Politik | 28.01.2019

Deutsche Polizeigewerkschaft NRW zum Tempolimit

Frage der Vernunft: Schluss mit der Raserei!

Symbolbild. Foto: PublicDomainPictures/pixabay

Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen einer im Juli 2018 in Berlin durchgeführten Pressekonferenz stellte das Statistische Bundesamt die Zahlen vor: Danach kam es im Vorjahr zu mehr als 20.000 Unfällen mit Personenschaden auf Deutschlands Autobahnen. Dabei starben 409 Menschen, 5.974 wurden schwer verletzt. Mehr als ein Drittel der Unfälle war darauf zurückzuführen, dass mindestens eine beteiligte Person die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hatte oder für die Straßen- oder Witterungsverhältnisse zu schnell fuhr. Insgesamt fanden 181 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen auf Autobahnen den Tod, 2.478 wurden schwer verletzt. Das waren nahezu 45 % aller Getöteten und mehr als 40 % aller Schwerverletzten auf diesem Straßentyp. Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Erich Rettinghaus dazu: „Will Deutschland das im Verkehrssicherheitsprogramm selbstgesteckte Ziel erreichen, die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Verkehrsteilnehmer im Zeitraum von 2011 bis 2020 um 40 % zu reduzieren, muss ein Bündel an Maßnahmen realisiert werden. Ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen gehört an vorderster Stelle dazu.“

Von allen europäischen Nachbarländern, in denen schon heute Autobahntempolimits gelten, wird immer wieder berichtet, wie harmonisch dort der Verkehr läuft. Doch in Deutschland stellen einige Verkehrsteilnehmer ihr eigenes Fortkommen über das Leben und die Gesundheit der Mitmenschen. Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, die Verkehrsunfälle auf den Autobahnen aufnehmen, stellen fest, dass die in Deutschland immer noch zulässige „freie Fahrt“ erst die hohen Differenzgeschwindigkeiten ermöglicht, die dann oftmals für dramatische Autobahnunfälle ursächlich sind. Statement des Leiters einer Autobahn-Polizeidienststelle: „Wenn jemand mit 190 km/h auf dem linken Fahrstreifen fährt und vor ihm wechselt ein Fahrzeug mit Tempo 100 km/h vom mittleren auf den linken Fahrstreifen, kommt es häufig zu kritischen Situationen. Darüber hinaus fließt der Verkehr dann weniger harmonisch und die Strecke verliert an Leistungsfähigkeit, weil der Fahrzeugdurchsatz reduziert und die Staugefahr gesteigert wird.“ Auch wenn das Thema polarisiert (laut ARD-Deutschlandtrend sind 51 % für die Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen und 47 % dagegen) kann man sich der fachlichen Argumentation nicht mehr entziehen – Leben und Gesundheit sind nicht verhandelbar.

Eine Öffnungsklausel wäre jedoch denkbar: Mittels der an vielen Autobahnstrecken bereits installierten sogenannten Wechselverkehrszeichen-Anlagen könnten bei guten Straßenverhältnissen und entspanntem Verkehrsaufkommen im Einzelfall auch hö-here Geschwindigkeiten als 130 km/h erlaubt werden. Die generelle Höchstge-schwindigkeit für Autobahnen läge dann bei 130 km/h – die ausnahmsweise erlaubten höheren Geschwindigkeiten wie 150 km/h oder 180 km/h wären von den jeweiligen Landesverkehrszentralen temporär freizugeben. Insbesondere Autobahnnutzer in Nordrhein-Westfalen könnten schon heute vom Vorhandensein entsprechender Anlagen profitieren.

Fazit Erich Rettinghaus: „Es ist an der Zeit, mit intelligenten Entscheidungen Menschenleben, Gesundheit und Umwelt zu schützen. Geschwindigkeit ist immer noch der Killer Nr. 1 auf deutschen Straßen! Nur Lippenbekenntnisse wie ‚Jeder Tote ist einer zu viel‘ reichen nicht mehr. Die Bevölkerung möchte mutige Taten sehen, die einen wirksamen Beitrag zu mehr Sicherheit leisten.“

Quelle: DPolG Nordrhein-Westfalen

Symbolbild. Foto: PublicDomainPictures/pixabay

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