KAB und KiTa Reifferscheid waren mit der Bibel im Rucksack unterwegs
„Maria, ich danke dir für meine Mutti und für meinen Vati“
Reifferscheid. Dass sich zur Veranstaltung „Mit der Bibel im Rucksack“ fast 50 Kinder, Eltern und Großeltern zwischen 2 und 83 Jahren vor der KiTa „Luftikus“ Reifferscheid einfanden, überraschte Kindertagesstättenleiterin Ursula Thelen und Rita und Peter Kaiser vom Ortsverband Reifferscheid/Rodder der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) riesig. Da standen Kindergartenkinder, ihre Geschwister und Eltern, Mitglieder der KAB, Großeltern der Kinder und sogar ein Gast aus dem Westerwald beisammen. „Mit der Bibel im Rucksack“ war das Motto des Wandernachmittags, eine Veranstaltung aus dem erfolgreichen „Family-life-live“-Programm des KAB-Diözesanverbandes Trier (mehr Informationen auf www.kab-trier.de ).
Zwei Tage vor dem Muttertag standen die Gottesmutter Maria und der Dank und die Anliegen für die Muttis im Mittelpunkt. Es gibt im Umfeld des ganz besonderen Eifelortes Reifferscheid Hinweise und Zeichen, die auf den durch viele Generationen weitergegebenen beziehungsreichen Weg der Menschen mit Jesus, unter dem Schutz Marias, der „Mutter aller Menschen“ hinweisen. Das Erzieherinnenteam und die Kinder der KiTa sind bereits im Vorfeld dieser Familienwanderung mit religiösen Impulsen mit Jesus auf dem Weg gewesen: Bei den diesjährigen „Heilig-Rock-Tagen“ waren die KiTa-Kinder in Trier dabei und hatten ihre gemalten Bilder zum Thema „Mir ist wichtig…“ im Dom aufgehängt. So sind ihre Wünsche, Freuden, Ängste, Hoffnungen in einer besonderen Nähe zu Gott gebracht worden. Noch einmal brachten sie in den vergangenen Tagen auf Papierherzchen das zum Ausdruck, was ihnen wichtig ist. Die Herzchen nahmen sie mit auf den Weg dieser „Mit-der-Bibel-im-Rucksack“ Wanderung.
Der erste Impuls fand in der Pfarrkirche St. Michael in Reifferscheid statt. KAB-Bezirkssekretär Martin Mohr arbeitete anhand eines echten Chormantels, den Priester auch heute in Hl. Messen tragen, mit den Kindern heraus, welche Bedeutung die Strophe des wohl bekanntesten Marienliedes hat. „Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schutz für uns daraus“, heißt es in diesem Lied, das dann auch gleich kräftig gesungen wurde. „Auch der Hl. Nikolaus und der Hl. Martin hatten einen solchen an“, wusste ein Kindergartenkind. „Der Mantel ist warm und schützt auch“ fügte ein weiteres Kind hinzu. „Und wenn ihr etwas zu bitten habt, dürft ihr immer wieder zu Maria und ihrem Kind gehen“, gab Martin Mohr den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit. Ursula Thelen packte dann noch mit den Kindern einen gemeinsamen Rucksack: in den gehörte natürlich eine Bibel, eine Marienkerze und Blumen für die Muttergottes hinein. Ein schön und mit Symbolen verzierter Pilgerstab, der sogar schon bei den Heilig-Rock-Tagen 1997 den Pilgerweg der Reifferscheider KiTa begleitete, wurde ebenfalls mitgeführt. „Wir sind auf dem Weg“ sangen die Kindergartenkinder mit ihren engagierten Erzieherinnen, sie hatten dieses schöne Lied extra für den heutigen Tag eingeübt und bereiteten auch den Älteren damit viel Freude.
Über einen Weg durch die herrlich blühende Frühlingswiese ging es dann hinab zum Jugendheim. Die mitgebrachten Blumen in der Hand, hörten die Kinder und Erwachsenen vom Leben Marias und dass sie nicht nur „Himmelkönigin“, sondern auch eine „richtige“ Mutter war. Eine liebende Frau, eine Frau aus dem Volke. KAB-Sekretär Martin Mohr erklärte, dass Maria aber auch richtig laut und deutlich, und durchaus politisch werden konnte, wenn es um die Sache der Gerechtigkeit ging. Denn nur so sei das „Magnificat“ zu verstehen, in dem Maria mahnend und im Blick auf das kommende Wirken Jesu, den sie zur Welt bringen wird, zu Elisabet sagte: „Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind, er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen“ (Lk 1,51-53). Sehr gut Bescheid wussten alle Kinder über den kurz bevorstehenden Muttertag. Der Muttertag sei erst seit ungefähr 100 Jahren in Deutschland bekannt, und er kam von den USA nach Deutschland, wo eine Tochter ihre verstorbene Mutter so sehr mochte, dass sie bei den Politikern durchsetzte, dass man von nun an ein Mal im Jahr alle Mütter feiern und ihrer Arbeit gedenken muss.
„Du hast uns deine Welt geschenkt, die Sonne, die Erde…“ - ein durch Gesten wunderbar zum Ausdruck gebrachtes Schöpfungslied der Kinder rundete diesen Impuls sehr schön ab. Der Weg führte die buntgemischte Teilnehmergruppe schließlich zur Wegkapelle an der „Holl Jass“, einem markanten Kleinod vor dem Ortseingang von Reifferscheid, das als Heiligenhäuschen allgemein bekannt ist. Im 18. Jahrhundert bereits erbaut, wurde vor kurzem mit viel Engagement von Rentner des Ortes komplett renoviert und restauriert, wird sie heute liebevoll von der Reifferscheiderin Thea Cläsgens gepflegt. Kinder und Erwachsene hängten ihre mitgebrachten Papierherzen mit den Wünschen, was ihnen wichtig ist, an einen schönen Strauch vor der Pietà des Kapellchens, stellten die mitgebrachte Marienkerze hinein, damit sie für alle Menschen leuchte, und legten ihre Blumensträuße in diesen kleinen sakralen Saalbau ab. „Maria, wir wissen, du hörst uns. Viele Menschen haben schon ganz deutlich gespürt, dass du geholfen hast. Dafür danken wir.“ Nach diesem und weiteren vom KiTa-Team zusammengestellten Gebeten der Kinder, wurde noch „Gott dein guter Segen“ gesungen und dann ging es auf die nahe gelegene Wiese, wo leckerer Kuchen, Törtchen und Nussecken, gute Limo und schmackhafter Kaffee bereitstanden. Die beisammen sitzenden Generationen hatten sehr viel Spaß miteinander und echte Freude dabei. Beim Aktionsstand der KAB auf der grünen Wiese neben den Biertischgruppen war der Andrang groß. Kinder und Eltern brachten das, was sie unter „Sinnvoll leben“ (das Jahresthema der KAB) auf einem großen Puzzleteil zum Ausdruck und malten ihre Familie, ihre liebsten Freundinnen und Freunde, die aufblühende Schöpfung oder schrieben etwas ganz Ernstes, wie z.B. ein 10-jähriger Junge: „Egal wie tief du fällst. Immer wieder aufstehen!“ Das Interesse an der „Sinn-Puzzle“-Kampagne der KAB Deutschlands (nähere Infos unter http://www.kab.de/startseite/sinnvoll-leben/aktionsfotos/ ) ist groß.
Aus der TeilnehmerInnengruppe der Reifferscheider Veranstaltung ergab sich spontan der Entschluss, am 15. November nach Köln zu fahren, wo mit über 33.000 Puzzleteilen aus allen KAB-Aktionen des Bundesgebietes das weltgrößte „Sinn-Puzzle“ gelegt werden soll. Am frühen Abend ging die TeilnehmerInnengruppe mit dem Wunsch auseinander, auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder „Mit der Bibel im Rucksack“ loszuziehen. Denn die Pflege guter christlicher Traditionen, die Vermittlung der politischen Spiritualität der KAB, das Ausprobieren von zeitgemäßen Glaubenspraktiken auf dem Hintergrund einer sich wandelnden Kirche und der Lebenswirklichkeit der Menschen heute - das müssen keine Gegensätze sein.
