Politik | 25.04.2016

Sachverständiger übergibt Gutachten dem Kirchwalder Gemeinderat

Naturdenkmal Dicke Eiche bleibt erhalten

Kirchwalds Ortsbürgermeister Erich Pung (l.) nimmt von Baumfachmann Peter Wirges das neuerliche Gutachten zum Gesundheitszustand der Dicken Eiche in Empfang. WE

Kirchwald. Mit einem geschätzten Alter von über 500 Jahren steht mit der „Dicken Eiche“ unterhalb von Kirchwald und oberhalb des Netteufers gelegen eines der imposantesten Naturdenkmäler des Kreises Mayen-Koblenz. Seit 1935 steht die Eiche unter Denkmalschutz. Eigentümer des Baumes ist die Gemeinde Kirchwald, die aber ohne Zustimmung des Kreises handlungsunfähig ist - eben wegen des bestehenden Denkmalschutzes. Und Handlungsfähigkeit war gefragt, als vor einigen Jahren, für Wanderer gut sichtbar etwa ein Meter über dem Erdboden eine große Stelle Braunfäule durch Befall mit dem Pilz Schwefelporling festgestellt wurde. Schon im Jahr 2012 untersuchten Fachleute den Baum, um Aussagen treffen zu können zur Verkehrssicherheit und um Maßnahmen zur Lebensverlängerung zu empfehlen. Aufzuhalten ist der schleichende Tod dieses mächtigen Baumes nämlich nicht.

Nach der Untersuchung des vermuteten früheren Grenzbaumes, die beim Menschen in etwa einer Computertomographie vergleichbar ist, schätzten die Baumexperten seinerzeit noch zwischen 5 und 30 Jahren Lebenszeit, vielleicht noch ein paar mehr, wenn es zahlreiche feuchte Frühjahre und Sommer geben würde.

Weil vermutlich Wanderer im vergangenen Jahr weitere Rindenteile über den faulen Baumteilen entfernt hatten und die Schadstelle dadurch einen vermeintlich viel größeren Eindruck machte, entschloss sich die Gemeinde Kirchwald eine erneute Untersuchung durch Fachleute in Auftrag zu geben. Vorgenommen hat die Untersuchung Ende vergangenen Jahres Peter Wirges aus Bendorf. Dem Sachverständigen für Baumpflege, Baumstatik und Baum-Habitusstrukturen kurz vor dem Abschluss zum Gerichtsgutachter ist die Dicke Eiche mittlerweile „ans Herz gewachsen“. Immer wenn er beruflich in unserer Region unterwegs ist, stattet er „seinem Liebling“ einen kurzen Besuch ab.

Erstaunliche Vitalität

Anlässlich einer Sitzung des Kirchwalder Gemeinderates hat der Baumfachmann Wirges jetzt Ortsbürgermeister Erich Pung und dem Gemeinderat das erstellte Gutachten übergeben. Die computertomografische Untersuchung, bei der etwa 1 Meter über dem Erdboden mit einem Laptop verbundene Sensoren an der Ei-che befestigt wurden, ergab eine erstaunliche Vitalität des Baumes. Mit kleinen Hammerschlägen auf die Sensoren wurden Schallwellen erzeugt, die in gesundem oder krankem Holz sowie möglichen Hohlräumen unterschiedliche Laufzeiten aufweisen und im Laptop gesammelt wurden. Der fertigte anschließend in unterschiedlichen Farben ein Bild daraus, das den Krankheitsfortschritt doku-mentiert. Später wurde die Prozedur in größerer Höhe in gleicher Form wieder-holt. Die Messergebnisse lassen sich in etwa so zusammenfassen: Die Faulstelle hat zwar unaufhörlich zugenommen, gleichzeitig hat der Baum aber mit Jahres-ringen auch neues Stammholz gebildet. „Wir möchten den Baum unbedingt noch für unsere Kinder erhalten“ so Ortsbürgermeister Pung, der sich über die neuerlichen Ergebnisse sehr erfreut zeigte.

Nach dem Motto „Wie hohl darf ein Baum sein“ wurde von Peter Wirges und seinem Team auch ein Zugversuch an der Eiche unternommen, der die Windstärke 12 simulierte und in dem dicht bewaldeten Gebiet als sehr unwahrschein-lich gilt. Dabei stellte sich heraus, dass die geforderte 1,5-fache Standsicherheit der Dicken Eiche auf jeden Fall noch für lange Zeit gegeben sein wird. Baum-fachmann Wirges empfiehlt jedoch noch jetzt direkt vor dem Austrieb einen ha-bituserhaltenden Rückschnitt der Krone, bei dem etwa 60 m² der über 300 m² Kronenfläche entfernt werden und damit bei stärkerem Wind etwa 200 Tonnen Last vom Wurzelhals.

Über die Kosten wird man sich noch einige Gedanken machen müssen. Der denkmalgeschützte Baum „gehört“ nämlich der Gemeinde Kirchwald vertreten durch Ortsbürgermeister Erich Pung, der damit eigentlich die Kosten tragen muss. Herr Pung kann aber ohne die Einwilligung der Unteren Naturschutzbe-hörde des Landkreises nichts entscheiden. Zum Nutzen des imposanten Natur-denkmals Dicke Eiche wird hier aber sicher in Kürze eine einvernehmliche Regelung getroffen werden.

WE

Computertomografische Untersuchung an der Dicken Eiche. Die mit leichten Hammerschlägen erzeugten Schallwellen werden im Laptop zu einem aktuellen Krankheitsbild zusammengefasst.

Computertomografische Untersuchung an der Dicken Eiche. Die mit leichten Hammerschlägen erzeugten Schallwellen werden im Laptop zu einem aktuellen Krankheitsbild zusammengefasst.

Die Dicke Eiche im Jahr 2012.

Die Dicke Eiche im Jahr 2012.

Kirchwalds Ortsbürgermeister Erich Pung (l.) nimmt von Baumfachmann Peter Wirges das neuerliche Gutachten zum Gesundheitszustand der Dicken Eiche in Empfang. Fotos: WE

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • U. M.: Hier wird unnötig Geld ausgegeben. Besser wäre es, die finanziellen Mittel an bestehende Projekte zu verteilen, anstatt etwas Neues aufzubauen.
  • Rainer Hohn: Es wirkt ziemlich befremdlich, in einem sensiblen Beitrag über suchtkranke und psychisch belastete Kinder ausgerechnet eine Osterwerbung für ein Brauhaus zu platzieren.
  • A. Abbasi : Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Ihnen eine wichtige Rückmeldung zu Ihrer Berichterstattung über die geplante Veranstaltung am Samstag in Bonn geben. In Ihrem Artikel wird die Zusammenkunft als Demonstration dargestellt.

Neulich vapend auf dem Schulhof

von Gregor Schürer

  • Ralf Peters: Super Rubrik und sehr lebensnahe Beiträge .... besonders der kürzliche Beitrag "Neulich auf der verwirrenden Brücke (in Bad Neuenahr". Einfach toll, das jemand den Spiegel 'unserer Gesellschaft in den Amtsstuben hoch- und vor Augen hält.
Dauerauftrag 2026
Daueranzeige 2026
Verena Schütz- Unterstützeranzeige _Gross
Hannelore Knabe
Torsten Welling & Martin Reis
Verena Schütz_Unterstützeranzeige_SeniorenUnion
Frühlingserwachen
Ostereierschießen Oberbreisig
Empfohlene Artikel
Jürgen Schmied Foto: privat
92

Asbach/Bad Hönningen/Linz/Rengsdorf-Waldbreitbach/Unkel. Der Wahlkreis 3 (Asbach, Bad Hönningen, Linz am Rhein, Rengsdorf-Waldbreitbach, Unkel) hat gewählt: Jürgen Schmied (CDU) holt mit 40,5 Prozent der Stimmen das Direktmandat und zieht in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Dahinter folgen Marie-Christin Ockenfels (SPD, 23,0 Prozent), Nick Baltrock (AfD, 17,3 Prozent), Ute Ernst (Grüne, 10,1...

Weiterlesen

Peter Moskopp Foto: privat
242

Bendorf/VG Höhr-Grenzhausen/VG Vallendar/VG Weißenthurm. Der Wahlkreis 10 (Stadt Bendorf, VG Höhr-Grenzhausen, VG Vallendar, VG Weißenthurm) hat gewählt: Peter Moskopp (CDU) holt mit 39,5 Prozent der Stimmen das Direktmandat und zieht in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Dahinter folgen Kai Dommershausen (SPD, 25,9 Prozent), Thomas Damson (AfD, 18,3 Prozent), Thomas Heinemann-Hildner (Grüne,...

Weiterlesen

Jens Münster Foto: privat
155

Kreis Cochem-Zell. Der Wahlkreis 15 (VG Cochem, VG Kaisersesch, VG Ulmen, VG Zell/Mosel) hat gewählt: Jens Münster (CDU) holt mit 41,0 Prozent der Stimmen das Direktmandat und zieht in den rheinland-pfälzischen Landtag ein. Dahinter folgen Benedikt Oster (SPD, 29,6 Prozent), Ralf Kelch (AfD, 16,9 Prozent), Christian Ott (Grüne, 5,6 Prozent), Carsten Kasper (FDP, 3,4 Prozent), Bernhard Keppelen (BSW, 2,3 Prozent) und Karl Habermann (ÖDP, 1,2 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 71,6 Prozent.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Björn Ingendahl (parteilos) Foto: privat
161

Remagen. Remagen hat gewählt: Björn Ingendahl (parteilos) bleibt Bürgermeister der Stadt. Der bisherige Amtsinhaber setzte sich mit 66,9 Prozent der Stimmen gegen Rita Schäfer (parteilos, 21,0 Prozent) und Matteo Pedicillo (AfD, 12,2 Prozent) durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,8 Prozent. BA

Weiterlesen

Mark Geimer (parteilos) Foto: privat
373

Bad Hönningen. Bad Hönningen hat gewählt: Mark Geimer (parteilos) erhielt mit 45,0 Prozent die meisten Stimmen vor Volker Risse (CDU, 37,6 Prozent) und Francesco Lopez (17,4 Prozent). Da keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit erhielt, gehen Geimer und Risse in die Stichwahl. Die Wahlbeteiligung lag bei 57,2 Prozent. BA

Weiterlesen

Image Anzeige
Holz Loth-Entsorgung
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, März 2026
Handwerkerhaus
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0187#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0187#
Stellenanzeige Berichtsabteilung
Stellenanzeige
Frühlingserwachen Mendig
Frühlingserwachen Sinzig
Sinziger Frühlingserwachen
Titelanzeige
Ostereierschießen in Oberzissen
Ostereierschießen in Oberzissen
Ostereierschießen Oberbreisig