Fronleichnam Tradition
Fronleichnamsprozession in Adenau unterstreicht Brauchtum
aus Müsch
Adenau. Fronleichnam – Hochfest des Leibes und Blutes Christi
Wie in jedem Jahr begingen die katholischen Christen das Fest Fronleichnam („vron lichnam“ bedeutet „Leib des Herrn“) mit Prozessionen, waren die Straßen und Plätze mit Blumenschmuck aufwändig dekoriert. Manche Bewohner hatten ihre Häuser individuell mit kleinen Altären und Blumenschmuck, auch Fahnenschmuck geschmückt. Das „Hochfest des Blutes und Leibes Christi“ findet regelmäßig am 2. Donnerstag nach Pfingsten bzw. dem Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest statt. In den heiligen Messen wurde an das Geheimnis der Eucharistie erinnert, in der anschließenden Prozession trugen die Priester die Monstranz mit dem Allerheiligsten. Sie schreiten unter einem Baldachin, dieser deutet darauf hin, dass nach der katholischen Lehre Christus selbst in der Gestalt der Hostie (Realpräsenz Christi im Tabernakel) durch die Straßen getragen wird. Der Priester hält beim eucharistischen Segen an den Altären die Monstranz mit verhüllten Händen, als Zeichen der Ehrfurcht.
Musikgruppen begleiteten die betenden Gläubigen auf dem Weg, in Adenau war es das Stadtorchster Adenau, die Prozession über die geschmückten Straßen wird als gelebtes Christentum verstanden. Die Kommunionkinder trugen nochmals ihre Festkleidung. An den geschmückten Altären, meist sind vier dekorierte Stationsaltäre mit Blumenschmuck und Ornamenten aufgebaut, werden Fürbitten gehalten, in den Pfarrkirchen wird abschließend der eucharistische Segen erteilt, zum „Tantum ergo“ und „Te Deum“, mit feierlichem Schellengeläut.
Das Pflücken der Blüten zum Gestalten der Blumenmotive wird landläufig als „Stroppen“ o.ä. bezeichnet, ein bis zwei Tage vor dem Fest zieht man durch die Felder und sammelt geeignete Blüten. Die Gestaltung der Bildmotive erfordert viel Arbeit, in den Pfarreien versucht man sich durch die Originalität der Bildmotive ehrgeizig zu überbieten.
Man geht davon aus, dass bereits 1246 im Bistum Lüttich erstmals eine Fronleichnamsfeier stattgefunden hat, die Augustinernonne Juliana von Lüttich soll eine hierfür begründende Vision gehabt haben, in Deutschland werden erste Feiern in den Jahren 1273 aus Benediktbeuren und im Jahr 1279 aus Köln berichtet; Papst Urban IV., der zuvor Erzdiakon in Lüttich war, hat das Fest später mit der Enzyklika „transiturus de hoc mundo“ für die gesamte römisch-katholische Kirche als verbindlich erklärt, der heilige Thomas von Aquin gilt als maßgeblicher Autor des Festtagsoffiziums. Maßgeblichen Einfluß an der Verbreitung des Festes hatten die Dominikaner. Das Geheimnis der Eucharistie ist wesentliches Element des Fronleichnamsgedankens. Das Fronleichnamsfest stieß teils auf heftige Ablehnung, so soll Martin Luther das Fest als „unbiblisch und schädlich“ bezeichnet haben. Nach dem Konzil von Trient wurde mit der Fronleichnamsprozession auch eine Art Machtdemonstration ausgeübt. Die nicht katholischen Christen feiern das Fest nicht, auch wird das Fest in einigen Bundesländern nicht als Feiertag begangen.
Außer in Fußprozessionen finden beispielsweise auch Schiffsprozessionen statt, so die bekannte „Mülheimer Gottestracht“ bei Köln, bei der ein „Sakramentsschiff“ von weiteren Schiffen begleitet wird.
Die Prozession wurde in Adenau von der Freiwilligen Feuerwehr als Zugsicherung, den Adenauer Vereinen, den drei Zünften, dem Stadtorchester Adenau begleitet. Pfarrer Dr. Rainer Justen dankte allen für ihre Teilnahme. Die Fronleichnamsprozession verkörpert sichtbar christlichen Glauben und unterstreicht die Aufrechterhaltung von Tradition und Brauchtum. In der VG Adenau finden auch in weiteren Orten Prozessionen statt.
Text und Fotos: Werner Dreschers
Regelmäßig nehmen die Adenauer Vereine, die drei historischen Zünfte, die Feuerwehr am Prozzessionszug teil Foto: Werner Dreschers
Aufwändige Bildmotive werden mit Blütenblättern gestaltet, hier das Motiv vor dem Adenauer Rathaus Foto: Werner Dreschers
Dem Baldachin mit dem Pfarrer, der die Monstranz trägt, folgen die fahnen- und standartentragenden Vereine und die Gläubigen Foto: Werner Dreschers
