Politik | 02.06.2023

Bei der Planung des 350-Betten-Hotels in der Koblenzer Altstadt ist eine Tiefgarage unter der grünen Oase vorgesehen

Garten Herlet ist Zankapfel bei Bürgern und Gremien

Stadtrat ließ sich in jüngster Sitzung von zwei Experten über Pro und Contra informieren

Der Garten Herlet ist in der Koblenzer Altstadt eine grüne Oase zwischen den Häusern. Foto: HEP

Koblenz. So viel Diskussionen und Streit über einen Neubau hat es in Koblenz wohl noch nicht gegeben. Kein Wunder, denn es geht mitten in der Altstadt um eine kleine grüne Oase für die Bevölkerung: Der Garten Herlet.

An der Firmungsstraße und dahinter will die Tayhus-Holding – mit neun Location das größte Gastrounternehmen in Koblenz – ein 350 Betten-Hotel bauen mitsamt Tiefgarage. Und die liegt mit einem Teil unter dem Garten Herlet, der für den Bau überwiegend „platt gemacht“ werden müsste, aber wieder hergerichtet werden soll.

Darüber, ob das funktionieren kann oder nicht sprachen in der Stadtratssitzung Prof. Dr. Eberhard Fischer aus der Abteilung Biologie der Uni Koblenz und Stefan Brückmann von „die 3 Landschaftsarchitektur“ in Bonn.

Dass Landschaftsarchitekt Brückmann versicherte, dass der Garten Herlet in seinen Ursprungszustand versetzt werden könnte, war zu erwarten. Schließlich hatte das Unternehmen bereits für 1,1 Millionen Euro den Blumenhof für die BUGA 2011 gestaltet.

Anders als Professor Fischer sah Brückmann keine Probleme beim Wasser, da dies lediglich von Menschen zugeführt werde. Außerdem sei der Garten Herlet kein wertvolles Habitat, sondern werde lediglich von Bürgern genutzt. Und die 80 cm Erde auf dem Tiefgaragendach würden sogar für Bäume ausreichen. Die Wiederherstellung nach dem Tiefgaragenbau bezifferte Brückmann mit etwa 125.000 Euro. Für den Investor sei dieser Betrag bei dem Millionenprojekt kein Thema.

Prof. Eberhard Fischer und seine Direktorin Dr. Dorothee Killmann sind da völlig anderer Meinung: „Durch Baumaßnahmen verliert der Garten Herlet seinen Wert, von irgendwelchen Maßnahmen ist abzusehen“, appellierte der Professor an den Stadtrat.

Ferner wird der Garten von der Uni als Lernort genutzt und „...der Eingriff würde zum Verschwinden der Fauna mit interessanten Schmetterlingsarten führen. Ihr Lebensraum muss unbedingt erhalten werden“, sagte Dr. Eberhard Fischer.

Außerdem kühle der Garten durch seine vielen Grünflächen die umliegenden Gebäude, sei ein Frischluftspeicher und ein Treffpunkt für Anwohner, Gäste und Erholungssuchende, führte der Referent aus. Er und seine Kollegin habe eine Artenliste erstellt, sie umfasst 52 Gefäßpflanzenarten, drei Farnarten, sieben Moosarten und 17 Flechtenarten, von denen einige als gefährdet auf der Roten Liste stehen.

Aufmerksame Zuhörer im historischen Rathaussaal waren Mitglieder des 2020 gegründeten Vereins „Freunde des Garten Herlet“. Auf ihrer Facebook Seite verweisen sie darauf, dass es bei der Auslegung der Pläne für das Hotelprojekt 340 Einwände von Bürgern und Vereinen gab, die jetzt in der Stadtverwaltung behandelt werden.

In der Firmungsstraße sei die Mahnwache des Vereins für den Erhalt des Gartens Herlet sogar angegriffen worden, heißt es auf der Facebook Seite.

Eine Entscheidung des Stadtrats war nicht vorgesehen, denn es handelte sich lediglich um eine Unterrichtungsvorlage. HEP

Der Garten Herlet ist in der Koblenzer Altstadt eine grüne Oase zwischen den Häusern. Foto: HEP

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Kommentare
02.06.202309:54 Uhr
juergen mueller

Mir klingt es noch in den Ohren.
Diejenigen, die jetzt für (noch) ein Hotel stimmen, haben vor nicht allzu langer Zeit noch getönt, dass es sich bei dem Garten HERLET um ein "kostbares KULTURGUT" handelt.
KULTUR scheint jedoch auch seine politischen Grenzen zu haben, indem KULTUR da aufhört, geht es um etwas, was schon immer Grenzen gesetzt und zerstört hat: "GELD", dessen Einfluss vor allem Politik schon immer von ihrer unschönen Seite gezeigt hat.
Wir werden sehen, welcher einfluss stärker ist. Der des GELDES oder der mit recht besorgter Bürger*innen,
Denn auch bei GELD hören politische Bürgernähe und Bürgerbeteiligung auf.
Dies sollte man sich merken, geht man zur nächsten Wahl 2024.

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