Gedenken an die Reichpogromnacht in Andernach
Anschlag auf Halle überschattet die Veranstaltung
Andernach. Gemeinsam die Erinnerung an die Ereignisse der Pogrome am 9. November 1938 lebendig halten, dies ist das Ziel der alljährlich von der Bürgerinitiative Erinnern veranstalteten Gedenkveranstaltung. In diesem Jahr wurde das Gedenken im Alten Rathaus von dem Attentat in Halle überschattet.
„Wir müssen uns bewusst machen: Damit Rassismus funktioniert, reicht oft das bloße Nichtstun aus. Deshalb dürfen wir, um an Elie Wiesel anzuknüpfen, niemals gleichgültig sein“. Mit diesen Worten des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier erinnerte der Andernacher Bürgermeister Claus Peitz zu Beginn der Veranstaltung an die Bedeutung jedes Einzelnen, ein Vergessen und ein Wiederholen der Vergangenheit nicht zuzulassen. Eine Mahnung, die durch die von Zeitzeugen vorgetragenen persönlichen Schilderungen der Ereignisse der Schreckensnacht des Jahres 1938 noch an Eindringlichkeit gewann. Eine Tonaufnahme eines Gesprächs mit Günther Berg machte nachdenklich und betroffen zugleich: „Es war keine Rettungsmannschaft da“, antwortete er auf die Frage, ob Bürger etwas hätten tun können. Dass viele Menschen, auch wenn sie die Ereignisse der Nacht nicht guthießen, untätig blieben, erschreckt auch vor dem Hintergrund des Anschlags auf eine Synagoge in Deutschland vor wenigen Wochen. 81 Jahre nach der Reichspogromnacht ein schlimmes Zeichen, das die Frage stellt, ob es heute genug Menschen gibt, die entschieden gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und für eine tolerante Zivilgesellschaft eintreten. Ein Gedanke, der die Teilnehmer auch beim stillen Mahngang zu dem Ort begleitete, an dem einst die Synagoge der Stadt stand. Hier endete die Veranstaltung mit den Worten eines Gedichts der Theologin Jacqueline Keune, die noch lange nachhallen sollten: „Wir bekennen unser Schweigen, wo auf unser Schreien gewartet wird.“
Pressemitteilung
Initiative Erinnern
