Allgemeine Berichte | 03.02.2017

Das Projekt EnAHRgie erarbeitet ein nachhaltiges Energiekonzept

Der Kreis Ahrweiler ist Modellregion und Entwicklungsland zugleich

Die Status-quo-Analyse zeigt einen bescheidenen Anteil regenerativer Energien an der Energieversorgung des Ahrkreises

Bis zum Jahr 2030 soll die Stromversorgung bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Foto: jniittymaa0/pixabay.com

Die „Energiewende“ ist ein langfristig angelegtes politisches und gesellschaftliches Thema, das Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beschäftigt. Der Kreis Ahrweiler hat durch das Projekt EnAHRgie, das von der European Academy (EA) in Bad Neuenahr wissenschaftlich begleitet wird, eine fundierte Arbeitsgrundlage, die es erlaubt, die Energiewende vor Ort systematisch und fundiert zu betrachten. So zeigt die Status-Quo-Analyse für den Ahrkreis ein realistisches Bild von der derzeitigen Energiestruktur des Kreises und beleuchtet die noch ungenutzten technischen Möglichkeiten der Energiewende an Rhein, Ahr und Eifel.

Kreis Ahrweiler. Unter dem Eindruck der Reaktorkatastrophe von Fukushima fasste der Kreistag in Ahrweiler 2011 den Beschluss, dass es Ziel der Kommunalpolitik im Kreis ist, dass bis zum Jahr 2030 die Stromversorgung im Kreisgebiet bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammen soll. Zudem wurde damals gefordert, dass langfristig die im Kreis benötigte Energie vollständig aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden soll. Dies war eine mutige und ungewöhnliche Entscheidung des Kreistages, denn ein solches Ziel auf dieser Entscheidungsebene zu formulieren, setzt voraus, dass man regionale Steuerungsmöglichkeiten sieht, den tief greifenden Wandel der Energiebasis der Wirtschaft im Kreis selbst aktiv zu gestalten. „Am Ende dieses Projektes soll ein nachhaltiges mit den Regionalakteuren abgestimmtes Energiekonzept stehen“, betont Dr. André Schaffrin, der dies Modellprojekt in der EA verantwortlich betreut. Das Projekt ist verknüpft mit einer Reihe von Einzelmaßnahmen der Kommunen, der Energieversorger, von Unternehmen und von zivilgesellschaftlichen Vereinen, die sich vor Ort mit der Thematik befassen. Bis 2030 sind es nur noch 13 Jahre und die Veränderungen, die es in kommenden Jahren im Ahrkreis notwendig wären, um das anvisierte Ziel zu erreichen, wären mehr als einschneidend. Dies wird deutlich, wenn man die Ausgangssituation betrachtet, die im Status-quo Bericht des Projektes beschrieben wird, der seit den vergangenen Jahr vorliegt. . Dort zeigt sich bei der Betrachtung Energiestrukturdaten des Jahres 2013, wie groß der Weg ist, den der Ahrkreis beim Aufbau einer nachhaltigen regenerativen Energiestruktur noch vor sich hat. Mit der Vorgabe Als Resumee der Bestandsaufnahme ist in der Studie der EA zu lesen „Insgesamt ist der Landkreis durch einen hohen Anteil an fossilen Energieträgern bei Strom, Wärme der und Verkehr gekennzeichnet.“ Es zeige sich somit ein großer Handlungsbedarf, um regionale Potenziale zu nutzen. Der Ahrkreis sieht sich selbst als eine Modellregion, der bei der Energiewende besondere Akzente setzen möchte. Er ist aber auch in diesem Punkt faktisch ein „Entwicklungsland“. Denn der Status quo Bericht macht deutlich, dass 2013 der Anteil der Erneuerbaren Energien“ im Landkreis sowohl beim Stromverbrauch als auch im Wärme- und Verkehrsbereich deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Bei den drei großen Energiesektoren Verkehr, Wärme und Stromerzeugung spielen Erneuerbare Energien hier zurzeit noch eine untergeordnete Rolle. Sehr deutlich wird dies bei der Betrachtung der Energie, die im Kreis Ahrweiler für den Verkehr aufgewandt wird. Im Jahr 2013 wurde in diesem Sektor mit rund 1.370.000 MWh Energie verbraucht.

Elektromobilität ist heute noch ein reines Zukunftsthema

Der Anteil der PKW mit Elektromotor liegt bei mageren 0,01 Prozent. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil jedoch auch bei nur 0,03 Prozent. Dass der Ahrkeis in diesem Sektor keine wirksame eigenständige Politik in formulieren kann ist einleuchtend. Die Veränderung hin zu mehr E-Mobilität wir durch nationale Rahmenbedingungen und den Entwicklungen auf den Weltmärkten bestimmt. Vor Ort können allenfalls die Rahmenbedingungen für den notwendigen und erwarteten Wandel der energetischen Basis des Verkehrssystems optimiert werden. Fallls die E-Mobilität jedoch ihren Siegeszug antreten sollte, hätte dies gravierende Auswirkungen auf die Stromversorgung, und würde eine Ausweitung der Stromerzeugung aus lokalen Erneuerbaren Energien erfordern. Bei dem größten Energieverbrauchsektor, der Wärmeerzeugung, der rund 1.462.700 MWh an Energie ist der Anteil der Erneuerbaren nicht ganz so ernüchternd wie beim Verkehr.

Die Wärmeerzeugung ist der größte Energiesektor

Mit rund zwei Prozent Anteil lokaler erneuerbarer Wärmeerzeuger an der Wärmeversorgung fällt auch dieser Bereich eher bescheiden aus. In diesem Bereich dominiert mit einem Anteil von 70 Prozent das Erdgas, gefolgt von 28 Prozent, die auf das Erdöl bei der Wärmeerzeugung entfallen. Im Bundesdurchschnitt liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien bei der Wärmeerzeugung heute jedoch schon über 12 Prozent. An dieser Zahl wird deutlich, dass der Kreis gerade in diesem Sektor einen Nachholbedarf hat. Dies gilt auch für die Stromerzeugung, die im Bundesdurschnitt 2013 schon zu rund 25 Prozent aus regenerativen Quellen gespeist wurde. Dieser Anteil am bundesdeutschen Strommix liegt heute schon über 30 Prozent. Hier im Kreis Ahrweiler liegt der Anteil im Kreis erzeugter Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bei rund 8 Prozent. Gerade in einem Energiesektor, in dem die regenerativen Energien bundesweit die größten Fortschritte machen konnten, entwickelten sie sich im Ahrkreis nicht so dynamisch, obwohl man in einer ländlich geprägten Region mehr Möglichkeiten für Erneuerbare Energein vernuten kann.

Nur 2,2 Prozent der Gesamtenergie stammen aus lokalen Erneuerbaren Energien

Betrachtet man den gesamten Energieverbrauch im Ahrkreis auf Basis der Datenlage von 2013 so ergibt sich ein Gesamtverbrauch von 3.400.000 MWh. Von dieser Gesamtmenge kommen zurzeit nur rund 2,2 Prozent aus lokalen erneuerbaren Energiequellen. An diesen Zahlen wird deutlich, wie groß die Herausforderungen sind, die mit einer Energiewende, die den Namen verdient, verbunden sind. In der nächsten Folge zur Energiewende im Ahrkreis werden wir uns mit den Potenzialen der Erneuerbaren Energien vor Ort beschäftigen.

Ihre Meinung ist gefragt

Glauben Sie, dass die Energiewende im Kreis Ahrweiler gelingt? Mit welchen Maßnahmen kann ihrer Meinung nach der Anteil der erneuerbaren Energien hier vor Ort im Bereich Strom, Verkehr und Wärmeerzeugung sinnvoll gesteigert werden?

Beteiligen Sie sich an der Diskussion auf Facebook, auf unserem Webportal oder schreiben Sie uns ihren Kommentar per E-Mail an: nachrichten@kruppverlag.de

Dr. André Schaffrin, Projektkoordinator an der European Academy of Technology und Innovation. Foto: HS

Dr. André Schaffrin, Projektkoordinator an der European Academy of Technology und Innovation. Foto: HS

Bis zum Jahr 2030 soll die Stromversorgung bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Foto: jniittymaa0/pixabay.com

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