immer wieder mal Interessenten bei den Armen Dienstmägden in Dernbach. Alle Interessenten erhielten die Möglichkeit, nach einer Besichtigung ein Angebot abzugeben.

Im letzten Herbst hat die Firma Römerhaus aus Schifferstadt unmittelbar bei der Ortsgemeinde Interesse bekundet, eine Seniorenresidenz in Herschbach zu errichten. Die Firma Römerhaus hat bereits eine Vielzahl solcher Einrichtungen geschaffen, verfügt offensichtlich über die notwendigen Mittel und Möglichkeiten sowie über ganz konkrete Erfahrungen in diesem Metier. Die Firma hat den Ratsmitgliedern auch Gelegenheit gegeben, sich unmittelbar vor Ort in deren bestehenden Einrichtungen selbst ein Bild zu machen. Im Dezember hat sich eine Gruppe aus Mitgliedern des Rates dann intensiv eine Einrichtung in Saulheim angesehen und mit der dortigen Leitung sowie Beschäftigten und Bewohnern gesprochen und einen guten und vor allem sehr positiven Eindruck vom tollen Konzept gewonnen.


Erhalt des alten Gebäudes für Römerhaus nicht möglich


Nachdem ich gedanklich wegen der doch größeren Probleme bei der bisherigen Entwicklung schon fast nicht mehr an die Umsetzung des Vorhabens glaubte, habe ich dann die durch die Firma Römerhaus entstandene völlig neue Situation als sehr günstige Entwicklung empfunden, um unser Vorhaben „Erhalt des Gebäudes und Errichtung einer Seniorenresidenz“ doch noch nach vorne zu bringen. Fachleute der Firma haben Gelände und Gebäude eingehend begutachtet. Leider kamen die Spezialisten nach intensiver Prüfung und entsprechender Kostenermittlung zum Ergebnis, dass ein Umbau des vorhandenen Gebäudes aus mehrerlei Gründen nicht durchführbar ist.

Römerhaus betrachtete aber Herschbach nach wie vor als sehr interessanten Standort und man kam überein, dass alternative Überlegungen geprüft werden sollten.

Im ersten Sitzungsblock in diesem Jahr haben wir uns dann über die weitere Vorgehensweise im Rat ausgetauscht. Insgesamt standen drei mögliche Szenarien im Raum.


Drei mögliche Szenarien: Risiko, Nichtstun, oder Investoren zum Zug kommen lassen


Erstens, die Gemeinde verfolgt das Ziel mit den Wohnpflegegemeinschaften in eigener Regie weiter und trägt das volle finanzielle Risiko über eine Laufzeit von 30 Jahren und hat keinen Einfluss auf den möglichen Betreiber.

Zweitens, die Gemeinde tritt ohne zukünftig eine weitere Einflussmöglichkeit zu haben von allen Ambitionen bezüglich des Klosters zurück und überlässt das Gelände und das Gebäude seinem Schicksal.

Oder Drittens, man kauft das Kloster an, um an seiner Stelle ohne Kostenaufwand und ohne Risiko für die Gemeinde eine neue Seniorenresidenz mit zusätzlich einigen weiteren positiven Begleitumständen zum Wohle der Herschbacher Bürger zu errichten und damit ganz konkret den Wünschen der jetzigen und sicher auch späteren Interessenten zu entsprechen.

Diese dritte Option wurde nach längerer Diskussion einstimmig ohne Gegenstimme beschlossen. Als Ortsbürgermeister wurde ich beauftragt, den Ankaufsvertrag des Anwesens mit den Dernbacher Schwestern endgültig auszuhandeln.


Neue Architektur soll sich an altem Kloster orientieren


Da der Erhalt des eigentlichen Gebäudes nicht möglich war, wurden in einer weiteren und gemeinsamen Sitzung der maßgeblichen Gremien eine Woche später ganz konkrete Bedingungen aufgestellt, deren Erfüllung dann doch eine ziemliche Ähnlichkeit zum bisherigen Gebäudekomplex sicherstellen soll (Dachform, Sprossenfenster, farbliche Gestaltung, Gebäudeform usw...).

All diese zusätzlichen Bedingungen wurden nach entsprechenden Verhandlungen von Römerhaus akzeptiert. Sogar die Feuerwehrzufahrt zum Kindergarten und der Zugang zum Ablassbecken des Waagweihers bleiben erhalten und zusätzlich entstehen sogar noch zehn neue Parkplätze entlang der Heinrich-te-Poel Straße.

Am 20. April hat der Gemeinderat dem Ankauf des Klosters unter der aufschiebenden Bedingung „Durchführung eines Bodengutachtens“ grundsätzlich zugestimmt. Das Gutachten lag Anfang Mai vor und ergab keinerlei Bedenken. Somit stimmte der Gemeinderat in seiner Sitzung am 14. Mai nach einer weiteren persönlichen Vorstellung von Römerhaus endgültig dem Abschluss der entsprechenden Verträge zu.


Keine leichte Entscheidung


Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass zwischendurch auch in etlichen Gesprächen auf Landesebene mit Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler sowie dem Landtagspräsidenten Hendrik Hering als auch auf Kreisebene mit Landrat Achim Schwickert und der Kreisverwaltung keine alternative Erhaltungslösung gefunden wurde.

Sie sehen, wir haben es uns wirklich nicht leicht gemacht und uns letztlich folgerichtig für den Weg entschieden, der auch Herschbacher Bürgern im Alter einen Wohnsitz in Herschbach ermöglicht.


Baubeginn der „offenen Begegnungsstätte“ nächstes Jahr


Vorraussichtich in der zweiten Jahreshälfte 2019 wird Römerhaus mit den Bauarbeiten beginnen, die das jetzige Gebäude durch den Neubau einer modernen Seniorenresidenz mit 90 Plätzen ersetzen. Insgesamt entstehen nach der Errichtung 50 bis 70 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in der Ortsgemeinde Herschbach. Diese Residenz wird neben einer Demenzabteilung unter anderem noch ein öffentlich zugängliches Café mit Großküche enthalten. Auch mehrere größere Räume zum Unterhalten der Bewohner sind vorgesehen. Römergarten (als Betreiber der Residenz) möchte mitten im Ort und mit uns Herschbachern verbunden sein. Ein Ziel der Firmenphilosophie ist es, eine offene Begegnungsstätte für alle Herschbacher zu sein. Man freut sich auf einen regen Austausch mit dem Kindergarten und der Grundschule und allen Vereinen und Menschen. Man lädt schon jetzt Chöre und Musikvereine sehr gerne zum Proben in die Residenz ein, Sitzungen vom Gemeinderat oder den Vereinen können dort ebenfalls durchgeführt werden. Römergarten beschäftigt etwa 1.000 Mitarbeiter und hat mit Römerhaus (dem Bauträger) über 20 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Pflegeimmobilien.

Übrigens, die Ausgabestelle der Tafel freut sich, dass sie mindestens bis zum 31. Dezember dieses Jahres auf jeden Fall ihren Betrieb im Kloster fortführen kann.


Gemeinsam nach der besten Lösung gesucht


Ich danke an dieser Stelle allen Beteiligten, die sich bei Terminen vor Ort oder in Montabaur, Koblenz und Mainz erst für den möglichen Erhalt und danach für die Realisierung dieses Projektes in der Ortsgemeinde Herschbach eingesetzt haben. Auch der VG-Verwaltung mit Bürgermeister Klaus Müller und Büroleiter Wolfgang Klaus sei an dieser Stelle gedankt. Sie haben mich tatkräftig in Gesprächen und Terminen unterstützt. Schließlich gilt mein Dank auch dem Geschäftsführer der Armen Dienstmägde Jesu Christi, Herrn Hery, für die vielen positiven Gespräche und fairen Verhandlungen.

Wir können uns nun über die Millioneninvestitionen des familiengeführten und mittelständischen Unternehmens Römerhaus und dem Betreiber Römergarten (www.roemergarten-residenzen.de) hier in Herschbach sehr freuen. Neben den genannten Arbeitsplätzen werden wir eine – auch nach Auskunft von mehreren Ortsbürgermeisterkollegen aus Orten, in denen Römerhaus bereits solche Einrichtungen geschaffen hat – tolle Seniorenresidenz im Herzen von Herschbach bekommen. So wird der Platz über die Jahrhunderte hinweg immer zum Wohle der Bevölkerung genutzt. Gerne stehe ich Ihnen für weiterführende Fragen in persönlichen Gesprächen und in den Sprechstunden zur Verfügung.

Axel Spiekermann,

Ortsbürgermeister Herschbach

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06.06.2018 14:42 Uhr
Sandra Sturm

Wenn dann die Sensorenresidens mal soweit ist würde ich mich gerne für eine Stelle dort bewerben



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Kommentare
Anonym:
Vielleicht könnte auch mal jemand die Bauarbeiten in der Römerstraße hinterleuchten. Den großen Teil zahlen Anwohner und anliegende Firmen obwohl das die Hauptzufahrtsstraße zum Sportplatz ist, auch von den Baufirmen des neuen anliegenden Wohngebietes wurde die Straße bevorzugt genutzt und geschädigt. Große Bäume die vor vielen Jahren genauso wie Straßenbeleuchtung illegal gesetzt wurden werden zwar durch die Bauarbeiten beschädigt und stellen eine große Gefahr dar werden aber nicht beseitigt weil niemand die Kosten dafür tragen möchte. Dies wurde aber den Anwohnern zugesagt, wurden die Anwohner vorsätzlich angelogen bzgl. der Grundstücksgrene um das vorhaben durchzubekommen und im nachhinein hinter den Rücken der betroffenen zu ändern?
H. Schmidt:
Warum unsere Landesregierung das nicht aufgreift, liegt auf der Hand: Ein entsprechender Entschließungsantrag kam dummerweise von der falschen Partei (CDU, Landtagsdrucksache 17/7994), und ein entsprechender Gesetzesentwurf sogar von der ganz falschen (AfD, Drucksache 17/7619). Würde es in der Landespolitik um sachliche Auseinandersetzungen mit dem Thema gehen, und weniger darum wer im Sandkasten wessen Schäufelchen geklaut hat, müsste man wie die SPD im Nachbarland agieren, aber... Das ist im Übrigen kein auf die SPD oder die Landesebene beschränktes Phänomen, auch bei den anderen Parteien gibt es eine nahezu beliebige Austauschbarkeit einzelner Positionen und Argumentationen zu Sachthemen, je nachdem ob man gerade Regierung oder Opposition ist, und wer gerade mit einer Initiative ums Eck kommt. Und das ist einer der Hauptgründe für die weiter steigende Politikverdossenheit, die Wahlbeteiligungen, und v.a. auch die Wahlergebnisse sogenannter Alternativen.
H. Schmidt:
Das ist mal eine lustige Pressemeldung, fast schon mit Trump-Twitter-Ähnlichkeit. Wieso? Nun: Die Gemeinde veröffentlicht anscheinend neuerdings auf ihrer Homepage die kompletten Sitzungsunterlagen, und im "Sozial-, Kultur-, Sport- und Demografieausschuss" im Januar steht dieser Punkt tatsächlich auf der Agenda. Dort ist als Dokument auch ein Leistungsverzeichnis zu finden, wie die Verpflegung der Grundschule Ringen seit einigen Jahren aussieht. Und dort wird genau aufgelistet, was an 20 Verpflegungstagen wie oft serviert werden darf (Punkt 4.4). Von "Nudel-Soße-Ketchup-Mix" kann man da überhaupt nichts erkennen. Mind. 8x frische Kartoffeln, maximal 4x Hackfleisch, usw. alles genau dort vorgegeben. Ich würde die CDU ungern wegen Fotos mit Hühnern auf dem Arm wählen, lieber wegen einer Politik, die sich an Tatsachen orientiert, und etwas weniger am Wahlkampf und den unbedingt auszugebenden Haribo-Einnahmen. Unsere Kinder essen jetzt schon gut, zum aktuellen Preis.

Erfolgreicher Start ins Wahljahr

Helmut Gelhardt:
Das war eine sehr gute Veranstaltung. Der Redner Detlef Placzek, der schon 2018 in Bendorf beim DGB anlässlich der der '1. Mai-Feier' inhaltlich sehr gut gesprochen hat, ist der Politiker-Typus: sachorientiert, hartnäckiger Zielverfolger, sozial hochkompetent und hochengagiert. Politische Schaumschläge- reien sind von ihm nicht zu erwarten. Das ist wohltuend. Seine Stärke ist das politische Argument. Die Rheinland-pfälzische SPD hat hier einen ausgezeichneten Mann. Er benennt auch klar Fehler der SPD im Bund! Aber er belässt es nicht bei der politischen Rückschau, sondern benennt sachkundig die vielfältigen politischen Erfolge der SPD in Rheinland-Pfalz von 1991 bis heute. Manchmal wird der eine oder die andere beim Genossen Placzek den "politischen Säbel" vermissen. Gleichwohl: Ein MEHR von diesem Typ Politiker ist immer gut! Die Engerser SPD macht ihr Ding. Weiter so! "Nah bei de Leut" ist keine Nostalgie, sondern absolute Pflicht! Ein Kritikpunkt: Der Gitarrenvirtuose kam zu kurz!
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