Projektarbeit von Petra Rotarius in der August-Horch-Schule BBS Andernach
Auswirkungen von Krieg und Verfolgung
Andernach. In der August-Horch-Schule BBS Andernach stellte Petra Rotarius ihre Projektarbeit im Rahmen ihres Abschlusses vor. Sie strebt die Fachhochschulreife in der Fachrichtung Organisation und Officemanagement an.
Das alles geschah unter dem Namen „Informationsabend über die physischen und psychischen Auswirkungen von Krieg und Verfolgung“. Es waren immerhin etwa 30 Gäste anwesend, unter anderem auch Lehrer, Schüler und Pädagogen.
Kriegsfolgen verschwinden nicht nach kurzer Zeit, meistens sind die Folgen auch noch viele Jahre später zu spüren. Rotarius (19) ist selbst Kriegsenkel, da ihr Vater kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges geboren wurde. Ihre Mutter verlor Rotarius, als sie zehn Jahre alt war. Im März 2014 kam ihre Tochter auf die Welt. Durch ihre eigene Betroffenheit im Thema Trauerarbeit wurde sie auf das Thema aufmerksam und informierte sich deshalb über die Auswirkungen, die die Menschen durchmachen. Außerdem stellte sie fest, dass Kinder, die allein oder mit ihren Eltern auf der Flucht sind, alles verloren haben und sogar Familienangehörige verlieren.
Verständnis aufbringen
Da sie schon eine eigene kleine Familie hat, ist dies für sie unvorstellbar. Sie will mit dieser Veranstaltung mehr Verständnis für die Situation der Flüchtlinge und für die Kriegsbetroffenen aufbringen. Eine Fotogedenktafel eines bekannten Fotografen (Mario Engel) stellte sie auf, damit die Gäste sehen konnten, wie viele junge Männer allein aus Rieden und Volkesfeld im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen.
Rose Merfels (Diplom-Sozialpädagogin/Lehrbeauftragte der Uni Koblenz, spezialisiert auf Biografie- und Trauerarbeit) konnte aus persönlichen Gründen nicht kommen und ließ daher einen kleinen Auszug ihres Vortrags von Christina Mohr verlesen.
Sie ist Geschichts- und Deutschlehrerin sowie Fachhochschullehrerin an der Realschule plus und der Fachoberschule Mendig. Sie ist auch die ehemalige Klassenlehrerin von Rotarius. Es ging darum, wie wichtig es ist, über Trauer zu sprechen und sich damit zu beschäftigen. Rotarius wurde ebenfalls von Merfels in der Zeit nach dem Tod ihrer Mutter unterstützt. Auch wenn manche Wunden nicht heilen, sollte sich damit beschäftigt werden. Unter anderem wurde erklärt, dass es wichtig ist, seinen Schmerz nicht zu verdrängen.
Danach schilderte Maruan Patscha (Experte für Migration bei der AWO in Koblenz) die Lage in den Flüchtlingsheimen. Er erzählte, wie schwer es für die Menschen ist, erst mal so weit zu kommen und was alles durchgemacht wurde. Nachdem es geschafft wurde, bis hierhin zu kommen, steht der Familiennachzug an, der mehrere Probleme mit sich bringt. Selim Özen, Leiter der Abteilung für Migration bei der AWO Koblenz und Lehrbeauftragter an der Hochschule Koblenz, Fachbereich Sozialwissenschaften, berichtete über seine Erlebnisse mit den Flüchtlingen im Flüchtlingsheim. Er berichtete auch, wie sehr solche Geschichten ans Herz gehen.
„Hildes Geschichte“
Dr. Franz-Josef Witsch-Rothmund (Dozent an der Universität Koblenz) las abschließend einige Kapitel aus seinem Buch „Hildes Geschichte“ vor, welches seine Schwester und deren Erlebnisse mit dem Zweiten Weltkrieg schildert. Dabei knüpfte er an die Vorträge der AWO-Mitarbeiter an und sagte nochmals, wie wichtig es ist, den Menschen zu helfen und sich mit der Trauer zu beschäftigen.
Für Rotarius war dies eine gelungene Abschlussarbeit, die nicht nur positive Auswirkungen auf ihren Abschluss hat, sondern auch auf die Flüchtlinge.
Selim Özen (rechts) und Maruan Patscha standen Rede und Antwort. Foto: Picasa
Eine Fotogedenktafel erinnerte daran, wie viele junge Männer allein aus Rieden und Volkesfeld im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen. Foto: Picasa
