Allgemeine Berichte | 24.07.2017

Zur Erinnerung

So hat es einmal ausgesehen, in der Lindenstraße

von Hans Josef Moeren

Das Teilstück der Lindenstraße in einer alten Ansicht.Foto Flück

Sinzig. Da derzeit die Firma Baustoffe Moeren GmbH & Co. KG (Hagebaumarkt) dabei ist, den Betrieb erneut zu erweitern, und dazu das alte Gebäude, in dem bisher die Geschäftsleitung untergebracht war, bereits abgerissen ist, ist es sinnvoll, sich den alten Baubestand an diesem Teil der Lindenstraße Mitte des 20. Jahrhunderts in Erinnerung zu rufen.

Damals sah die Straßenfront an der westlichen Seite der Lindenstraße von der Einmündung der Rheinstraße in nördlicher Richtung anders aus, da die Häuser mit den Hausnummern 27 – das „Hotel zur Linde“, 25 – ein Wohnhaus, 23 – das Wohn- und Geschäftshaus von Heinrich Moeren, zuletzt Firmensitz der Baustoffe Moeren GmbH & Co. Hagebaumarkt und 21 – die „Gastwirtschaft „Em Mösje“, über Jahrzehnte das Gesicht der Lindenstraße in diesem Teilstück geprägt haben.

Betriebsgelände wurde erweitert

Das Hotel „Zur Linde“ wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut. Dazu gehörten im hinteren Teil des Grundstücks ein Saal und ein Biergarten. Zusammen mit dem nördlich angrenzenden Grundstück mit einem aufstehenden Wohnhaus, Nummer 25, wurde das Eckgrundstück mit dem Hotel „Zur Linde“ in den 60er Jahren von der Firma Moeren gekauft, die darauf stehenden Gebäude abgerissen und mit den Grundstücken das Betriebsgelände erweitert.

Das Grundstück mit der Hausnummer 23 gehörte schon vor 1900 als Betriebsgelände zum Baumarkt von Johann Heinrich Moeren, der auf diesem Grundstück primär den Stahlhandel abwickelte.

Das jetzt abgerissene Geschäftshaus auf diesem Grundstück wurde 1935 von Heinrich Moeren, dem Sohn des Betriebsgründers Johann Heinrich Moeren, als Wohn- und Geschäftshaus 1935 (Bauerlaubnis vom 18. Februar 1935) errichtet und ist seitdem Firmensitz der Baustoffhandlung Moeren, heute der Baustoffe Moeren GmbH & Co. KG – Hagebaumarkt.Das Haus wurde von dem Maurer Matthias Feret im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gebaut. Er hat dann auch als erster Wirt die Gastwirtschaft geführt. Seitdem waren immer Angehörige der Familie Feret Betriebsinhaber. Das Anwesen wurde von der Firma Moeren zu Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts zur Betriebserweiterung gekauft und die aufstehenden Gebäude abgerissen. Heute führt über das Grundstück die Zufahrt zum Betriebsgelände der Firma Moeren.

Zwei Schankwirtschaften eng nebeneinander

Nicht allgemein üblich ist es, dass im ländlichen Bereich zwei Schankwirtschaften so eng nebeneinander an einer Straße errichtet wurden wie hier an der Lindenstraße in der Nähe der Kreuzung Rheinstraße/Lindenstraße.

Ein Grund für die Errichtung des Hotels „Zur Linde“ und der Gastwirtschaft „Em Mösje“ gerade an dieser Straße mag die Nähe zu der über der Bahnlinie gelegenen Plattenfabrik gewesen sein, die 1870 ihren Betrieb in Sinzig begonnen hatte und deren einzige Zufahrt und Zugang damals über die Rheinstraße und den Bahnübergang möglich war.

Das bedeutete für die in der Fabrik beschäftigten Arbeiter, dass auch fast alle Arbeiter nur über diese von der Lindenstraße abzweigende Straße ihre Arbeitsstelle erreichen konnten. Dort beschäftigt waren zu Beginn des Ersten Weltkrieges rund 300 Menschen (Sieler Jürgen, „100 Jahre AGROB in Sinzig“ im Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler 1971, S. 121).

Damals fuhren die Arbeiter und Arbeiterinnen noch nicht mit einem eigenen Auto zur Arbeitsstelle, sondern sie kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder vereinzelt mit der Eisenbahn nach Sinzig. Die Arbeiter erhielten ihren Lohn wöchentlich am Samstag in einer Lohntüte bar in die Hand, eine Form der Lohnzahlung, die bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts allgemein üblich war.

Da war es für manchen Lohnempfänger schwer, der Versuchung zu widerstehen, direkt schon einen Teil des Lohnes für eigene Bedürfnisse, das heißt für Alkohol, in der nächsten Kneipe auszugeben.

Bei dem damals knappen Lohn des einzigen Ernährers der Familie führte dies dann am Lohnzahlungstag oft auch zu innerfamiliären Auseinandersetzungen, wenn der Mann mit mehr oder weniger reduziertem Lohn nach Hause kam.

Manche resolute Ehefrau erschien auch am Tag der Lohnzahlung vor dem Fabriktor, um ihren Mann nach Feierabend schon da zu empfangen und von ihm den erhaltenen Arbeitslohn beziehungsweise einen Teil davon zu fordern.

Gleich nach der Arbeit dem Alkohol gefrönt

Die Lage der Schankwirtschaften an der Lindenstraße war somit quasi „vor der Haustür“ der Plattenfabrik, sodass die Arbeiter mit Gelüsten nach Alkohol schon hier einkehren konnten, bevor sie den weiteren Heimweg antraten. Zur Rentabilität dieser Wirtschaften trug auch bei, dass die Lindenstraße im Laufe der Zeit durch die Bebauung im Gebiet östlich der Bahnlinie ihre Lage am Rande der Stadt verlor und die Schankwirtschaften an der Lindenstraße auch von zahlreichen Bewohnern der Umgebung aufgesucht wurden. Infolge der geänderten Lebensverhältnisse ist heute sicherlich ein Bedarf für die beiden Schankwirtschaften an der Lindenstraße nicht mehr gegeben, sodass ihre Schließung nicht als Verlust angesehen werden kann. Dies gilt aber nicht für die Gebäude, in denen sie betrieben wurden. Durch den jetzigen Abriß des letzten Wohn- und Geschäftshauses und die Erweiterung der Verkaufsfläche ist die Umwandlung der einstmals mit Geschäfts- und Wohnhäusern genutzten Flächen in eine Gewerbefläche mit Verkaufshalle und Lagerplatz sichtbar vollzogen.

Das Teilstück der Lindenstraße in einer alten Ansicht.Foto Flück
Mühsame Trennung der Eisenschienen. Links im BildJohann Heinrich Moeren, der Betriebsgründer.Bildarchiv Heinz Schmalz

Mühsame Trennung der Eisenschienen. Links im Bild Johann Heinrich Moeren, der Betriebsgründer.Foto: Bildarchiv Heinz Schmalz

Haus-Nr. 27, Hotel „Zur Linde“.Foto Flück

Haus-Nr. 27, Hotel „Zur Linde“.Foto: Foto Flück

Lindenstraße 21, Gastwirtschaft „Em Mösje“Foto Flück

Lindenstraße 21, Gastwirtschaft „Em Mösje“Foto: Foto Flück

Das Teilstück der Lindenstraße in einer alten Ansicht.Foto: Foto Flück

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Bildergalerien
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Heimat aktiv AW
Stellenanzeige Reinigungskraft
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Werksverkauf
Verkaufsstart KuK
Andernach schmeckt
Empfohlene Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
419

Region. Aufgrund der anhaltenden extremen Hitze stellt National Express am Samstag, 27. Juni 2026, den Betrieb der Rhein-Ruhr-Express-Linien RE 1, RE 4, RE 5, RE 6 und RE 11 im Zeitraum von 13:00 Uhr bis voraussichtlich 19:00 Uhr vorübergehend ein. Die Maßnahme dient dem Schutz der Fahrgäste und Mitarbeitenden und soll verhindern, dass es unter den aktuellen außergewöhnlichen Wetterbedingungen zu ungeplanten Zugausfällen auf freier Strecke kommt.

Weiterlesen

Symbolbild.
445

Trier. Bischof Dr. Stephan Ackermann hat einen Priester des Bistums Trier von seinem Dienst beurlaubt. Gegen den Priester läuft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach wegen des Vorwurfs einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung (13. Abschnitt des Strafgesetzbuches).

Weiterlesen

Weitere Artikel
So wird es vom 04. bis 06.09.2026 auf dem Flugplatzgelände aussehen. 50000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet
1298

Kruft. Rund 15 interessierte Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung zu einer Informationsveranstaltung im Vorfeld der Jalsa Salana, die vom 04. bis 06.09.2026 auf dem Flugplatzgelände in Mendig stattfindet. Im Mittelpunkt standen Fragen zur Verkehrsführung zu den Auswirkungen der Veranstaltung auf die Anwohnerinnen und Anwohner.

Von Andreas Lung aus Kruft

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: ROB
751

Junge war am späten Donnerstagabend aus der elterlichen Wohnung verschwunden

27.06.: Andernach: Vermisster 12-Jähriger wiederaufgefunden

Andernach. Der vermisste Zwölfjährige aus Andernach ist laut Polizei wieder da. Zuletzt war der Zwölfjährige am späten Donnerstagabend gegen 22.20 Uhr gesehen worden. Danach verließ er die elterliche Wohnung und fuhr vermutlich mit einem weißen Fahrrad weg.

Weiterlesen