Allgemeine Berichte | 30.07.2014

Fahrradfreunde Insul wagen sich in ein fremdes Element

Mit dem Kirchboot auf die Mosel

In sieben Reihen hintereinander zu je zwei Mann sind die Ruderplätze angeordnet.

Insul. Es war einmal ein Herbstwochenende 2008 in Insul an der Ahr. In der Bar des gastlichen Hauses von Hans und Ilse Welter unterhielten sich mit den beiden Gastgebern die Ruderkameraden des Neusser Rudervereins Klaus, Eva, Kalli, Barbara, Klara, Cis, über dies und das und prosteten sich mit Rebensaft aus dem Keller der Gastgeber zu. Wie es dann so geht, wird die Phantasie beflügelt, und über kurz oder lang kamen die sieben Ruderer aus dem Kreis der acht Schnabulierer auf alte Wanderfahrten mit dem Ruderboot zu sprechen und auf längst vergessen geglaubte Ereignisse: „Weißt Du noch? Und einmal - früher - da hatten wir doch die Idee, eine Barke zu bauen! Ein Boot selbst zu bauen bekommen wir aber nun im fortgeschrittenen Alter nicht mehr hin.“ Die Gedanken waren frei und wurden freier, je gemütlicher der Abend wurde. Irgendwann kristallisierte sich die Idee heraus, die Anschaffung eines finnischen Kirchbootes zu verfolgen. „Ujjujujui“ - jeder Gedankenblitz wurde mit diesem Schlachtruf abgeschlossen, sodass am Ende des Abends fast schon der Name „uijuijuijui“ gehandelt wurde. Das abendliche Ideenkarussell war auch am Sonntag in der Frühe noch lebendig und präsent in den Köpfen, und man beschloss, tatsächlich aktiv zu werden. Aufgaben wurden verteilt, und zum Frühjahr 2009 sollten erste Rechercheergebnisse zur weiteren Beratung diskutiert werden können. Das war der Anfang. Das Boot, ein sogenanntes „Kirchboot“ wurde bei einem finnischen Bootsbauer als Rohbau ohne Innenausbau in Auftrag gegeben und 2009 fertiggestellt. Nach dem Ausbau wurde das Boot zum ersten Mal am 25. April 2010 für seine Jungfernfahrt auf dem Rhein zu Wasser gelassen. Der in Finnland verbreitete Bootstyp erfreut sich bei Ruderern und speziell bei den Wanderruderern steigender Beliebtheit. Die Gründe liegen auf der Hand. Das mit 14 Ruderern zu besetzende Boot wird als Riemenboot mit zwei Ruderern nebeneinander und sieben Reihen hintereinander gerudert und von einem Steuermann an der Pinne kommandiert. Das mit zwölf Meter Länge und zwei Meter Breite sehr lagestabile Boot ist einfach zu rudern. Selbst Ruderlaien finden sich nach kurzer Einweisung in den Rhythmus der Rudercrew ein.

Der Bootstyp, der zu Tausenden auf den finnischen Seen gerudert wird, hatte einen historischen Hintergrund, bevor er zum sportlichen Freizeitboot mutierte. Auf zahllosen Inseln der finnischen Landschaft diente er als Transportboot für Menschen und Güter auf den Wassern der Seenplatte. Die sonntägliche Bootsfahrt mit Muskelkraft zur Kirchinsel erklärt den Namen Kirchboot. Nach dem Kirchgang entwickelte sich auf dem Weg nach Hause oft bei den sportlich ambitionierten Finnen ein Wettstreit mit anderen Kirchbootmannschaften. Daraus wiederum entwickelte sich die in Finnland jährlich veranstaltete Großboot-Regatta in Sulkava in finnisch Karelien mit Hunderten von Booten und weit mehr als 6000 Ruderinnen und Ruderern. Jetzt, sechs Jahre nach dem Gedanken, ein solches Boot anzuschaffen, holen die Gründer und Hauptsponsoren das Boot an seinen gedanklichen Entstehungsort zu einer Gemeinschaftsfahrt mit den Fahrradfreunden Insul an die Ahr, um dann am 14. August auf der Mosel von Senheim nach Cochem zu rudern. Die Freunde aus Insul haben bisher noch nie in einem Ruderboot gesessen, geschweige denn gerudert. So kommt ein Ruderboot an die Ahr.

In sieben Reihen hintereinander zu je zwei Mann sind die Ruderplätze angeordnet.
Mit dem Kirchboot auf die Mosel

Die Ruderfreunde holten das Boot selbst in Finnland ab.

In sieben Reihen hintereinander zu je zwei Mann sind die Ruderplätze angeordnet.

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