Etwa 1000 von Immission geplagte Menschen trafen sich zur Groß-Demo in Koblenz

„Der Bahnlärm ist schlicht unerträglich“

Innenminister, Bundestagsabgeordnete, Landräte und Bürgermeister stehen hinter der Forderung nach „Ruhe“

05.09.2016 - 09:54

Koblenz. Einen Laubsauger startete der Vorsitzende der Bürgerinitiative Willi Pusch und hielt das Gerät dicht ans Mikrofon. „Das sind 110 Dezibel, die die Bahnanlieger im Mittelrheintal bei einer Zuglänge von rund 600 Metern ertragen müssen, das ist vergleichbar mit einem Presslufthammer am Bau“, ereiferte sich der Vorsitzende der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn vor etwa 1000 Demonstranten auf dem Koblenzer Bahnhofsvorplatz.

Zuvor waren die Teilnehmer vom Platz an der Herz-Jesu-Kirche mit Spruchbändern und Plakaten gegen Bahnlärm unter Führung der JVC-Trommler aus Geisenheim zum Hauptbahnhof gezogen. Ihr Begehren nach Ruhe im Rheingraben wurde unterstützt von Innenminister Roger Lewentz, den Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, Detlev Pilger und Tabea Rößner, Landräten, Bürgermeister, Landtagsabgeordneten und Vertretern aller Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm am Mittelrhein.

„Die rechte Rheinseite ist am meisten gebeutelt“, erklärte Willi Pusch bei der mehr als einstündigen Kundgebung und weiter, „dort fahren täglich 180 bis 220 Güterzüge, auf der linken Rheinseite sind es 100 bis 140. Die Folge sind Schlafstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder Tinitus.“

Auch die rheinland-pfälzische Landesregierung ist enttäuscht, dass Verkehrsminister Dobrindt im Bundesverkehrswegeplan 2030 die Alternativtrasse für den Güterverkehr der Bahn im Mittelrheintal nicht in den vordringlichen Bedarf aufgenommen hat. Das machte der rheinland-pfälzische Innen- und Strukturminister Roger Lewentz bei der Kundgebung deutlich. Daher sei eine Lärmreduzierung u.a. mit Flüsterbremsen der 172.000 Güterwaggons in Deutschland dringend notwendig: „Bis Ende 2016 ist die Hälfte zur Umrüstung vorgesehen, wenn diese 50 Prozent nicht geschafft sind, werden wird darüber nachdenken, den Druck zu erhöhen durch Nachtfahrverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Bis 2020 soll komplett umgerüstet sein, das hat man uns in Berlin versprochen, und das können wir auch erwarten. Denn dann sind alle Güterzüge, auch die im Mosel- und Lahntal, Lärm reduziert. Das rollende Material leise zu bekommen, dafür treten wir auch als Landesregierung ein“, unterstrich Roger Lewentz.

Oberbürgermeister Dr. Joachim Hofmann-Göttig erklärte, dass der Koblenzer Stadtrat einstimmig beschlossen hat, diese Anti-Bahnlärminitiative zu unterstützen. „Das tun wir auch in Verantwortung für das Weltkulturerbe oberes Mittelrheintal. Schon 2002 war der Bahnlärm eines der entscheidenden Hindernisse, das es uns nicht leicht gemacht hat, den Status Weltkulturerbe zu erreichen. Die UNESCO hat schon damals gefordert: Gegen den Bahnlärm muss etwas getan werden. Es hilft nicht, wenn eine Landschaft sehr schön, aber nicht lebenswert ist“, führte Dr. Hofmann-Göttig aus. Er betonte: „Bahnlärm ist ein gravierendes Problem für die Gesundheit der dort lebenden Menschen, aber auch für die touristische Weiterentwicklung der Region. Im Koblenzer Stadtteil Stolzenfels gelingt es uns nicht, die Bürger zu halten oder dort neue Wirtschaftsunternehmen anzusiedeln, aus einem einzigen Grund: Der Bahnlärm ist schlicht unerträglich. Der beeinträchtigt auch in Horchheim, Pfaffendorf und Ehrenbreitstein“, erklärte der Oberbürgermeister und fordert: „Das, was heute technisch möglich ist, darf nicht wegen des Geldes scheitern. Das Gesundheitsinteresse der Bevölkerung geht vor dem Geld. Es gibt Flüsterbremsen, lärmmindernde Schienenuntergründe, Geschwindigkeitsbeschränkungen und auch eine andere Trasse für den Güterverkehr, es kostet viel Geld, ist aber möglich. Dafür kämpfen wir seitens der Kommunen mit der Landesregierung Hand in Hand. Auch der Bundesverkehrsminister muss wissen, dass es sich hier um ein drängendes Problem handelt.“

Die Hälfte der Demonstranten kämen aus dem Bereich zwischen Koblenz und Bonn erklärte Rolf Papen, Vorsitzender der Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm“. „Die Menschen resignieren, sie vertrauen nicht mehr einer Politik, die sie seit Jahren hinhält, Versprechung macht und Pläne entwirft während sie feststellen, dass vor ihrer Haustür der Bahnlärm ständig zunimmt“, meinte Papen. Die Holländer hätten gehandelt und auch die Schweizer mit ihrem neuen 57 km langen Gotthard-Tunnel „Und wir haben eine 150 Jahre alte Bahntrasse, die mitten durch unsere Orte führt mit verhängnisvollen Folgen für uns und unsere Heimat. Die Freigabe der Mittelrheinstrecke als wichtigste Güterzugtrasse Europas ohne ausreichenden Schutz der Bevölkerung kann nur einem kranken Hirn entsprungen sein“, rief der BI-Vorsitzende aus und weiter: „Alle Maßnahmen werden den Lärm nicht kompensieren können, es wird schlimmer, Bahnlärm und Erschütterungen nehmen zu.“

Ferner seien die Bewohner des Mittelrheintals noch von Gefahrguttransporten bedroht. Vergangene Woche hätten Medien über Lokführer ohne entsprechende Ausbildung und Ruhezeiten berichtet, „die aber Tag und Nacht durch unsere Orte donnern“, kritisierte Papen und weiter: „Wo ist das Eisenbahnbundesamt? Ich habe den Präsidenten gefragt wie werden Lokführer überwacht und keine Antwort bekommen.“

Rolf Papen forderte von Kanzlerin Angela Merkel: „Legen Sie den Moloch Deutsche Bahn AG endlich an die Kette, begrenzen Sie die Durchfahrtsgeschwindigkeit der Güterzüge durch Ortschaften auf 70 km/h, die jetzigen 120 sind heller Wahnsinn, und verbieten Sie Durchfahrten bei Nacht, wenn die Güterzüge mehr als 50 Dezibel erzeugen.“ HEP

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Kommentare
12.09.2016 15:36 Uhr
juergen mueller schrieb:

Nicht nur der Bahnlärm ist unerträglich.
Das gilt auch für das Verkehrsaufkommen in der Ortsdurchfahrt AACHENER STr. in RÜBENACH. Für eine Entlastung kämpft seit Jahren die BI RÜBENACH - bisher ohne Erfolg.
Ausser leeren Versprechungen (Entlastung 2012 im OBR Rübenach von CDU-SPD "versprochen") passierte bis dato NICHTS - wie erwartet.
Einstimmiges Versprechen des Koblenzer STADTRATES die ANTI-BAHNLÄRMINITIATIVE zu unterstützen? Empfehlung: NICHTS darauf geben!
Das ist die bekannte Hinhaltetaktik der Politik und hier in RÜBENACH wohl bekannt.
Auch die hier in RÜBENACH angewandte "Zeckentaktik" (immer wieder zubeissen) erfordert "jahrelanges" Ausharren.
Das ist zermürbend, aber Ausharren ist die einzige Möglichkeit, die Politik mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.
Wer sich auf Versprechungen verläßt, der hat von vorneherein verloren.



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Kommentare
juergen mueller:
Auch die RÜBENACHER GEMARKUNG stellt ein NAHERHOLUNGSGEBIET für die Bürgerinnen und Bürger dar - und NICHT nur für die RÜBENACHER. Schon gewusst SPD-Fraktion, dass z.B. der JAKOBSWEG durch die Gemarkung führt und Rübenach eine Wanderkarte mit eingezeichneten Wanderwegen besitzt? Und WER setzt sich dafür ein, dass es bei diesem Nacherholungsgebiet bleibt? Sie bestimmt nicht, Frau Lipinski-Naumann, Sie stimmen eher für eine Erweiterung des GVZ u. nehmen mit Ihren Polit-Kollegen wissentlich eine weitere Beeinträchtigung/Zerstörung von Umwelt u. Natur in Kauf. Wie wäre es einmal mit einem Spaziergang durch die RÜBENACHER GEMARKUNG. Dann werden Sie feststellen (oder auch nicht), dass Sie sich in einem Totgebiet befinden ohne ehemals vorhandene Wildblumen u. Wildtierarten, ohne Vogelgezwitscher etc. - die Folgen einer komplett verfehlten Umweltpolitik. Was die Stadtpolitik bereits im "Kleinen" versaut hat, soll weiteren Bestand haben? UMWELT u. NATUR finden nicht nur im eigenen Garten statt
Uwe Klasen:
Die Mondlandung war auch deshalb möglich weil viele Menschen sich innovativ einbrachten und Lösungen anstrebten. Wenn es aktuell nicht möglich ist den Untergrund entsprechend zu verfestigen dann müssen halt Einschränkungen bei den Kraftfahrzeugen vorgenommen werden! Eine Beschränkung für Kfz mit maximal 7,5 oder auch nur 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht wäre eine solche Maßnahme, entsprechend dimensionierte Kfz unterschiedlichster Art gibt es dafür genügend, so dass eine Belieferung mit Gütern oder Entsorgung von Abfällen durchaus möglich wäre.
juergen mueller:
Warum wurde nicht bereits VOR der Bauphase daran gedacht, dass SAND als Untergrund den Anforderungen eines LKW-Anlieferung- sowie z.B. Müllwagen-Verkehrs (26 Tonnen) nicht standhält? Warum ist der SPD-Altstadt-Mitte bei ihren Begehungen (auch der Kornpfortstrasse während der wochenlangen Bauphase) dieser Makel, dessen Beseitigung nun wiederholt Steuergelder kosten soll, nicht aufgefallen? Eine Schuldzuweisung alleine zu Lasten der Verwaltung oder der ausführenden Baubehörde erscheint mir hier als zu einfach gedacht.
juergen mueller:
Die Aussage der Verwaltung u. die (zu)späte Feststellung der SPD-Altstadt-Mitte, die Pflasterung der Kornpfortstrasse vertrage den LKW-Verkehr nicht, spricht Bände. Hat die Verwaltung etwa geglaubt, die Warenanlieferung erfolgt mit der Sackkarre? Was ist mit der wöchentlichen Leerung der Mülltonnen mit einem 26-Tonner? Wenn der SPD-OV-Mitte schon anprangert - FRAGE: "Warum ist hier nicht schon während der monatelangen Bauphase aufgefallen, dass SAND NICHT als LKW-tragfähiger-Untergrund geeignet ist, was jedes Kind bereits weiß? Wozu dann die wöchentliche Begehung der Altstadt(straßen),wenn so etwas nicht auffällt? Die Kornpfortstrasse ist in ihrer GESAMTHEIT NICHT gelungen, wenn neben einer ansehnlichen Oberfläche ein tragbarer Untergrund für die normalen Dinge des Lebens fehlt, Dinge, die es nun einmal mit zu berücksichtigen gilt, wenn man solche Bauvorhaben durchführt. Der Verwaltung die Schuld zuzuschieben an etwas was man mit verbockt hat ist zu einfach aber eben Politik
Thomas Schäfer :
Schade, dass der Verlag diese und andere als Leserbriefe eingesandten Lesermeinungen der gedruckten Ausgabe vorenthalten hat ??
Jürgen Scholten:
Was ich noch vergessen habe !!! Traurig das ein Personalratsvorsitzender solche Kommentare ab gibt !!! Das zeugt von einer großen Voreingenommenheit !!!
Jürgen Scholten :
Sorry dürfte ich mal wissen welche Parteibücher die Herrn haben die diese Kommentare ab geben ??? Unter der Gürtellinie !!!!
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