Allgemeine Berichte | 17.12.2014

Ausstellung im Mittelrhein-Museum Koblenz

›Philipp Dott - Ein „immer ruheloser Künstler" prägte seine Region‹

Bis zum 8. März 2015

Marietta Gantner (li.), Museumsdirektor Dr. Matthias von der Bank und Dipl. Päd. Nora Löhr inmitten der Ausstellung. Nora Löhr, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Museums zuständig ist, brachte - so Gantner „viele gute Ideen in die Ausstellung mit ein“.

Koblenz. Der Koblenzer Kunstmaler Philipp Dott starb im Alter von 58 Jahren, am 1. Mai 1970. Das Mittelrhein-Museum zeigt in der Kabinett-Ausstellung ›Philipp Dott – Ein „immer ruheloser Künstler" prägte seine Region‹ bis zum 8. März 2015 mehr als dreißig Originale des Künstlers.

Der Sammlungsauftrag

Es ist die erste Retrospektive nach seinem Tod. Sieben seiner Arbeiten befinden sich im Museumsbestand, die restlichen sind eine Leihgabe des Sammlerehepaars Marita und Hermann Warnke. Zur Ausstellungseröffnung sprach Dr. Matthias von der Bank, Direktor des Mittelrhein-Museums, über den Sammlungsauftrag des Hauses, mit dem einhergehe, dass Werke manchmal Jahre und Jahrzehnte im Depot aufbewahrt werden, weil auf eine gute Gelegenheit gewartet werde, sie zu präsentieren. Die gute Gelegenheit bot sich jetzt mit der noch von seinem Vorgänger, Dr. Markus Bertsch, geplanten Präsentation, die eine kleine, aber repräsentative Auswahl aus dem Schaffen Dotts zeige, dessen erstes Bild schon 1967, also noch vor seinem Tod, in die Sammlung des Museums aufgenommen wurde. Mit Kabinett-Ausstellungen wie dieser, sagte von der Bank, wolle das Museum vorzugsweise Künstler präsentieren, die in irgendeiner Weise repräsentativ für Koblenz seien, was für Dott wahrlich zutreffend ist. Koblenz-Metternich war seine Heimat, auch wenn er 1912 in Neuwied geboren wurde. Der gelernte Zimmermann eignete sich das Kunsthandwerk autodidaktisch an. Seine Spuren sind noch heute vielerorts in Koblenz, vor allem in Metternich und Güls, zu sehen. Es sind die unzähligen Sgraffiti (Reliefs, die in einer Kratzputztechnik erstellt werden), die er ab 1950 schuf. Zu den bedeutendsten gehören die als Auftragsarbeit 1963 entstandenen Darstellungen des Leidenswegs Jesu in den Bildstöcken am Gülser Kreuzweg am Heyerberg. Mit dieser Technik sei Dott dem Zeit-Trend gefolgt, die meist nüchternen Haus-Fassaden der Nachkriegsarchitektur durch künstlerische Gestaltung aufzupolieren. Die von ihm an Privathäusern und öffentlichen Gebäuden ausgeführten Wand-Reliefarbeiten werden innerhalb der Ausstellung als Fotosammlung gezeigt. Kuratorin der Ausstellung ist Marietta Gantner, M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mittelrhein-Museum.

Die Ruhelosigkeit des Künstlers

Sie zeigte sich überwältigt von dem großen Interesse an der Ausstellung, zumal dem Künstler nach seinem Tod nur noch wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Mit dem Untertitel der Ausstellung greift das Museum ein Zitat der Rhein-Zeitung auf, die Dott 1970 als einen „immer ruhelosen Künstler" bezeichnet hatte. Ruhelos vielleicht nicht nur wegen seines vielseitigen künstlerischen Tuns – neben den Sgraffiti fertigte er Skulpturen, Ölgemälde, Aquarelle und Tuschezeichnungen und bemalte Fahnenstoffe, wonach zum Beispiel die „Eulefahn" der Metternicher Kirmesgesellschaft entstand. Die Ruhelosigkeit des Künstlers äußert sich möglicherweise auch in der dynamischen Linienführung, die besonders bei den Zeichnungen auffällt, die von einer kubistischen Formensprache geprägt sind, wie Gantner aufzeigte. Sie wies zudem auf die oft starken Farbkontraste in seinen Gemälden hin.

Werk mit Lokalkolorit

Als Zeichner und Karikaturist arbeitete Dott für die Tageszeitung Rhein-Post von 1959 bis 1964. Mit seinen Tuschezeichnungen widmete er sich städtischen Alltagsthemen und brachte so reichlich Lokalkolorit in sein Werk. Etliche dieser Karikaturen, die eine nur mühsam vorankommende Straßenbahnlinie 1, der zu „Rhein in Flammen" wahrhaftig in Flammen stehende Rhein oder tanzende Winninger Hexen darstellen, vereint die Ausstellung an einer Wand. Gantner beschrieb Dotts Kunst als eine sehr zugängliche, die den Betrachter manches Mal mit ungewöhnlichen Perspektiven wie der Vogelperspektive oder einer extremen Nahansicht erstaune. Das großformatigste Gemälde der Ausstellung, die „Apokalyptischen Reiter" in Dotts Version, erhielt das Mittelrhein-Museum im Jahr 2012 als Schenkung. Sehr stolz sei das Museum darauf, so Gantner, in der Ausstellung eines der wenigen plastischen Werke des Künstlers präsentieren zu können: Die Holzskulptur „Madonna mit Kind".

Besessen von der Kopf

Marita Warnke, die fast dreihundert Arbeiten des Künstlers im Laufe vieler Jahre zusammengetragen hat, hatte Dott, wie sie bei der Ausstellungseröffnung erzählte, während ihrer Lehrzeit persönlich kennengelernt und nannte den in Koblenz als „Dotte-Philipp" bekannten, einen höflichen, charmanten Mann. Ein „armer Schlucker" soll er gewesen sein, daran änderten offenbar auch die Ausstellungen 1965 im Kurfürstlichen Schloss und 1969 in der Rhein-Mosel-Halle nichts. Dennoch sei er geradezu besessen gewesen von der Kunst. Ihr erstes Dott-Bild, ein kleinformatiges Aquarell, das eine Szene in einer Gartenwirtschaft in den Rheinanlagen im Jahr 1936 zeigt, habe ihr Vater ihr geschenkt. Damit habe ihre Sammelleidenschaft begonnen.

Finissage am 8. März 2015

Um möglichst viele Menschen in den Genuss kommen zu lassen, einen „Dott" ihr eigen zu nennen, ließ Warnke einen Kalender für das Jahr 2015 mit vielen seiner Koblenzer Motive produzieren, der unter anderem im Mittelrhein-Museum erhältlich ist. Eine besondere Gelegenheit, sich dem Künstler und seinem Werk zu nähern, bietet zur Finissage am 8. März 2015, um 15 Uhr die Kuratorenführung mit Marietta Gantner.

Marietta Gantner (li.), Museumsdirektor Dr. Matthias von der Bank und Dipl. Päd. Nora Löhr inmitten der Ausstellung. Nora Löhr, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Museums zuständig ist, brachte - so Gantner „viele gute Ideen in die Ausstellung mit ein“.
›Philipp Dott - Ein „immer ruheloser Künstler" prägte seine Region‹

Besucher vor dem Gemälde „Die Apokalyptischen Reiter".

Marietta Gantner (li.), Museumsdirektor Dr. Matthias von der Bank und Dipl. Päd. Nora Löhr inmitten der Ausstellung. Nora Löhr, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Museums zuständig ist, brachte - so Gantner „viele gute Ideen in die Ausstellung mit ein“.

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