Allgemeine Berichte | 07.06.2017

Fronleichnam in Ramersbach

Religiöses Brauchtum vor 55 Jahren

von Werner Schüller

In der heutigen Mayener Straße vor dem Haus Mies bauten die näheren Anwohner den Altar auf.privat

Ramersbach. „Wenn ich an die Fronleichnamswochen von früher zurückdenke, fällt mir immer das Blumensammeln - „Blome ströppe“ - ein. Ab Montag nach Dreifaltigkeit zogen wir Kinder mit Eimern und Körben zur Blumenlese los.

Es soll doch an des Herrn Tag ein bunter Blumenteppich den Weg der Prozession farbenfroh schmücken. Die mahdreifen Wiesen unterhalb des Dorfes boten je nach Düngung der einzelnen Grundstücke unterschiedliche Wiesenteppiche. Hier war nur fettes Gras mit vereinzelten Blumen, dort waren reiche Blumenparadiese mit Wiesenknöterich, Gänsefingerkraut, Rotklee, lila Teufelskralle, weißem Steinklee und vielem mehr.

Ohne Mitleid wanderten die fetten Blumenköpfe wie bei der Beerenernte in die Körbe. Aus dem Vollen geschöpft, war ein Abnehmen der bunten Pracht nicht zu erkennen, denn die einzige Konkurrenz waren nur Hummeln und Bienen, denen wir die Weide strittig machten. Entgegen den Wiesenblumen mit der dominierenden Farbe Rot, sammelten andere Kinder am nahen Waldrand Ginsterblüten und vermischten diese mit abgestreiftem Farnkraut oder mit frischen Tannenspitzen zu einem goldgrünen Farbspiel. Aber nicht nur in Gefäßen wurde die Natur ins Dorf getragen. Mit der Axt in der Armbeuge zogen die Männer in den Wald, um junge Maien zu schlagen. Bevorzugt wurden dafür meistens junge Buchen oder Stockausschläge von Buchen.“

Das Dorf wurde geschmückt

Schon am Fronleichnamsvortag begann nachmittags im Dorf ein Klopfen und Hämmern. „Ding, ding, ding ...“, tönten die Hammerschläge auf den eisernen Pflanzpfählen, im Dialekt Steckeisen genannt.

In den vorgeschlagenen Löchern standen bald die Buchenmaien mit ihren vom Tau der letzten Nacht noch feuchten, in der Sonne glitzernden Blättern am Prozessionsweg Spalier. Entlang der gesamten heutigen „Mayener Straße“ konnten damals auch Maien aufgestellt werden, da auf dem Dorfplatz, noch keine Asphaltdecke vorhanden war. War das ein Riesenspaß, mit den Fahrrädern zwischen den Maireisern Slalom zu fahren.

An den Altarplätzen hatten Mädchen und Frauen Tische, Kisten, Bretter, Holzklötze in verschiedenen Größen und Ziegelsteine herbeigeschafft und begannen mithilfe einiger Burschen und Männer die Altargerüste aufzubauen. Frisch geschlagene Fichtenbäume mit ihren jungen hellgrünen Trieben zierten die Zugänge zu den Altarplätzen. Bis spät abends ging noch das emsige Werkeln und Schaffen weiter. Schon früh am nächsten Morgen wurde mit den restlichen Arbeiten begonnen. Girlanden aus Tannengrün und Buchsbaumzweigen sowie rot-weiße Fahnen zierten die Häuser am Prozessionsweg.

An den meisten Häusern waren mehrere, paarweise zusammengebundene Tannenäste mit weißen und roten Seidenpapierblumen aufgehängt. Auf mancher Fensterbank wurden kleine Hausaltären hergerichtet. Einer dieser Altäre an einem Haus in der heutigen „Heckenbacher Straße“ hatte eine selbst modellierte Madonna vorzuzeigen. Blass in der Farbe, schlicht und etwas unförmig, übte die Figur auf manchen Betrachter einen besonderen Reiz aus. Weiße Tücher, Kerzenständer, Hortensien, Pfingstrosen, Engels- und Heiligenfiguren und buntes Blumenbeiwerk verwandelten die aufgebauten Gerüste aus Holz und Stein an den vier Altarplätzen bald zu ehrwürdigen Tischen des Herrn.

Festlicher Gottesdienst

Auch in der Kirche war es an diesem Tag anders als sonst. Vorne an der Kommunionbank lag eine Girlande aus Tannengrün mit weißen Papierblumen und weißen Schleifen.

Mädchen in Kommunionkleidern warteten schon darauf, den Baldachin bei der Prozession mit diesem grünen Gebinde hinten und seitwärts zu umschließen. Auf den Kirchenbänken vor dem Beichtstuhl lag der Baldachin mit den vier Haltestangen bereit. Auch die Junggesellen hatten ihre Fahnen schon zurechtgestellt. Pastor Poertner hatte ein besonders zum Feiertag passendes Messgewand angelegt. Die weißen Oberkleider der Messdiener waren von deren Müttern frisch gewaschen und gestärkt worden.

Aus dem blank geputzten Messingrauchfass stiegen duftende Weihrauchwölkchen auf. Feierlich erklangen die Messegesänge.

All das machte die besondere Stimmung und Festlichkeit des Fronleichnamstages aus. Schnell wurden nach der Messe die gesammelten Blumenköpfe zu einem bunten Pfad auf den Straßen und Gassen ausgebreitet. Einige streuten als Ersatz in der Häckselmaschine geschnittene Tannenzweige, gemischt mit einigen Pfingstrosen oder Schneebällen aus dem Garten. Als der Pastor mit den Messdienern und der in die Stola gehüllten Monstranz feierlich die Kirchentreppe hinunter schritt, verstummte das leise Gemurmel der Gläubigen auf der Straße.

Feierliche Prosession

Nun ordnete sich die Menschentraube vor der Kirche und dem Dorfplatz zur Prozession in Richtung Oberdorf. Vorne weg setzten sich drei Messdiener mit Kreuz und Vortragefähnchen in Bewegung, gefolgt von Schulkindern, dahinter kam eine Gruppe kleiner Mädchen mit hellen und bunten Kleidchen und Kränzchen in den Haaren. Aus den mit Schleifen verzierten Körbchen streuten sie dem lieben Herrgott Blumen auf den Weg. Dann folgten die übrigen Messdiener mit Weihwasser, Schellen, und dem Rauchfass, aus dem unentwegt feine Fäden von weißem Weihrauch in die Luft strömten.

Das abwechselnde Schellen verkündete, dass Christus wie beim Einzug in Jerusalem, jedoch jetzt in Gestalt der Hostie hinter der Monstranz, von einer froh gestimmten Menge durch die Straße von Ramersbach geleitet wurde.

Die vier Ehemänner, die zuletzt geheiratet hatten - so war es Brauch - trugen an Stangen den Baldachin. Sie hatten weiße Handschuhe angezogen und über dem schwarzen Hochzeitsanzug trug jeder eine mit Goldbrokat verzierte Schärpe. Angeführt von der Fahne folgten die Junggesellen, danach die Männer, die jungen Mädchen und die Frauen mit den Kleinsten an Mutters Hand. „Gelobt und gepriesen sei das Allerheiligste Sakrament - von nun an bis in Ewigkeit ....“, klang es im Gebet abwechselnd mit Liedern zu Ehren des Allerheiligsten.

Reich geschmückte Altäre

Am ersten Altar der insgesamt vier Altäre betrat Pastor Poertner den bunten, aus lauter Blüten gelegten Blumenteppich, der ein christliches Motiv darstellte.

Er las aus dem großen Messbuch das Evangelium vor und erteilte den ersten Fronleichnamssegen. Der Platz des ersten Altares war in dem früheren überdachten Treppenaufgang zur Schule. Weitere Altäre befanden sich im obersten Teil der „Mayener Straße“ vor dem Haus Mies, am Ende an dem Heiligenhäuschen der heutigen „Heckenbacher Straße“ und an der Überdachung hinter dem Dorfbrunnen an der Innenseite der Kirchenmauer.

Nach dem Zeremoniell am letzten Altar zog die Prozession feierlich unter Klängen des Harmoniums in die Kirche ein. Beim feierlichen Segen ertönte das „Te deum“ und danach folgte das Lied „Großer Gott, wir loben dich ...“. Alles, was läuten konnte, die drei Glocken im Kirchturm, die Glöckchen in den Schellen der Messdiener und das Glöckchen an der Sakristeitüre stimmten mit ein und schlossen so den feierlichen, ergreifenden Fronleichnamsgottesdienst ab.

In der heutigen Mayener Straße vor dem Haus Mies bauten die näheren Anwohner den Altar auf.Foto: privat

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