Koblenzer Autor Klaus-Dieter Regenbrecht stellt neuestes Buch vor

„Luhmen & Balder - minimal-invasive Eingriffe“

„Luhmen & Balder -
minimal-invasive Eingriffe“

Nach Regenbrechts (re.) Buchvorstellung und Bildpräsentation beantwortete Dr. Gilbert Fragen zu Reha-Möglichkeiten bei einer Krebserkrankung. Foto: BSB

29.09.2015 - 16:52

Koblenz. Seit 1985 hinterlässt Klaus-Dieter Regenbrecht seine schriftstellerischen Spuren. Sein neuestes Buch, eine Erzählung, widmet der 65-jährige Koblenzer dem Thema Krebs. „Luhmen & Balder - minimal-invasive Eingriffe“, in seinem eigenem Verlag „Tabu Litu“ erschienen, handelt von Lucia Luhmen und Balthasar Balder, beide ungefähr fünfzig Jahre alt. Sie hat einen Tumor in der Gebärmutter, er einen in der Prostata. Als Ironie des Schicksals erscheint, dass Regenbrecht die Geschichte nicht nur erfand, sondern das Schlimme selbst erlebte, wie er dem kleinen Kreis der Zuhörer erzählte. Auch er wurde Anfang dieses Jahres mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Sein Buch, das zu dem Zeitpunkt schon fast fertig geschrieben war, erhielt damit ungewollt autobiografische Züge. Die Literatur habe ihm geholfen, einen anderen Bezug dazu zu erhalten, das Thema ganz anders zu durchdringen. Dort, wo er seine Reha erhielt, im Ambulanten Rehazentrum Koblenz, stellte er nun das Buch vor. Der Urologe, Dr. Thomas Gilbert, Chefarzt der onkologischen Rehabilitation im Rehazentrum, eröffnete die Veranstaltung und stand im Anschluss den Gästen zur Beantwortung von Fragen rund um das Thema Krankheit und Rehabilitation zur Verfügung. Regenbrecht leitete seine Buchvorstellung unter Berufung auf das Lexikon „Literatur und Medizin“ mit einer kleinen Lehrstunde zur Beziehung von Medizin und Literatur ein. Die Beziehung von Luhmen und Balder blieb für die Gäste der Literatur-Veranstaltung zunächst eine große Unbekannte. Erst im letzten Kapitel wurde klar, dass Balthasar und Lucia einmal ein junges, verliebtes Paar in der ehemaligen DDR waren.


Schicksal der Protagonisten aus Sicht der Frau und des Mannes


In den vorherigen fünf Kapiteln des Buches erzählt Regenbrecht das Leben und Schicksal der Protagonisten wechselweise aus der Sicht der Frau und der des Mannes. Die Leseproben hatte er speziell für die Buchvorstellung ein wenig „stream gelined“, leichter bekömmlich bearbeitet. Während er las, die Manuskript-Seiten in der Hand haltend, lehnte er sich lässig auf den neben ihm stehenden Tisch. Oftmals unterstützten kleine Gesten das Vorgetragene. Das erste Kapitel beginnt mit Lucia Luhmen und dem Handlungsort München. Regenbrecht spielt sprachlich mit Bildern von Hell und Dunkel, Licht und Schatten. Lucia fühlt sich „als stecke sie in der finstersten Polarnacht, als ginge nie mehr die Sonne auf“ und: „Im Dunkel ihrer Gebärmutter wucherte ein Karzinom“. Selbst die Namen der Protagonisten sind Programm: Lucia - die Leuchtende, Luhmen - erinnert an den Lichtstrom, Balder - ein Lichtgott. Lebendige Lichter wollte er damit setzen gegen die Dunkelheit des Sterbens, sagte der Autor. Die „Diagnose Krebs war ein Donnerschlag, der sie von den Beinen gehauen hat“, schreibt er und gibt die Momentaufnahme eines wie sediert erscheinenden Lebens hinzu, dem gerade kein minimalinvasiver Eingriff bevorsteht. Der Autor lässt die Protagonisten sich erinnern an die lange Reihe von schonungslos und detailliert geschilderten Untersuchungen und ärztlichen Empfehlungen, die dem endgültigen Befund vorausgegangen sind. Und er lässt sie, ihre eigene Endlichkeit vor Augen, zurückblicken auf ihr Leben. Durch den Kopf rasen die wirrsten Gedanken und Assoziationen. Vieles dreht sich um Sex. Das ist naheliegend, denn schließlich sind es die Geschlechtsorgane, die von Krebs befallen sind. Er habe seinen Figuren den Krebs bewusst dorthin geschrieben, sagte Regenbrecht, um den Kontrast zwischen Lebensende und Leben weitergeben deutlich zu machen. „Sie dürfen ruhig mal lachen“, forderte er die Zuhörer nach dem ersten Lesezyklus auf. Doch bei diesem Thema stand offenbar niemandem der Sinn danach, auch wenn hier und da Wortwitz die bedrückenden Textpassagen auflockert.

Lucia will sich besinnen, den Sinn des Lebens ergründen, dem Leben in seiner letzten Phase einen neuen Sinn geben. Dem ewigen Polarsommertag will sie in Helsinki begegnen. Wo die Sonne, bevor sie für sie nie mehr aufgeht, für sie nie untergehen soll. Nach einer, die Sorgen betäubenden und dem Schicksal trotzenden durchzechten Nacht wird es dann Riga, wo sie den Johannistag am 24. Juni am Strand erlebt. Auch Balthasar ist am Strand, allerdings auf Kuba, wo er sich mit der ebenso schwarzen wie heißen Sheila amüsiert. Einen letzten Abend lang, für einen letzten Mojito und eine letzte stürmische Liebesnacht, bevor er zurück nach Deutschland, seinem Schicksal entgegenfliegt. Die eigentliche Operation komme bei beiden Protagonisten nur in der Reflektion vor, legte Regenbrecht dar und las von dem Danach. Lucias Aufenthalt im „Mekka der Karzinom-Patienten“. Mit Ironie und Humor zeichnet er ein typisches Bild von Patienten in Kurorten, die dank dieser Gäste wie ein einziges Sanatorium erscheinen. An der Stelle folgten die Zuhörer gerne der Aufforderung zum Lachen, zumal die Hoffnung der Protagonisten auf ein Glück im Unglück stimmungsaufhellend wirkte. In Lebenssituationen wie denen von Lucia und Balthasar ist Regenbrechts Motto „gestalten statt verarbeiten“. Das Ergebnis seines Gestaltens sind drei Gemälde in drei Wochen Ergotherapie. Das zweite stand während der Lesung auf einer Staffelei neben ihm. Er wählte es als Titelbild für sein Buch und stellte es jedem Kapitel voran. Es ist ein abstraktes Bild mit viel Licht im oberen Bereich und viel Dunkel im unteren. Dazwischen ein Gemisch aus roten, blauen und grünen Farbflächen, mit weißen Farbspritzern bekleckst. Lässt sich die von der Krankheit geprägte Regenbrechtsche Gefühlswelt hineindeuten oder ist es einfach nur ein weiteres Produkt seiner schon jahrelangen malerischen Kreativität? Sein Arbeitsgebiet sieht er jedenfalls nicht in der Malerei, sondern in der Sprache. Die Freude daran bedeute für ihn das Abenteuer Literatur, für das er mitten im (eigenen) Leben oft keine Zeit habe. Erst mit Distanz könne er schreiben. Nach der Buchvorstellung gab es für die Gäste die Gelegenheit, Regenbrecht-Bücher zu erwerben und signieren zu lassen.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
 
Weitere Artikel

Das Bilderbuchtheater in Sinzig

Mascha und der Bär

Sinzig. In einer liebevollen Inszenierung zeigt das Bilderbuchtheater diese für Kinder sehr lehrreiche Geschichte, die auf einem alten russischen Märchen basiert. Die kleine Mascha lebt mit ihrem Freund, dem Bär im Wald. An einem wunderschönen Tag hat der Bär Geburtstag. Klar, dass Mascha ihm für diesen Tag eine Geburtstagstorte backen möchte. Doch wie immer ist Mascha ziemlich zerstreut und bringt in ihrer etwas chaotischen Arbeitsweise einiges durcheinander. mehr...

Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied

25 Jahre Palliativstation

Neuwied. Vor 25 Jahren wurde die erste Palliativstation in Rheinland-Pfalz eingeweiht: im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth Neuwied – damals ein Pilotprojekt des Landes. Noch immer ist es Aufgabe der Mitarbeiter auf der Station, Patienten, die auf keine Heilung mehr hoffen können, ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen und ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Im therapeutischen Team sind neben... mehr...

Katholische Kindertagesstätte St. Peter

Dem Alltag entfliehen

Sinzig. Wer kennt ihn nicht, den Trubel der Arbeitswelt. Aufgaben, Anforderungen, zeitliche Vorgaben und, im Kindertagesstättenbereich vorrangig, die Bedürfnisse der kleinen Menschen, aber auch ihrer Familien, welchen die Betreuerinnen mit Aufmerksamkeit und Wertschätzung begegnen möchten. Da bleibt wenig Raum für kollegialen Austausch und die Schaffung von Nähe und Atmosphäre, die allen Mitgliedern des Kollegiums der Kita St. mehr...

Weitere Artikel

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel

Rettung in letzter Sekunde

Schalkenbach. Diese beiden Katzenbabys, drei Wochen alt, wurden an einer Straße in der Grafschaft in letzter Sekunde gerettet. Immer wieder werden hilflose Kätzchen verlassen aufgefunden. mehr...

Technisches Hilfswerk Ortsverband Sinzig

THW Sinzig bei Großübung an der AKNZ

Ahrweiler/Sinzig. Hangrutsch, Hauseinsturz, Überschwemmung und vermisste Personen nach einem schweren Hagelsturm: Für solche Großschadenslagen werden die Helferinnen und Helfer des THW ausgebildet. Damit ein Einsatz in so großen Dimensionen koordiniert abläuft, muss die Führung der eingesetzten Einheiten reibungslos funktionieren. Das übten die Fachgruppen Führung/Kommunikation (FK) des Landesverbandes Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland nun vor Kurzem. mehr...

St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Sinzig

Besuch der Vulkanbrauerei

Sinzig/Mendig. Einen schönen Tag verbrachten die Teilnehmer des Vereinsausfluges in der Vulkanbrauerei in Mendig. Zunächst ging es in die Filmvorführung. Hier wurden sehr plastisch die Eruptionen der Vulkane und die sich dadurch veränderte Landschaft in der Eifel dargestellt. Heute noch brodelt es im Laacher See, das zeigt, dass tief im Innern der Erde noch Aktivitäten stattfinden. Der Gang durch die Ausstellung war auch sehr interessant. mehr...

Weitere Artikel

Bücherherbst in Sinzig

Malerei, Musik, Lyrik und Bücherflohmarkt

Sinzig. Traditionell bietet die Sinziger Buchhandlung „Lesezeit, Bücher und Wein“ am 3. Oktober den diesjährigen „Bücherflohmarkt“ vor dem Rathaus an. Ab 9 Uhr wird der Kirchplatz für einen Tag zum größten Bücherflohmarkt der Umgebung. Pro Stand wird eine Gebühr von 3 Euro erhoben, die vor Ort gezahlt werden kann. Was viele Literaturfreunde in die Barbarossastadt lockt, wird dieses Jahr durch Angebote von Michael Nitsche und der deutsch-finnischen Gesellschaft erweitert. mehr...

Närrische Buben Sinzig

Närrische Buben sind online

Sinzig. Unter der neuen Adresse www.naerrischebuben.de präsentieren sich die „Närrischen Buben Sinzig“ jetzt in neuem Design und mit komplett neuen Inhalten im Internet. Die Verantwortlichen haben sich einiges ausgedacht, damit Interessierte einfacher, aktueller und anregender informiert werden können. Am wichtigsten war dabei, dass Besucher sich möglichst schnell und einfach auf der neuen Webseite zurechtfinden. mehr...

Wonnegauer Puppentheater

Die Abenteuer der Hexe Lilli

Sinzig. Das Puppentheater mit der Geschichte „Die Abenteuer der Hexe Lilli“ kommt am Samstag, 30. September nach Sinzig ins Katholische Pfarrheim St. Peter in den Kolpingraum. Beginn ist um 16, Einlass ab 15.30 Uhr. Die Puppen (Stab-Marionetten und Handpuppen) sind bis zu 1,20 m groß und sind voll beweglich, das heißt sie können Mund, Augen und Arme bewegen. Die Puppen sprechen also den Text richtig mit. mehr...

gesucht & gefunden
Kommentare
Michael Daum:
Eine wichtige Info fehlt in diesem Beitrag: Wie viele interessierte Bürger haben denn an der Veranstaltung teilgenommen?
Armin Linden:
Ich muss Nicole777 abosolut beipflichten. Der Deutsche freiwillig, der Somalier auf PsychKG. etabliert incl. Vollpension. Ich habe seit Jahrzehnten, nicht soviele desolate Vorgänge, spéziell hier im AW Kreis erlebt. Alles schaut zu. Die KV. AW., Polizei & Gesundheitsämter halten sich alle generell fein säuberlich zurück. Die Polizei AW. könnte man glatt schliessen. Keiner merkt es mehr. Diese BRD & dieser L.K., ist bei "Lawrence von Arabien" Stilecht angekommen. Nur erhielt Peter O´Toole mehrere Oscars. Zustände wie bei Idi Amin im Kongo seinerzeit ! Hier funktioniert nur noch das Job-Center, Sachbearbeitung bis der Arzt kommt, Haft für Knöllchen u. GEZ.
Nicole777:
Der Deutsche ist also auf freiwilliger Basis in der Psychiatrie und der Somalier aufgrund des PsychKG eingewiesen. Beide begehen die gleiche Straftat und werden unterschiedlich behandelt. Wenn sich beide Männer in einer psychiatrischen Einrichtung befinden - egal ob freiwillig oder nicht -, gehe ich davon aus, dass BEIDE psychisch erkrankt sind. Diese Ungleichbehandlung erschließt sich mir nicht ...

Verdonk beim Länderspiegel

Marion Morassi:
Wahlkampfunterstützung durch einen öffentlich rechtlichen Sender, mit GEZ Gebühren?
Regionale Kompetenzen

 
Service
Lesetipps
GelesenBewertet