Großmaischeider Grundschulkinder standen drei Tage im Rampenlicht der Manege
Projektzirkus bot ganz spannende Unterhaltung mit pädagogischem Effekt
Großmaischeid. An diesen beiden Tagen waren die Kleinen mal die ganz großen Stars: Der Zirkus André Sperlich war nach Großmaischeid gekommen und hatte als Artisten, Clowns und Zauberer gleich die komplette Schülerschaft der Hermann-Gmeiner-Grundschule engagiert. Die Vorstellungen fanden vor zahlreichem und begeistertem Publikum statt. Logisch, dass es hauptsächlich die Eltern, Omas und Opas und andere Verwandten der Kinder waren, die ihren kleinen Stars in der Manege zujubelten.
„Wir sind ein Projektzirkus“, sagt Manuel Sperlich. Er ist Moderator während der Shows, Clowntrainer und künstlerischer Leiter. „Wir werden von den Schulen gebucht und trainieren gemeinsam mit den Kindern. Wir zeigen den Kindern, was es heißt, ein Star in der Manege zu sein. Wir üben von A bis Z jegliche Sparten und Darbietungen, die es im Zirkus gibt.“
Der Ablauf in Großmaischeid sah so aus: Am Samstagabend traf der Zirkustrupp im Ort ein und bezog sein Quartier auf dem Parkplatz vor dem Fußballstadion. Am Sonntag wurde das Zelt aufgebaut, mit der Hilfe ganz vieler Eltern, Lehrer, Schulleiter Hermann-Josef Schneider und des Schulhausmeisters. Am Montag startete das Zirkusprojekt. Es begann damit, dass die echten Artisten den Kindern in einer Vorstellung zeigten, wie so eine Show aussehen kann. Manuel Sperlich: „Es ist auch wichtig, dass die Kinder sehen, dass wir Trainer die Kunststücke auch beherrschen.“
Die Kinder werden dann in zu ihnen passende Workshops und Trainingsgruppen eingeteilt. Jede Gruppe hat ihren eigenen Trainer. Das Üben dauert zweieinhalb Stunden. Am Montag wurde trainiert, am Dienstagvormittag vor der Aufführung noch einmal. Selbstverständlich gab es auch eine Generalprobe.
Geübt und aufgeführt werden die Sparten Akrobatik, Clowns, Seiltanz, Jonglage, Tierdressuren mit Tauben und Fakire, die über Glasscherben gehen, sich auf Nagelbretter legen oder sich von einer großen, vier Meter langen Tigerpython-Schlange einwickeln lassen. Außerdem gibt es noch Trapez-Künstler, eine Piraten-Show, eine Schwarzlicht-Show, die vom katholischen Kindergarten gestaltet wurde, und natürlich Zauberer.
Mit einer Pause nach der Hälfte der Zeit dauerte die gesamte Vorstellung gute zwei Stunden. Insgesamt gaben die Großmaischeider Grundschüler drei Vorstellungen. Von Ermüdungserscheinungen war während der temporeichen Darbietungen keine Spur zu erkennen. Im Gegenteil: Die Kinder waren mit Begeisterung und - im wahrsten Wortsinn - Feuereifer bei der Sache. Mit vor Stolz geschwellter Brust und einem Strahlen in den Augen nahmen sie nach jeder Aufführung den begeisterten Applaus ihres Publikums entgegen. In einer Pause sagten Marigona und Mirlinda: „Wir waren Jongleure und mussten Matrosen vormachen. Dann mussten wir mit den Hula-Hoop-Reifen jonglieren und mit den Fahnen.“ War das schwer? „Nein.“ Habt ihr das geübt? „Ja.“ Hat es euch Spaß gemacht? „Ja.“ Die beiden Grundschulmädchen würden jederzeit gern wieder in der Manege auftreten. Ob sie später einmal als Artistinnen ihren Lebensunterhalt verdienen wollen, wissen die Kinder aber jetzt natürlich noch nicht.
Pascal (8) beschrieb seinen Auftritt so: „Wir sollten über Scherben gehen und mit dem Bauch auf den Scherben liegen.“ Aber das tut doch weh? „Nein, die sind abgeschärft. Und wir müssen eine Riesenschlange halten. Und wir sollen die Fackeln auf die Hand legen.“ Verbrennt ihr euch dabei? „Nein, es tut nicht weh. Wenn du es schnell machst. Mir gefällt es hier im Zirkus, weil so viele lustige Clowns da sind. Und weil die mutig sind.“ Bist du nicht nervös, wenn da so viele Leute sitzen und zugucken? „Nein, kein bisschen.“
Der Zirkus, der den Kindern so gut gefällt, kommt aus Sachsen-Anhalt und nennt sich „Erster Ostdeutscher Projektcirkus André Sperlich“. Ensemble-Mitglied Manuel Sperlich sagt: „Wir waren vor 13 Jahren die ersten, die mit dieser Art Zirkus angefangen haben. Wir kommen aus der Nähe der Lutherstadt Wittenberg, aus einem kleinen Dorf.“ Die Gruppe besteht aus 13 Erwachsenen und dazu noch einigen Kindern. Die Zirkusprojekte werden mit drei ähnlich großen und identisch ausgerüsteten Teams deutschlandweit angeboten. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir das mit einem Team nicht schaffen würden“, sagt Manuel Sperlich. Den pädagogischen Nutzen schätzt der Zirkusmann hoch ein: „In meinen Augen ist es ein sinnvolles Projekt. Durch das klassenübergreifende Arbeiten, das wir anbieten, bei dem die gesamte Schule involviert ist, entsteht ein großes Gemeinschaftsgefühl. Und die Kinder lernen sich untereinander besser kennen. Ihr Sozialverhalten wird gefördert, das Selbstbewusstsein wird gestärkt. Du schlägst ganz viele Fliegen mit einer Klappe bei so einem Projekt. Auch Disziplin, Hilfsbereitschaft, Teamgeist und Konzentration werden gefordert und gefördert. Die Kinder sehen auch, dass Zirkus nicht nur Glitzer ist, sondern dass eine Menge Arbeit dahintersteckt. Und sie sehen, dass sie in relativ kurzer Zeit sehr viel erreichen können, wenn sie es richtig anpacken und ein Konzept haben. Für uns kommt noch der Faktor hinzu, dass das Kulturgut Zirkus wieder mehr ins Leben gerufen wird.“
In den Genuss dieser Erfahrungen kamen die 130 Grundschulkinder sowie 20 Vorschulkinder der katholischen Kindertagesstätte St. Antonius. Schulleiter Hermann-Josef Schneider wurde durch eine Kollegin auf die Idee gebracht, die den „Ersten Ostdeutschen Projektcirkus André Sperlich“ vor zwei Jahren in Urbach erlebt hat: „Wir haben uns erkundigt und auch sofort angemeldet. Aufgrund der großen Nachfrage mussten wir aber zwei Jahre warten. Jetzt überlegen wir schon, uns wieder anzumelden und spätestens in vier Jahren wieder mit dem Zirkus ein Projekt zu machen, damit jedes Kind in der Grundschulzeit einmal in den Genuss dieses Erlebnisses kommt.“ Die Schule fiel aus an den drei Projekttagen. Die Lehrer waren dennoch gefordert als Betreuer der einzelnen Gruppen.
Bei drei Aufführungen war das Zelt mit begeisterungsfähigen Zuschauern voll besetzt.
Eine der beliebtesten Nummern war die Tierdressur mit Tauben. Die Kinder hatten sehr viel Freude daran.
Die Fakire gingen über Glasscherben und legten sich auf Nagelbretter.
