Politik | 29.10.2014

Dr. Hamid Reza Yousefi wurde seit dem Wintersemester dieses Jahres das Prüfungsrecht entzogen

Studenten empört über „universitäre Selbstverwaltung“

Dr. Hamid Reza Yousefi.

Koblenz. Das, was als „universitäre Selbstverwaltung“ gilt, bringt derzeit offenbar rund zweihundert Studierende am Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau in Rage. Die Einträge in der Anfang Oktober 2014 anonym eröffneten, mittlerweile mit mehr als 150 „Gefällt mir“-Klicks gekennzeichneten Facebook-Gruppe „Interkulturelle Gerechtigkeit - Wir kämpfen für Herrn Yousefi“ lassen erahnen, wie enttäuscht die Betroffenen von dem dort diskutierten Sachverhalt sind, und wie verfahren die Situation für alle Beteiligten inzwischen zu sein scheint.

Worum es überhaupt geht, darüber erhielt die Redaktion von „Blick aktuell“ jetzt einige Informationen mit der Bitte um Veröffentlichung.

Dem seit 2007 als Lehrbeauftragter und seit 2010 als Privatdozent für interkulturelle Philosophie und Geschichte der Philosophie an der Universität tätige Deutsch-Iraner, Dr. Hamid Reza Yousefi, der im Jahr 2010 an der Universität mit der Arbeit „Interkulturalität und Geschichte. Perspektiven für eine globale Philosophie“ habilitierte, wurde vorgeblich seit dem Wintersemester dieses Jahres das Prüfungsrecht entzogen, die Ethik-Veranstaltungen des Herausgebers zahlreicher philosophischer Schriften und wissenschaftlicher Arbeiten sollen vom Lehrplan der Universität gestrichen worden sein. Die pädagogischen Fähigkeiten ihres Ethik-Dozenten schätzen die Studierenden offenbar sehr. Sie schreiben auf der Facebook-Seite: „....sein Thema gut an seine Studenten vermitteln kann, sodass jeder der im Seminar sitzt, etwas für sein Leben lernt, seinen Horizont erweitert und so viel wie möglich vom Thema verinnerlicht!“ Mehr als vierzig Bachelor- und Masterarbeiten sowie Hunderte mündlicher Modulabschlussprüfungen soll er abgenommen haben, berichten die Studierenden.

In etlichen, emotional bedingt manchmal vielleicht auch ein wenig über das Ziel hinaus schießenden E-Mails haben sie sich bei dem seit Januar 2014 als Dekan des Fachbereichs 2 (Philologie/Kulturwissenschaften) eingesetzten Prof. Dr. Michael Klemm für „ihre Sache“ engagiert. Dass ein Teil dieser E-Mails auch in der Chronologie der Facebook-Gruppe veröffentlicht wurde, soll angeblich vonseiten der Universitätsleitung scharf verurteilt werden, weil es sich eben um Interna handele und zudem unwahre und rufschädigende Behauptungen veröffentlicht worden seien. Sogar juristische Schritte seien den Studenten bei weiterem Agieren in dieser Form angedroht worden. Noch etliche Namen anderer Dozenten werden genannt, die in der einen oder anderen Weise in die „Sache Yousefi“ verwickelt sein sollen, auch Schuldzuweisungen an dem „Fall Yousefi“ sind in der öffentlichen Diskussion zu finden. Der Dekan habe zwar mehrfach ein Gesprächsangebot zur Klärung und Entschärfung der Situation unterbreitet, aber die Studenten scheinen kein Vertrauen in ihn zu haben, zumal ihnen die von Klemm genannten „schwerwiegenden Gründe“, die letztlich dazu geführt haben sollen, Yousefi nicht länger im Curriculum einzusetzen, bis heute vorenthalten worden seien.

Die immer wieder als möglicher Grund in die öffentliche Diskussion einfließenden angeblich „nicht erstatteten Fahrtkosten“ können wohl kaum ein derart „schwerwiegender Grund“ sein, aber die Studierenden suchen eben nach Erklärungen und untersuchen dabei alle Eventualitäten.

Um eine Klärung für alle Seiten herbeizuführen und die Wogen der Empörung zu glätten, führt vermutlich kein Weg an der Einschaltung eines Mediators vorbei. Doch selbst hier scheint es keine Einigung über die „richtige“ Person zu geben. Die von der Universitätsleitung Vorgeschlagenen, lehnen die Studierenden ab, da sie ihnen Befangenheit unterstellen oder die Personen selbst gar die Vermittler-Rolle ablehnten.

Die Person, die die Studenten gerne als Ombudsmann sähen, scheinen wiederum von der Universitätsleitung nicht akzeptiert zu werden. Aus dem Dilemma kann dann wohl nur die Beauftragung eines neutralen, professionellen Mediators führen.

Aber was sagt eigentlich der zu alledem, dessentwegen es diese große Auseinandersetzung gibt? In erster Linie mache es ihn stolz, dass seine Studenten sich derart für ihn einsetzen, sagt er gegenüber „BLICK aktuell“. Ihr Votum dürfe nicht ungehört bleiben. „Studenten haben das Recht, im Rahmen der demokratischen Gesetzgebung ihre Meinung frei zu äußern und sich im Rahmen des geltenden Rechtes für verschiedene Dozenten und Meinungen frei einzusetzen“, rechtfertigt er ihre Kampagne im Internet. Hunderte Studierende habe er in Koblenz ausbilden dürfen. Dass er nun keine Prüfungen mehr abnehmen dürfe, weil seine Veranstaltung „aus den Curricula der Fächer herausgenommen und ins studium generale integriert wurde“, findet er enttäuschend und empörend, zumal die Kollegen zu dem „Warum“ schwiegen, seine schriftlichen Anfragen selbst an den Präsidenten der Universität, würden nicht beantwortet. Für das Wintersemester habe er sich nun erst einmal beurlauben lassen, will aber im Sommersemester wieder unterrichten.

Interne Personalangelegenheiten nicht öffentlich diskutieren

Natürlich hat auch die Redaktion von „BLICK aktuell“ bei der Universitätsleitung angefragt, um Erklärungen zu erhalten. Vom E-Mail-Account des Präsidenten erhielten wir von Esther Kraus am 21.10.14 folgende Antwort:

„Wir haben Verständnis für Ihr Interesse an der unten genannten Angelegenheit. Allerdings kann der Präsident der Universität - insbesondere auch vor dem Hintergrund der universitären Selbstverwaltung - keine internen Personalangelegenheiten der Fachbereiche öffentlich diskutieren.“ Das muss man sicherlich akzeptieren, auch wenn es der Sache zunächst nicht dienlich ist.

Den Studierenden, die sich so sehr engagieren für ihren Professor, bleibt also nur zu wünschen, dass ihrem Verlangen, „Herrn PD Dr. Hamid Reza Yousefi wieder im vollen Rahmen in Modul 2 mit Prüfungsrecht auszustatten“, doch noch entsprochen oder zumindest ein Kompromiss gefunden werden kann, mit dem alle leben können. BSB

Dr. Hamid Reza Yousefi.
Die „universitäre Selbstverwaltung“ hinter den Toren der Universität Koblenz-Landau, was die Personalie von Dr. Hamid Reza Yousefi ist für viele Studenten nicht nachvollziehbar.BSB

Die „universitäre Selbstverwaltung“ hinter den Toren der Universität Koblenz-Landau, was die Personalie von Dr. Hamid Reza Yousefi ist für viele Studenten nicht nachvollziehbar.Fotos: BSB

Dr. Hamid Reza Yousefi.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Daueranzeige
Essen auf Rädern
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Alles rund ums Haus
Ostergruß
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Stellenanzeige
Unterstützeranzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Empfohlene Artikel
Der Knotenpunkt Burgstraße Ostallee.
183

Lahnstein. Die Bürgerinitiative (BI) „Zurück zur ursprünglichen Verkehrsführung“ nimmt Stellung zu einem jüngst veröffentlichten Leserbrief in der lokalen Presse, in dem eine verbindliche Festlegung des Stadtrates auf die Ringlösung gefordert wird. Den Gegnern wird vorgeworfen, es mangele ihnen an seriösen Alternativen, sie würden wesentliche Punkte ausblenden und die Probleme der früheren Verkehrsführung ignorieren.

Weiterlesen

Wie gewohnt entwickelten sich während der Präsentation lebhafte Gespräche: Gemeinsam versuchte man, die Bilder zeitlich einzuordnen und die darauf abgebildeten Personen zu identifizieren.
21

Urbar. Kürzlich lud die FREIE LISTE – Bürger für Urbar e.V. erneut zum „ahle Bilda gugge“ ins Urbarer Bürgerhaus ein.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.
9

Ergebnisoffene Sondierungsgespräche der Sparkasse Westerwald-Sieg und Sparkasse Neuwied für eine Fusion werden nicht weiterverfolgt

Fokus der Sparkassen liegt auf eigenständiger Weiterentwicklung

Region. Nach intensiver und ergebnisoffener Prüfung haben die beteiligten Häuser (Sparkasse Westerwald-Sieg und Sparkasse Neuwied) entschieden, die Gespräche über eine mögliche Fusion nicht weiterzuführen.

Weiterlesen

Die Erwachsenengruppe ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.  Foto: privat
8

Die Magic Dancers Remagen stellen sich vor:

Ein traditionsreicher Verein mit Herz und Leidenschaft

Remagen. Die Magic Dancers Remagen sind ein traditionsreicher Verein mit Herz, Leidenschaft und einer besonderen Geschichte. Gegründet im Jahr 1993, gingen sie ursprünglich aus einer Aerobic-Gruppe hervor. Über die Jahre entwickelten sie sich stetig weiter und sind seit 2025 als eigenständiger Verein organisiert. Heute stehen die Magic Dancers für Gemeinschaft, Kreativität und tänzerische Vielfalt – und das generationenübergreifend.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Tag der offenen Tür
fit für`s Alter?
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige mehrere Stellen
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Anzeige KW 14
Ostergrußanzeige
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Unterstützeranzeige