Politik | 05.08.2019

Erntepressekonferenz 2019 „live vom Acker“ des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau e.V. (BWV) in Andernach

Nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen leiden unter der enormen Trockenheit

Über 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Handel, Politik und Medien folgten der Einladung zum jährlichen Erntegespräch „live vom Acker“ ins Andernacher RWZ-Agrarzentrum. Fotos: MKA

Andernach. „Unter den Erwerbsquellen ist keine so edel, so ergiebig, so lieblich und so ehrenvoll für den freien Mann, als die Landwirtschaft“, so sah es der römische Staatsmann Marcus Tullius Cicero vor über 2000 Jahren. Doch die aktuelle Wahrheit sieht anders aus. Die deutsche Landwirtschaft sieht sich heute einem leisen Sterben ausgesetzt. Vor allem Kleinbauern kapitulieren vor steigenden Bodenpreisen, sinkenden Erträgen, zu viel Bürokratie und dem Rückgang des Berufsnachwuchses. Darüber hinaus bereiten die Klimaentwicklungen und die damit verbundene Trockenheit der Agrarwirtschaft Sorgen. Nachdem die Getreideernte inzwischen weitgehend abgeschlossen ist, hatte bereits der Deutsche Bauernverband, das „Dach“ der regionalen Verbände, vor wenigen Tagen seine Erwartungen an die diesjährigen Erntemengen deutlich heruntergeschraubt. Nun lud der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e.V. (BWV) zur Erntepressekonferenz 2019 „live vom Acker“ ins RWZ-Agrarzentrum Andernach ein. BWV-Vizepräsident Manfred Zelder berichtete den geladenen Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft, Handel, Politik und Medien über die konkrete Entwicklung der Ernte im Verbandsgebiet und auf den Märkten. Fazit: Nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen litten unter der enormen Trockenheit des Jahres 2019.

Schwerwiegende Qualitäts- einbußen infolge der Dürre

Nachdem der Geschäftsführer der Raiffeisen-Warenzentrale Rhein-Main eG (RWZ), Vertriebsgruppe Eifel-Mittelrhein, Dr. Stefan Zimmer als „Hausherr“ die Gäste begrüßt hatte, gab er ihnen die Möglichkeit, sich im Rahmen einer geführten Besichtigung von der vielfältigen Leistungsfähigkeit der Agrarhandels-Hauptgenossenschaft zu überzeugen.

Das Erntegespräch mit BWV-Vizepräsident Manfred Zelder schloss sich daran an. Sofern sie es nicht bereits selbst bei ihrer Feldarbeit leidvoll erfahren mussten, erfuhren die Gäste, dass es im Getreidebau aufgrund der Dürre im April, Juni und Juli zu teilweise schwerwiegenden Qualitätseinbußen kam, die auch zu Futterknappheit bei Betrieben mit Viehhaltung führte. Die verschiedenen Wasserhaltefähigkeiten der jeweiligen Böden seien in 2019 entscheidend gewesen für die lokal unterschiedlichen Ernteerträge, erläuterte Zelder. Der Ernteertrag aus der Wintergerste, die als erstes Getreide geerntet wurde, sei hingegen qualitativ und quantitativ erfreulich gut. Dieses Getreide hatte in der Reifephase noch den Mairegen erlebt. Der Winterweizen weist diesmal infolge der Dürrephasen einen niedrigeren Eiweißgehalt (<12 Prozent) auf. Diesen Brotweizen jedoch wegen gesetzter Standards als niedrigpreisigen Futterweizen zu vermarkten, ergebe jedoch keinen Sinn. Winterweizen, mit einem Anteil von 100.000 Hektar an der rheinland-pfälzischen Ackerfläche (400.000 Hektar), gilt als bedeutendste Marktfrucht des Landes. Bei der Braugerste konnte der notwendige Vollgerstenanteil von 90 Prozent nicht erreicht werden.

Manfred Zelder appellierte an die Händler und Mälzer, schon einen Anteil ab 80 Prozent zu akzeptieren. Auch der Rapsanbau blieb von der Witterung nicht verschont.

Zu beklagen sind sein geringerer Ölgehalt und die Abnahme seiner Anbaufläche um 8000 Hektar Wachstumshemmungen und eine verminderte Ausbildung der Kolben sind in vielen Gebieten des Landes Anzeichen für eine ebenfalls schlechte Entwicklung beim Maisanbau. Noternten werden nicht ausgeschlossen. Die ersten beiden Wiesen-Grünschnitte im Frühjahr seien hingegen erfreulich bis durchwachsen verlaufen, vermeldet die Statistik. Die Erzeugerpreise für Getreide liegen derzeit fünf Prozent unter dem Vorjahr. Im Wein- und Obstbau sind die Winzer und Bauern zuversichtlich. Die Erzeugerpreise wären jedoch auch hier deutlich zu gering.

Gemeinsamkeit schafft Stärke

Für die Landwirtschafts- und Winzerbetriebe ist es gut, eine Vertretung wie den Bauern- und Winzerverband im Rücken zu wissen, der die Interessen und Probleme der Agrarwirtschaft in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik deutlich macht und um Lösungen und Unterstützung streitet. Manfred Zelder forderte gegenüber der Politik eine stärkere Unterstützung der Landwirtschaft ein. So müssten beispielsweise die Steuersätze auf Düngemittel oder Agrardiesel deutlich reduziert werden. Im Zusammenhang mit der Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln forderte er eine sachgerechtere Diskussion. Außerdem mangele es an Wettbewerbsgleichheit am Markt. Die Aussaat und die Ernte von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen sollte zudem wieder ermöglicht werden.

Das Verbandsgebiet des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau umfasst insgesamt 14 Kreise im nördlichen Rheinland-Pfalz. Sein Motto lautet: „Gemeinsam und engagiert für unsere Zukunft. Nachhaltig und unternehmerisch im Handeln. Bäuerlich im Herzen. Dem Eigentum verpflichtet. Verwurzelt in der Region.“

Der Weizen auf diesem Feld muss noch abgeerntet werden. Ob der Landwirt mit der Qualität zufrieden ist?

Der Weizen auf diesem Feld muss noch abgeerntet werden. Ob der Landwirt mit der Qualität zufrieden ist?

BWV-Vizepräsident Manfred Zelder (r.) dankt RWZ-Geschäftsführer Dr. Stefan Zimmer für die Gastfreundschaft.

BWV-Vizepräsident Manfred Zelder (r.) dankt RWZ-Geschäftsführer Dr. Stefan Zimmer für die Gastfreundschaft.

Über 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Handel, Politik und Medien folgten der Einladung zum jährlichen Erntegespräch „live vom Acker“ ins Andernacher RWZ-Agrarzentrum. Fotos: MKA

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Kommentare
08.08.201912:39 Uhr
juergen mueller

Nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen litten unter der Trockenheit des Jahres 2019.Aber - man kann es ihnen wohl nicht recht machen.Regional ist in den letzten Tagen soviel Regen gefallen,dass sich gleich auch darüber wieder beklagt wird.Es sind halt Extremereignisse,auf die sich auch die Landwirtschaft wird einstellen müssen.
Apropo Klagen - ich möchte das auch einmal tun.Wenn ich heute lese,dass die Nitratbelastung in Deutschland "viermal" höher ist als erlaubt,weil in der Landwirtschaft immer mehr Gülle ausgebracht wird,dann bekommt das Klagegeschrei der Landwirte zusätzlich noch eine ganz andere Bedeutung und zwar eine negative.Wer sich über Folgen,für die er,wenn auch nur zu einem kleinen Teil mitverantwortlich ist,beklagt u.zum anderen eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen (WASSER) bewusst schädigt,der sollte sich erst einmal an die eigene Nase fassen,bevor er Forderungen stellt.

06.08.201913:58 Uhr
juergen mueller

Stimmt.Aber wann hat es einmal kein Jahr gegeben, wo KEIN Landwirt sich beklagt hat?Steuersätze auf Düngemittel u.Agrardiesel deutlich reduzieren?Bezgl.der Zulassung u.Anwendung von (schädlichen) Pflanzenschutzmitteln eine sachgerechtere Diskussion?Beides falsch.Dünge- u.Pflanzenschutzmittel,die schädlich für die Umwelt sind,gehören ganz einfach weg u.verboten.Wer Schadstoffe ausbringt,soll sich erst einmal über den damit verbundenen Schaden an der Umwelt informieren bevor er das Wort sachgerecht in den Mund nimmt.Das gilt auch für diejenigen,die ihr Land an die Kommune verschachert,damit sich dort Gewerbe/Industrie breitmachen können,neue Verkehrswege entstehen,wertvoller Boden einer Vollversiegelung unterzogen wird,Artenschutz zu einem Fremdwort wird ... aber Hauptsache, die Kohle stimmt.Der Klageschrei der Landwirte ist nicht immer begründet - er gehört nur zum landwirtschaftlichen Sprachgebrauch dazu.

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