Politik | 23.01.2015

Pro Rheintal Bürgernetzwerk Boppard

Bahnlärm nachts dominierend

Neue Zahlen des Umweltbundesamtes zeigen: Mehr Menschen in den Nachtstunden von Schienenlärm betroffen als von anderen Verkehrsarten

Region. Im Zusammenhang mit der Lärmaktionsplanung hat das Umweltbundesamt jetzt neue Zahlen vorgestellt: Danach sind allein in den Ballungsräumen und an den Hauptverkehrsstrecken über zehn Millionen Menschen durch Straßenlärm von mehr als 55 Dezibel betroffen sowie 8,2 Millionen durch Schienenlärm. Das Bemerkenswerte der neuen Statistik ist, dass nachts mehr Menschen Bahnlärm ausgesetzt sind als Straßen- und Fluglärm zusammengenommen. So kommen in den Abend- und Nachtstunden zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens 6,543 Millionen Menschen mit Schienenlärm in Kontakt gegenüber 5,935 Millionen von Straßenlärm Betroffenen.

Wie kann das sein, wo doch der Anteil der Menschen, die an Bahnlinien leben, nur ein Fünftel der Bevölkerung ausmacht, während drei Viertel der Bevölkerung dem Straßenverkehr ausgesetzt sind?

Die konkrete Erfassung macht deutlich, dass insbesondere der Schienengüterverkehr in den Nachtstunden die Siedlungsgebiete aktiv verlärmt und die immensen Lautstärken weit in die Wohnumgebungen eindringen, wodurch eine Vielzahl von Personen betroffen ist.

Laut Erkenntnissen von Pro Rheintal ist dies maßgeblich auf ein Versagen des Gesetzgebers bei der Lärmgesetzgebung zurückzuführen. Dieser habe seit den 1970er-Jahren darauf vertraut, dass der Bahnverkehr durch einen geringen Ausbau des Streckennetzes sowie durch hohe jährliche Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge eher leiser als lauter würde und entsprechend keine Grenzwertvorgaben brauche. So jedenfalls sei dies in den Gutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen von damals zu lesen.

Tatsächlich seien aber trotz jährlicher Milliardeninvestitionen Fahrzeuge und Strecken immer maroder und älter geworden und dadurch auch lauter.

Prof. Markus Hecht von der Technischen Universität Berlin rechnet vor, dass allein im Rheintal die Güterzüge in den letzten 40 Jahren um 11,5 dB(A) lauter wurden, während im gleichen Zeitraum alle anderen Verkehrsmittel um 10 bis 15 dB(A) leiser geworden sind.

10 dB entsprechen gefühlt einer Verdopplung des Lärms. „Das heißt konkret: die Bahn ist im Verhältnis zu früher heute dreimal so laut wie ein Lkw oder ein Flugzeug und sie scheut sich nicht, mit dieser Monsterlautstärke in den Nachtstunden durch ruhige Wohngebiete zu poltern und Menschen echte Körperverletzung zuzufügen“, sagt Frank Gross von Pro Rheintal.

Das alles müsse nicht sein, denn technisch gesehen ist diese Art von Bahnlärm vermeidbar. Dadurch, dass bis heute keine Vorgaben für die Grenzwerte von Fahrzeugen und Fahrwegen gemacht wurden, hat sich die Bahn auch nicht ums „leise sein“ gekümmert, erläutert Gross. Dr. Ulrich Storost, bis 2011 Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht, kommentiert das so: „Ein kaum noch erträgliches Maß an gesetzgeberischer Entscheidungsabstinenz, das heißt, es liegt ein verfassungsrechtlich bedenkliches Defizit an Funktionswilligkeit des Parlaments vor.“

Unter der Schirmherrschaft der neuen Präsidentin des Umweltbundesamtes Maria Krautzberger findet am 13. und 14. März in Boppard der 2. Internationale Bahnlärm-Fachkongress statt, auf dem Mediziner, Techniker und Juristen die Situation interdisziplinär diskutieren, um zu abschließenden Ergebnissen zu kommen. Neben Dr. Storost und Prof. Hecht werden dort unter anderem die renommierten Mediziner und Epidemiologen Prof. Eberhard Greiser und Prof. Peter Lercher sowie viele weitere führende Wissenschaftler, Juristen und Techniker referieren und mögliche Lösungen vorstellen.

Weitere Informationen unter: Pro Rheintal Bürgernetzwerk, Frank Gross, 1. Vorsitzender, Simmerner Straße 12, 56154 Boppard, Tel. (0 67 42) 80 10 69 -0, Fax (0 67 42) 80 10 69 -1, E-Mail:info@pro-rheintal.de.

Pressemitteilung

der Pro Rheintal Bürgernetzwerk Boppard

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