Bürgerversammlung zur Windkraft in Adenau
Windgleichung mit vielen Unbekannten
150 Bürger diskutierten mit Bürgermeister, BUND, Energieagentur und Projektentwicklern
Adenau. Windkraft im Einzugsgebiet der Stadt Adenau: Ja oder nein? Das war die zentrale Frage bei einer Bürgerversammlung vergangene Woche in der Hocheifelhalle. Rund 150 Bürger waren gekommen, um diese Frage mit Bürgermeister Arnold Hoffmann, Vertretern von Projektentwicklern, der Energieagentur Rheinland-Pfalz und dem BUND zu diskutieren. Man wolle frühzeitig den Dialog mit den Bürgern aufnehmen, auch wenn es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch viele Unsicherheiten über mögliche Windkraftstandorte und Genehmigungsprozesse gebe, betonte Adenaus Bürgermeister.
Hintergrund, warum überhaupt im Rahmen einer einzelnen Kommune und nicht auf Verbandsgemeindeebene diskutiert wird: Letztere hatte die Frage der Standortentwicklung im Juli vergangenes Jahr an die Gemeinden delegiert. Nachdem man anfangs angenommen hatte, dass rund 18 Prozent der Verbandsgemeindefläche als für Windkraftanlagen geeignete „Positivflächen“ infrage kommen könnten, hatten immer neue Ausschlusskriterien diese Fläche auf 1,1 Prozent oder 289 Hektar reduziert.
Gleichzeitig hatte die landesplanerische Stellungnahme ergeben, dass eine Befreiung aus der Landschaftsschutzverordnung nicht in Aussicht gestellt werde. Zudem wurde eine Landschaftsbildanalyse Hohe Acht und Nürburg gefordert und auf Horststandorte von Rotmilan und Schwarzstorch hingewiesen, die vogelkundlerische Untersuchungen nach sich ziehen würden. Weitere Gutachten wie zu Lärmemissionen der Anlagen oder zur Einhaltung des Landschaftsschutzzwecks wären hinzugekommen. So hatte die Verbandsgemeinde angesichts von drohenden Kosten für die weiteren Planungen von rund einer halben Million Euro und einem ungewissen Ausgang die Reißleine gezogen - hatte den „Schwarzen Peter“ oder die Chance auf selbstständige Planungen, je nachdem, wie man es sehen will, an die Ortsgemeinden weitergegeben.
Herschbroich ist vorgeprescht
Nur zwei Vorbedingungen in Sachen Windenergie hatte der Verbandsgemeinderat bereits im November 2011 festgeschrieben: Der Abstand von Windenergieanlagen zum nächsten Ort muss mindestens 1.000 Meter betragen. Und: Eine vorherrschende Windgeschwindigkeit von mindestens sechs Meter pro Sekunde in einer Höhe von 100 Metern über Grund muss gegeben sein.
In Herschbroich, näher noch an den attraktiven, windreichen Standorten rund um Hohe Acht und Exbachtal, hat man nach einer Bürgerversammlung bereits Nägel mit Köpfen gemacht und peilt in Kürze einen Flächensicherungsvertrag mit der Firma Kever PBB GmbH aus Kall an, einem der auch an diesem Abend in Person von Projektleiter Eckhard Klinkhammer anwesenden Projektentwickler.
So also die Ausgangslage zu Beginn der Diskussionen in der Hocheifelhalle. Von Anbeginn war die Atmosphäre aufgeladen. Schnell kristallisierte es sich heraus, dass es unter den zahlreichen Wortmeldungen ausschließlich kritische Töne zur Windkraft rund um Adenau gab. Befürworter meldeten sich jedenfalls nicht zu Wort, wenn denn überhaupt welche unter dem überwiegend älteren Publikum zu finden waren.
Die große Sorge der meisten Anwesenden: Eine Nachbargemeinde, vor allem wurde natürlich explizit Herschbroich angesprochen, lässt einige der riesigen, fast 200 m hohen Windräder bauen, die sogar die Hohe Acht überragen würden. Damit hätte Adenau doppelt Pech: Das für seine touristische Wirkung wichtige Landschaftsbild mit zentralen Sichtachsen wäre damit grundlegend verändert, und die gerade für manche klamme Gemeinde wichtigen Gewerbesteuereinnahmen wanderten in andere Kassen.
So schlugen einige Bürger vor, ebenfalls Planungen anzustoßen, um für den Fall gewappnet zu sein, dass Herschbroich oder andere Nachbargemeinden wirklich zum Zuge kommen - nach dem Motto: „Machst Du es nicht, macht es der Nachbar“. Das lehnte Bürgermeister Hoffmann mit dem Hinweis ab, Planungen auf Verdacht seien zu kostspielig und ungewiss. Es gebe nur eine Entscheidung: für oder gegen Windkraft auf dem Gebiet der Stadt Adenau. Auf andere Entwicklungen habe man ohnehin wenig Einfluss. „Ich fände es verheerend, wenn wir Anlagen in die Nähe der Hohen Acht stellen. Es wäre aber auch fatal, wenn Windräder von Nachbargemeinden dort gebaut würden und alle Adenauer darauf schauen“, beschrieb er das Dilemma, in dem er und die Stadt ständen. „Ich möchte das nicht“, äußerte er deutliche Kritik an Windkraft in dem Gebiet, gab aber auch zu bedenken, dass der Stadtrat natürlich auch eine Verantwortung für den Steuerzahler habe.
Ross und Reiter genannt
Im Verlauf der Diskussionen drangen eine Reihe von Anwesenden die anwesenden Projektentwickler verstärkt darauf, Ross und Reiter zu nennen und Einblicke in ihre begonnenen Planungen für einen Windpark an der Hohen Acht beziehungsweise im Exbachtal zu geben. Zunächst zögernd offenbarte schließlich Karsten Biennek von der juwi Energieprojekte GmbH entsprechende Folien, die auch Eckhard Klinkhammer von Kever bestätigen konnte. Danach sind zunächst fünf mögliche Anlagen an der Hohen Acht anvisiert, wovon allerdings nur eine auf der Stadt Adenau zugehörigem Gebiet liegt.
Die anderen projektierten Standorte gehören zum Landesforst. Alle besitzen hervorragende Windverhältnisse von 6,1 bis 6,8 m pro Sekunde, also über dem vom Verbandsgemeinderat im November 2011 festgeschriebenen Wert. Gleichzeitig liegen sie zwar außerhalb vom Naturschutzgebiet Hohe Acht sowie einiger naher Biotope, aber innerhalb des Landschaftsschutzgebiets Rhein-Ahr-Eifel und des Vogelschutzgebiets Ahrgebirge. Alleine Brut- und Zugvögelgutachten würden dem Wesen der Sache nach mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen. Biennek hält nicht nur deshalb eine mögliche Genehmigung für Windkraftanlagen in diesem Gebiet frühestens für Ende 2015 möglich.
Denn noch andere Gutachten seien nötig, etwa zu Schallemissionen, Windertrag, Bodenbeschaffenheit oder Wildtierbestand etwa von Fledermäusen. Auch müsse geprüft werden, ob es nötige Transportwege für die riesigen und schweren Komponenten der Windräder gebe. Denn ist hier der Aufwand für neue Schneisen zu hoch, kann nicht gebaut werden.
Die vage projektierten fünf Anlagen stellten daher nur eine Grobplanung dar, es könnten auch weniger werden, betonten Biennek und Klinkhammer unisono - aber auch mehr, ergäben sich im Rahmen der Feinplanungen weitere Standorte beispielsweise auf der anderen Seite des Exbachtals.
Stadtrat entscheidet nun
Unsicherheiten gibt es also genug: So wies ein Anwesender auf ein angebliches Urteil des Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz aus dem Jahr 2006 hin, nachdem keine Windräder im Bereich Hohe Acht und Nürburg gebaut werden dürften. Ein anderer fragte nach, wie weit die Planungen zu einem Hochseilgarten just im Gebiet der projektierten Windräder an der Hohen Acht seien. Auch dieser könnte schließlich ein Ausschlusskriterium darstellen.
Projektentwicklungen wird es nur geben, wenn Flächen vertraglich gesichert seien, betonten die Projektentwickler. Bei Landesflächen müsse es zunächst zwingend notwendig ein Bieterverfahren geben, ergänzte der ehrenamtliche Vorsitzende der Energiegenossenschaft Eegon Eifel, Johannes Pinn. Und die Behörden schauten außerdem genau hin, was die Projektierer machten und richteten ihre Entscheidungen ausschließlich an den gefällten Gutachten aus, so Klinkhammer.
Im Moment scheint daher vieles unklar in Hinblick auf einen möglichen Windpark bei Adenau. Das wichtigste Ergebnis des Abends nahm Bürgermeister Hoffmann mit in den Stadtrat: Der überwiegende Teil der Bevölkerung Adenaus ist offensichtlich gegen Windkraftanlagen auf Stadtflächen, wenn man den Tenor der Versammlung als repräsentative Aussage wertet. Er visiere auch aufgrund von möglichen Änderungen im Erneuerbaren-Energien-Gesetz laut Koalitionsvertrag und laufenden Gutachten etwa im Fall von Herschbroich eine schnelle Entscheidung im Stadtrat für oder gegen Projektentwicklungen durch die Stadt Adenau an, sprach Hoffmann nach mehr als zwei Stunden das Schlusswort unter eine kontroverse, aber fruchtbare Veranstaltung.
An Bürgermeister Arnold Hoffmann und dem Stadtrat ist es nun, einen Weg aus dem Widerstreit von Landschaftsschutz und Steuereinnahmen zu bahnen.
Rund 150 Bürger waren gekommen.
