Allgemeine Berichte | 22.07.2013

Neue Tatorte im rheinischen Westerwald

Sicherung der Heimatgeschichte

Gedenkstein in Oberirsen bei Altenkirchen. Er erinnert an die zu Unrecht getöteten Offiziere.

Region. Die einzige von deutschen Pionieren noch nicht gesprengte Rheinbrücke im Endkampf des Zweiten Weltkriegs, die Brücke von Remagen fiel am 7. März 1945 den US-Kriegstruppen in die Hände. Amerikanische Panzer und Bodentruppen setzten flugs über die Eisenbahnbrücke über und eroberten sich einen Brückenkopf Richtung Ägidienberg, Königswinter, Unkel, Linz und Rheinbrohl. US-Oberbefehlshaber Eisenhower wollte die Brücke in Gold aufwiegen lassen, so schätze er den Wert dieser Eroberung ein. Durch den Film „Die Brücke von Remagen“ kennen viele die Dramaturgie um den Kampf- und Tatort. Weniger bekannt wurde, dass auf Hitlers persönlichen Befehl die deutsche Wehrmacht ein „Fliegendes Standgericht“ bildete wegen des Verlustes der Brücke. In Oberirsen, nahe der heutigen Grenze zwischen NRW und Rheinland-Pfalz wurden die Verteidiger der Brücke von Remagen, fünf deutsche Offiziere um Major Scheller zum Tode verurteilt und vier von ihnen in den Wäldchen von Oberirsen und Rimbach erschossen. An diesem Tatort im rheinischen Westerwald nahe von Altenkirchen hat die Ortsgemeinde einen Gedenkstein errichtet.

Diese Geschichte und sechs neue Tatortberichte hat der bekannte Sachbuchautor Hermann-Joseph Löhr(Breitscheid) recherchiert. Da die Erstauflage des Buches „Tatorte im rheinischen Westerwald“ innerhalb nur eines Jahres ausverkauft war, beschloss Verleger Dr. Jürgen Mertens eine neue Auflage drucken zu lassen. Das Buch mit nunmehr 48 Tatorten ist ab Samstag, 27. Juli, im Buchhandel im Kreis Neuwied und Rhein-Siegkreis sowie in den Buchshops der Vorteil-Center Unkel und Asbach erhältlich.

Das neue Tatortbuch will einen bescheidenen Beitrag zur Sicherung der Heimatgeschichte leisten. Es versteht sich weder als Sensations- noch als Enthüllungsjournalismus. Löhr begab sich auf Spurensuche zu historischen Orten. Beschrieben werden nicht nur Plätze aus den Zeiten der Hexenverbrennungen, sondern auch Kriminalgeschichten, die im offenen Feld, in Wald und Flur sich zu verschiedenen Jahrhunderten zugetragen haben. Löhr ermittelte den St. Katharinener Steinbruch, aus dem der weltbekannte DDR-Spion Guillaume seine geheimen Funknachrichten über Bundeskanzler Willy-Brandt sendete. Aufgesucht wird die Höhle Ofenkaulen in Königswinter, in der sich Deutschlands meistgesuchter Schwerverbrecher Freese in den 1960er Jahren verbarg. Weshalb kam es 1919 zum Doppelmord in Rahms? In Rheinbrohl tötete ein US-GI einen deutschen Schreinermeister, der die Vergewaltigung seiner Tochter verhindern wollte. Bei Kurtscheid töteten sich zwei Schwestern aus Eifersucht. Nahe von Wissen/Sieg brachten sich zwei Brüder um, weil sie nur noch Tabak für eine Pfeife hatten. Am Ende eines jeden der 48 Kapitel führen Steckbriefe zu den Tatorten hin. Das Buch schlägt vor, den Rheinischen Westerwald auch mal von dieser Seite des Lebens her kennen zu lernen. Im Mittelpunkt stehen die Lebensumstände der Menschen in den verschiedenen Jahrhunderten und weniger die vielfältigen kulturellen Bauwerke. Zwischen Siegburg, Kirchen/Sieg, Hachenburg, Koblenz, Neuwied und Königswinter wurden in allen Zeiten unschuldige Menschen zu Opfern. Es ist auch ihre Geschichte, die hier aufgeschrieben wurde.

Gedenkstein in Oberirsen bei Altenkirchen. Er erinnert an die zu Unrecht getöteten Offiziere.

Gedenkstein in Oberirsen bei Altenkirchen. Er erinnert an die zu Unrecht getöteten Offiziere.

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