Ein Blick in die verborgene Stadtgeschichte
Bäche und Mühlen in der Bäckerjungenstadt: Neuer „Andernacher Beitrag“ erschienen
aus Andernach
„Andernacher Untergrund“ - so könnte man das Thema des neu erschienenen „Andernacher Beitrags“ mit einem Augenzwinkern zusammenfassen. Nur noch wenigen dürfte heute bekannt sein, dass einst vier Bäche durch das Gebiet der heutigen Kernstadt plätscherten. Neben dem Deubach waren dies der Antelbach, der Felsterbach und der Kennelbach, der innerhalb der Stadtmauern Schafbach hieß. Mit Ausnahme des Deubachs, der heute noch streckenweise im Westen der Kernstadt oberirdisch verläuft, wurden die anderen Andernacher Bäche im 19. und 20. Jahrhundert praktisch vollständig unter die Erde verbannt.
Der spannenden Geschichte der vier Andernacher Bäche kann jetzt in Buchform erstmalig auf die Spur gegangen werden. Dabei kommen zahlreiche interessante Aspekte zu Tage: Der heute nur noch nahe der Quelle sichtbare Antelbach floss bis etwa 1890 offen durch die Kirchstraße, wo er bei Starkregen immer wieder für Überschwemmungen sorgte. Daher hatten bereits die Römer im 1. oder 2. Jahrhundert n.Chr. einen mächtigen unterirdischen Kanal aus gewaltigen Tuffsteinblöcken für den Bach verlegt. Dieser Kanal, der wahrscheinlich schon im Frühmittelalter (6. – 9. Jahrhundert) nicht mehr unterhalten wurde und verstopfte, kam bei den jüngsten Tiefbauarbeiten in der Kirchstraße wieder ans Tageslicht. Ein archäologischer Beitrag von Stefanie Baumgarten-Mischuda und Frank Brüninghaus (GDKE – Landesarchäologie Koblenz) gibt nun interessante Einblicke zu diesem bedeutenden Relikt römerzeitlicher Ingenieurskunst in Andernach.
Andernachs wasserreichster und wichtigster Bach war der Kennelbach, der am Hackenborn entsprang. Im Mittelalter wurde dieser Bach umgeleitet und verlief nun entlang von St. Thomas durch die heutige Kennelstraße und die Ubierstraße (früher Bachstraße), dann über die Schafbachstraße und den Marktplatz in den Stadtgraben, wo er auch den Burggraben füllte. Der Bach mündete neben dem Bollwerk in den Rhein. Zeitweise trieb der Kennelbach fünf Wassermühlen gleichzeitig an, deren Geschichte erstmalig in dem neuen Band nachzulesen ist. Heute zeugen noch die Straßenbezeichnungen „Am Hackenborn“, „An der Mohrsmühle“, „Mohrsmühlenweg“, „Kennelstraße“ und „Schafbachstraße“ von diesem Wasserlauf, dessen ergiebige Quelle seit 1575 auch die Wasserversorgung Andernachs sicherstellte. Die Überwölbung des Schafbachs stellte dann 1890/91 den Auftakt zur Anlage der modernen Kanalisation in Andernach dar.
Wer wissen möchte, weshalb man im Mittelalter auf dem Marktplatz baden konnte, wo einst eine der bedeutendsten Lederfabriken des Rheinlands stand und weshalb Andernach früher sogar einen eigenen Kneipp-Verein beheimatete, dem sei der neue Andernacher Beitrag empfohlen! Der Band ist ab sofort im Museumsshop in der „Bagatelle“ (Hochstraße 92) zum Preis von 16 Euro erhältlich.
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Über Andernachs verschwundene Bäche und Mühlen kann man sich jetzt im neuen „Andernacher Beitrag“ informieren. Foto: Regina Unruh, Stadt Andernach