Udo Bürger aus Unkelbach veröffentlicht neues Sachbuch

„Westfälische Unterwelt“

Autor schildert historische Kriminalfälle und Hinrichtungen

„Westfälische Unterwelt“

Autor Udo Bürger. Foto: privat

05.12.2014 - 12:27

Unkelbach. Der Remagener Autor Udo Bürger hat schon mehrere Bände zur Kriminalgeschichte der Eifel, Kölns und Aachens im 18. und 19. Jahrhundert veröffentlicht. In seinem letzten Buch „Rheinische Unterwelt. Kriminalfälle im Rheinland von 1815-1918“, erschienen im Emons-Verlag Köln, weist er 127 Hinrichtungen nach, die in dem besagten Zeitraum im Gebiet der früheren preußischen Rheinprovinz vorgekommen sind, wobei Köln mit 32 Hinrichtungen an erster Stelle rangiert.

Das neue, 320 Seiten umfassende Buch „Westfälische Unterwelt. Historische Kriminalfälle und Hinrichtungen in Westfalen“, das im Ardey-Verlag Münster erschienen ist, hat die Kriminalität in der früheren preußischen Provinz Westfalen - weitgehend identisch mit dem heutigen Landesteil von Nordrhein-Westfalen - zum Inhalt. Wenn über die meisten der hier dargestellten Kriminalfälle bislang noch wenig oder gar nichts bekannt war, mag das daran liegen, dass die Quellenlage sehr schwierig ist. Die Originalprozessakten aus jener Zeit sind heute zum größten Teil nicht mehr überliefert, sodass neben dem sonstigen Archivmaterial ein Hauptteil der Informationen zu den damaligen Kriminalfällen und Prozessen aus zeitgenössischen Zeitungsartikeln stammt. Da die meisten Zeitungen früher noch sehr lokal ausgerichtet waren, hat es sich als zweckmäßig erwiesen, solche Zeitungen zu bearbeiten, die in der gleichen Stadt erschienen sind, in der auch die Prozesse stattfanden.

Was für die einzelnen Kriminalfälle gilt, ist auch für die im Bearbeitungszeitraum erfolgten Hinrichtungen zutreffend, nämlich dass bisher noch relativ wenig darüber herausgefunden wurde. Das vorliegende Buch bietet erstmalig eine detaillierte und wahrscheinlich vollständige Erfassung von insgesamt 56 Hinrichtungen in Westfalen von 1815 bis 1918. Dass es im Rheinland mehr als doppelt so viele Hinrichtungen gab, ist auf eine entsprechend größere Bevölkerungszahl zurückzuführen.

Die Exekutionen fanden in aller Regel in jenen Städten statt, in denen von Seiten der Schwurgerichte auch die Todesurteile gefällt worden sind. Das waren in der preußischen Provinz Westfalen die Städte Münster (mit elf Hinrichtungen), Dortmund (zehn), Bielefeld, Hagen und Hamm (jeweils sieben), Bochum (fünf), Arnsberg (vier), Herford und Lübbecke (jeweils zwei) sowie Paderborn mit einer Hinrichtung. Die Todesurteile wurden hier überwiegend mittels des Richtbeils (mit dem dazugehörigen Richtblock) vollstreckt, in wenigen Fällen auch noch mit dem Rad. Da die eigentlich zur Abschreckung dienenden öffentlichen Hinrichtungen oft von Tausenden von Menschen besucht wurden und den Charakter von Volksbelustigungen anzunehmen drohten, ging man ab 1851 dazu über, die Exekutionen unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit innerhalb der Gefängnisse auf den Gefängnishöfen der einzelnen Städte vollziehen zu lassen.

Eine Verurteilung zum Tode musste aber nicht zwangsläufig auf eine Hinrichtung hinauslaufen. Den preußischen Monarchen oblag in letzter Instanz das nicht selten beanspruchte Recht, zum Tode Verurteilte zu begnadigen, die dann meist mit einer lebenslänglichen Haftstrafe davonkamen. Auch solche Fälle mit nicht vollstreckten Todesurteilen werden im vorliegenden Beitrag berücksichtigt. Durch die Schilderung der einzelnen Kriminalfälle und der Umstände, die dazu geführt haben, spiegeln sich in dem Buch die sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergründe Westfalens im 19. Jahrhundert wider. Hier drängt sich der Eindruck auf, dass die westfälische Bevölkerung in den zerstreut liegenden Ort- und Bauerschaften auf dem Land in oft kinderreichen Familien genauso hart für ihren Lebensunterhalt kämpfen musste wie in den größeren Städten mit ihren beengten Wohnverhältnissen. Die Industriebezirke und Zechen boten zudem oft nur schlecht bezahlte Arbeitsplätze und unsichere Arbeitsbedingungen. Dass es unter solchen Voraussetzungen auch zu verbrecherischen Übergriffen kam, verwundert nicht.

Bürger, Udo: Westfälische Unterwelt. Historische Kriminalfälle und Hinrichtungen in Westfalen, Ardey-Verlag Münster, 320 Seiten, ISBN 978-3-87023-376-1, Preis: 14,95 Euro.

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Kommentare
Gudrun Freier:
Schön, dieser Bericht von dem großen Ereignis
Michael Daum:
Es ist wirklich unfassbar! Jetzt wo das bestellte Gutachten nicht das erhoffte Ergebnis zeigt, ist es plötzlich nicht aussagekräftig bzw. war nicht umfangreich genug. Da man sich ja offenbar so in die alternativlose Einschätzung verrannt hat, dass Bad Breisig ohne Therme nicht vorstellbar ist, fragt man sich doch, warum man dann Geld (ich meine mal etwas von 30.000€ gelesen zu haben) für ein Gutachten verschwendet. Offenbar sind nur Gutachten, die die eigene Weltsicht unterstützen, ordentliche Gutachten. Und wenn die Ergebnisse erst dann vorliegen, nachdem die Weichen für eine Sanierung schon gestellt sind, spricht das auch für sich. Eine merkwürdige Einstellung und sicherlich eine gute Erklärung für die vielen Probleme der Stadt. Wenn man auf die hohe Lebensqualität in der Stadt abstellt, so sollte man vielleicht auch mal darlegen, wie man diese auf lange Sicht zu finanzieren gedenkt. Leider ist die Enteignung der Bürger über immer höhere Steuern und Abgaben ja zu einfach.
Uwe Klasen:
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank dass Sie mit jeder Zeile ihrer Kommentare meinen Eindruck, den ich von ihnen gewonnen habe, bestätigen! Zum Leidwesen der meisten anderen Menschen scheinen Sie sehr Intolerant zu sein und Andersdenkende lieber zu diffamieren anstatt sich mit diesen Menschen auseinanderzusetzen bzw. auch deren Meinung gelten zu lassen!
juergen mueller:
Ich müsste mich eigentlich glücklich schätzen erfahren zu dürfen, dass es Menschen wie Sie gibt, die nie interpretieren, dafür aber aus dem Belehren nicht mehr herauskommen, was wie eine Zwangsjacke sein muss, deren Leben wohl nur aus Sachlichkeit und Objektivität besteht, Menschen, die andere, die nicht Ihre Meinung vertreten, in eine Schublade stecken und ihnen geistige Grundlagen unterstellen, die unsere Demokratie gefährden. Mein lieber Herr Klasen, nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich habe mein Leben lang mit Klugscheissern wie Ihnen zu tun gehabt und dies auch noch heil und geistig frisch überstanden u. mir meine persönliche, demokratisch verordnete Gedankenwelt erhalten. Und was mein Recht ist oder nicht, das können Sie selbst in Erfahrung bringen, wenn Sie sich einmal mit dem Wort Demokratie auseinandersetzen. Hierzu interpretiere ich z.B. WIKIPEDIA.
Uwe Klasen:
Her Mueller, Sie interpretieren anstatt sachlich und objektiv zu beurteilen! Es ist ihr gutes Recht ihre Ansichten bzgl. anderen Parteien kund zu tun, aber damit einhergehend ist es NICHT ihr Recht, Andersdenkenden etwas Vorzuwerfen was nicht ihrer persönlichen Gedankenwelt entspricht und dafür noch geistige Konstrukte zu bemühen die in dieser Art und Weise nicht existieren! Von welcher Partei werden die Autos der Mitglieder verbrannt oder die Hauswände ihrer Wohnhäuser (bestenfalls) mit Farbe beschmiert, welcher Partei werden regelmäßig die Büros zerstört? Das solche, undemokratischen (!), Handlungen, die auch auf solch geistigen Grundlagen wie z.B. ihren Kommentaren beruhen, wird die Demokratie MEHR gefährdet als durch die "AfD" oder "Die Linke"! Übrigens, eine direkte Demokratie, wie z.B. die, seit Jahrhunderten, funktionierende und sich daraus immer weiter entwickelnde Schweiz ist, entgegen ihren Ansichten, eine durchaus gute funktionierende Demokratie!
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