BUND fordert Aufklärung von Umweltministerin Ulrike Höfken
Gefahr am Trierbach und der Ahr?
Kelberg. Im November 2013 kommt es zu einem Großbrand in einem Gewerbegebiet von Kelberg. Große Mengen von hochgiftigem Löschwasser, belastet mit erheblichen Mengen gefährlicher, krebserregender Schadstoffe (Schwermetalle, Aluminium, Dioxine, Furane und Tenside), müssen danach ordnungsgemäß entsorgt werden.
Nach Darstellung des Abwasserzweckverbandes „Oberes Trierbachtal“ kam es ab dem durch Anspringen des Regenüberlaufs vor der Kläranlage durch Regenwasserzulauf im Februar oder März zum Eintrag von ungeklärten Schadstoffen aus kommunalem Bereich. „Der BUND und die Öffentlichkeit erfahren in diesem Zusammenhang, dass in den Klärteichen der kommunalen Kläranlage dieses hochgiftige Löschwasser mit einer Menge von 2400 Kubikmetern seit mehreren Monaten ‚unter freiem Himmel‘ zwischengelagert wird“, formuliert erstaunt Norbert Leinung von Kreisgruppe Vulkaneifel. Bereits am 16. Dezember 2013 lag nach jetzigen Informationen der BUND-Aktiven die Bestätigung der zuvor schon festgestellten Verunreinigungen der Klärteiche in den Anlagen der Kläranlage Bauler durch einen Brandsachverständigen vor. Eine Entsorgungsfirma wurde jedoch erst am 14. Februar beauftragt. Und begonnen hat die Firma dann mit dem Einsatz von Aktivkohlefilterung dann am 10. März.
Aufklärung gefordert
Der BUND fordert in seinem Schreiben vom April Aufklärung von der Ministerin: Gibt es (inzwischen) ein Brandschutzkonzept für das betroffene Gewerbegebiet? Warum standen werksseitig keine Auffangbehälter für Löschwasser zur Verfügung? Warum wurde die werkseitige Kanalisation nicht gesperrt und als Löschwasserauffangstation benutzt? Warum waren die Feuerwehren nicht mit den Nachfolgeprodukten des nicht mehr zugelassenen Löschschaummittels mit dem Wirkstoff PFOS ausgerüstet? Wurden die Einsatzkräfte (Feuerwehr/Polizei/Rettungsdienst) mit Schadstoffen belastet? Welche Wirkstoffmenge PFT/PFOS wurde bei dem Einsatz verbraucht? Wie hoch war der Füllstand der Klärteiche in der Kläranlage Bauler vor dem Brand? Wann wurde die Kläranlage nach dem Brandbeginn durch Personal besetzt? Wie wurden die Klärschlämme entsorgt? Wie hoch waren die Grundwerte für Mikrogiftstoffe in Ableitungen der Kläranlage und den Klärschlämmen vor dem Brandereignis? Warum duldeten die Aufsichtsbehörden „Untere Wasserbehörde“ in Ahrweiler und die „Struktur- und Genehmigungsbehörde Nord“ (SGD-Nord) in Koblenz über Monate die weitgehende Außerbetriebnahme der kommunalen Kläranlage? Warum wurde die Öffentlichkeit nicht informiert und Nutzergruppen (u.a. Fischereipächter, Teichwirte, Landwirte) gewarnt?
Beeinträchtigung von Trierbach und Ahr und des Grundwassers
Völlig unverständlich und unverantwortlich erscheint dem BUND der Zeitrahmen von mehr als drei Monaten zwischen Schadensereignis und Beginn der Entsorgungsmaßnahmen in den Kläranlagen. Immerhin wurden die wesentlichen Bestandteile einer kommunalen Kläranlage und deren Pufferfähigkeit bei Niederschlägen für 3200 Einwohnergleichwerte und vier Ortschaften, die alle im Mischsystem entwässern, außer Betrieb genommen. Nach dem 10. März wurde dann auch noch die allerletzte Reserve - das Pufferbecken der Kläranlage Nürburgring - vollgepumpt und am 17. März die Filteranlage außer Betrieb genommen. „Sollten größere Mengen belastetes Löschwasser nach dem Brand oder später in den Trierbach gelangt sein, so ist nach Erfahrungen aus anderen Bereichen von einer jahrelangen Beeinträchtigung von Trierbach und Ahr sowie des Grundwassers auszugehen“, weiß Georg Schiffer von der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler.
Es könnten auch Fischteichbetriebe an der Ahr in ihrer Existenz betroffen sein, ebenso die Angelfischerei und der Tourismus. Langfristig können die Schadstoffe auch in die Trinkwasser- und Mineralbrunnen im unteren Ahrtal erreichen. Die BUND-Kreisgruppen Ahrweiler und Vulkaneifel bitten dringend Umweltministerin Ulrike Höfken um Aufklärung über die Folgen des Großbrandes vom 26. November 2013 und um die Veröffentlichung aller vorliegenden Untersuchungsergebnisse - auch zur Belastung des Trierbaches vom März. Der BUND hält weitere Untersuchungen des Sachverhaltes für unumgänglich - zumal die behaupteten und vorgeblich starken Niederschläge aus den zuständigen Niederschlagsdaten der Wetterstation Nürburg-Barweiler nicht abzulesen sind. Pressemitteilung
BUND-Kreisgruppen
Ahrweiler und Vulkaneifel
