Nick Falkner, Geschäftsführer und Gründer der Stiftung Ahrtal, zieht Bilanz
Fünf Jahre nach der Flut: „Es braucht ein Ahrtal-Gefühl, eine Ahrtalliebe“
Fünf Jahre sind seit der Flut vergangen. BLICK aktuell sprach mit Nick Falkner, Geschäftsführer und Gründer der Stiftung Ahrtal, und fragte: Was ist in den vergangenen fünf Jahren gut gelaufen? Wo gibt es noch Nachholbedarf?.
BLICK aktuell: Was waren für Sie die größten Meilensteine im Wiederaufbau?
Nick Falkner: Ich denke, der größte Meilenstein war, dass viele Menschen überhaupt wieder ein Zuhause bekommen haben und dass das öffentliche Leben Schritt für Schritt zurückgekehrt ist. Schulen, Kindergärten, Vereine und zahlreiche Unternehmen konnten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Gleichzeitig ist unglaublich viel privates Engagement entstanden. Tausende Ehrenamtliche, Vereine und Initiativen haben in den ersten Tagen und Wochen angepackt und viele begleiten den Wiederaufbau bis heute. Das hat gezeigt, was möglich ist, wenn eine Gesellschaft zusammenhält.
BLICK aktuell: Wo hätte es besser laufen können und was muss noch dringend erledigt werden?
Nick Falkner: Viele Betroffene hätten sich schnellere Entscheidungen und weniger Bürokratie gewünscht. Gerade bei Förderverfahren oder Genehmigungen ist viel Zeit verloren gegangen. Gleichzeitig gibt es auch heute noch zahlreiche Menschen, deren Häuser noch nicht vollständig wiederhergestellt sind oder die weiterhin auf Maßnahmen warten. Es ist „zu spät“ noch zu handeln. Es ist weiterhin notwendig, politisch Maßnahmen zu ergreifen. Besonders wichtig ist, jetzt aber zusätzlich den Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur konsequent abzuschließen und gleichzeitig den Blick nach vorne zu richten: Hochwasserschutz, Katastrophenvorsorge und ein krisenfester Wiederaufbau müssen dauerhaft Priorität haben. Dort hängen wir Jahre hinterher.
BLICK aktuell: Nach der Flut war der Zusammenhalt groß – spüren Sie diesen Zusammenhalt heute immer noch?
Nick Falkner: Ja, allerdings hat er sich verändert. Die enorme Welle der spontanen Hilfsbereitschaft aus den ersten Monaten kann man nach fast fünf Jahren natürlich nicht mehr erwarten. Trotzdem erleben wir täglich, dass Menschen weiterhin Verantwortung übernehmen – sei es im Ehrenamt, in Vereinen oder durch Spenden und Unterstützung. Gleichzeitig merkt man aber auch, dass viele Betroffene nach den langen Belastungen erschöpft sind und eine aktive Einbindung in die Dorfgemeinschaft darunter leidet. Umso wichtiger ist es, dass der Zusammenhalt nicht nur in Krisen sichtbar wird, sondern dauerhaft erhalten bleibt. Es braucht ein Ahrtal-Gefühl, eine Ahrtalliebe, die aktiv mit Maßnahmen unterlegt wird. Denn der Wiederaufbau endet nicht mit der Fertigstellung eines Hauses – er betrifft auch das gesellschaftliche Miteinander. Diese Entwicklung entscheidet am Ende über die Zukunft unserer Heimat. ROB
Nick Falkner. Foto: privat